Beim Merkelzellkarzinom die Immunantwort stärken

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Merkelzellkarzinome, seltene, aggressive Tumoren der Haut, sprechen im fortgeschrittenen Stadium auf die Immuntherapie an.

Wenn auf einer Hautstelle, die häufig der Sonne ausgesetzt ist, ein schmerzloser, hellroter bis bläulicher, halbkugeliger Tumor entsteht, der rasch wächst, kann es sich unter Umständen um ein Merkelzellkarzinom handeln. Dann ist rasch eine Therapie gefragt, um alle Heilungschancen auszunutzen. Inzwischen können beim Merkelzellkarzinom wie beim schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom, auch neuartige Immuntherapien erfolgreich eingesetzt werden. Das fasst ein Bericht in der Fachzeitschrift InFo Onkologie zusammen.

Das Merkelzellkarzinom ist ein neuroendokriner Tumor der Haut, der oft sehr rasch wächst und sich über Blut- und Lymphgefäße aggressiv in den Körper ausbreitet. Er macht weniger als ein Prozent aller nichtmelanozytären, also hellen Hautkrebsarten aus und ist mit 0,3 bis 0,8 Fällen pro 100.000 Personen jährlich in Deutschland eine eher seltene Erkrankung. Das durchschnittliche Erkrankungsalter der Betroffenen liegt bei 74 bis 76 Jahren. 

Die Operation ist, sofern es das Stadium der Erkrankung zulässt, in der Regel die erste Therapiemaßnahme, wobei versucht wird, das Tumorgewebe restlos zu entfernen. Da Merkelzellkarzinome jedoch schon früh zur Ausbreitung in die Umgebung neigen, kann eine unterstützende (adjuvante) Strahlentherapie im Anschluss an die Operation das Risiko für einen lokalen Rückfall senken und das Gesamtüberleben verbessern. 

Bei fortgeschrittenen Tumoren, die schon in den Körper metastasiert haben, war die Chemotherapie lange Zeit die Standardtherapie, mit nur mäßigem Erfolg. Seit Oktober 2017 können die Patienten mit einer Immuntherapie mit dem Antikörper Avelumab behandelt werden. Er richtet sich gegen PD-L1 („programmed cell death-ligand 1“) und hemmt die Interaktion zwischen PD-L1 auf den Tumorzellen und dem PD-1-Rezeptor auf Immunzellen, den sogenannten T-Zellen. Dadurch werden die T-Zellen, die zuvor vom Tumor lahmgelegt wurden, wieder aktiviert und können ihn bekämpfen. Mit der neuartigen Therapie lassen sich gute Ansprechraten erzielen, die krankheitsfreie Zeit und das Gesamtüberleben verlängern sich dadurch teilweise erheblich. Erste Ergebnisse mit einem weiteren Wirkstoff aus der Gruppe der Immuntherapien, dem Anti-PD-1-Antikörper Pembrolizumab, zeigten ebenfalls eine gute Wirksamkeit.

 

Quelle:

Niesert A-C et al. Die Checkpointinhibition hält Einzug. Aktuelle Therapiestrategien beim Merkelzellkarzinom. InFo Onkologie 2018, 07:32-39

 

(KvK)

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Aktualisiert am: 14.12.2018 11:31