Bestrahlung der Gaumenmandeln – ein- oder beidseitig?

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Wenn nur eine der beiden Gaumenmandeln betroffen ist, reicht es unter bestimmten Umständen aus, nach der Operation nur die erkrankte Seite zu bestrahlen.

Wenn eine der beiden Gaumenmandeln von Krebs befallen ist, wird empfohlen, im Anschluss an die Operation noch eine Strahlentherapie durchzuführen, um die Gefahr eines Rückfalls zu senken. Dabei reicht eine einseitige intensitätsmodulierte Strahlentherapie offenbar aus, wie Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Cancer berichteten.

Die Gaumenmandeln befinden sich im hinteren Teil der Mundhöhle am Übergang zum Rachen. Sie bestehen aus lymphatischen Gewebe und dienen als Teil des Immunsystems der Infektabwehr. So bilden die Gaumenmandeln eine Barriere für Krankheitserreger, die etwa über die Mundschleimhaut in den Rachen gelangen könnten. Gaumenmandelkrebs kann beidseitig vorkommen, aber auch auf eine der beiden Mandeln begrenzt sein.

In der aktuellen Studie wurden 154 Patienten mit ein- oder beidseitigem Gaumenmandelkrebs nach der Operation bestrahlt. Diejenigen, bei denen der Tumor nur eine Seite betraf und sich entweder noch gar nicht oder in mehrere Lymphknoten derselben Seite ausgebreitet hatte, erhielten entweder eine intensitätsmodulierte Strahlentherapie nur der erkrankten oder beider Gaumenmandeln. Die übrigen Patienten mit beidseitigem Krebs oder mit einem Lymphknotenbefall beider Halsseiten bzw. mit sehr großen Lymphknotenmetastasen wurden grundsätzlich beidseitig bestrahlt.

Nach fünf Jahren waren in allen drei Gruppen nahezu alle Patienten noch ohne einen Rückfall an der ehemals erkrankten Stelle (100 Prozent bei einseitiger Bestrahlung, 96 und 94 Prozent bei beidseitiger Bestrahlung). Auch hinsichtlich des Fünf-Jahresgesamtüberlebens gab es zwischen den Gruppen keine signifikanten Unterschiede. Von den Patienten, die nur einseitig bestrahlt worden waren, hatte kein einziger einen Rückfall der Erkrankung auf der anderen, ursprünglich nicht erkrankten Halsseite erlitten. Gleichzeitig war die einseitige intensitätsmodulierte Strahlentherapie mit weniger akuten Nebenwirkungen verbunden als die beidseitige; die einseitig bestrahlten Patienten stuften ihre Lebensqualität höher ein als die beidseitig bestrahlten.

Offenbar, so die Interpretation der Studienautoren, reiche bei Patienten mit einseitigem Gaumenmandelkrebs, der keine oder nur Lymphknoten derselben Halsseite befallen hat, eine intensitätsmodulierte Strahlentherapie der erkrankten Seite nach der Operation aus, um die lokale Rückfallgefahr wirksam zu senken. Dadurch könnten den Patienten akute Nebenwirkungen erspart bleiben.

Bei der sogenannten intensitätsmodulierten Strahlentherapie treffen die Strahlen aus verschiedenen Richtungen an der Zielstelle ein und können in ihrer Intensität zielgenau angepasst werden. Dadurch wird gesundes Gewebe geschont, die Häufigkeit von Nebenwirkungen ist reduziert.

 

Quelle:

Chin, R. et al.: Comparison of unilateral versus bilateral intensity-modulated radiotherapy for surgically treated squamous cell carcinoma of the palatine tonsil. Cancer, Onlinevorabveröffentlichung am 7. September 2017, DOI: 10.1002/cncr.30931

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 15.12.2017 21:20