Bei Vorhautverengung auch an Lichen sclerosus denken

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Offenbar verbirgt sich hinter einer Phimose bei Männern häufig ein Lichen sclerosus, der das Risiko für Peniskrebs erhöht.

Wenn bei Männern die Vorhaut am Penis so verengt ist, dass Beschwerden entstehen und eine Behandlung notwendig wird, kann ein Lichen sclerosus dahinterstecken. Darauf verweist eine Studie in der Fachzeitschrift Urology. Es empfiehlt sich, diese Erkrankung zu behandeln, weil sie ein erhöhtes Risiko für Peniskrebs darstellt.

Im Kindesalter sprechen Mediziner von einer primären Phimose, Phimosen, die erst im Erwachsenenalter auftreten, werden als „sekundär“ bezeichnet. Sie entstehen in der Regel als Folge von Vernarbungen bzw. entzündlichen Prozessen, etwa einem Lichen sclerosus. In der aktuellen Studie wurden 92 Männer untersucht, die sich wegen einer Phimose einer Operation unterziehen mussten. Bei 54 Patienten und damit fast 59 Prozent fand sich schon bei der klinischen Untersuchung als Ursache der Vorhautverengung ein Lichen sclerosus. Nach der feingeweblichen Untersuchung stand fest, dass insgesamt 62 Männer, also gut zwei Drittel, an Lichen sclerosus erkrankt waren, bei einem fand sich ein Lichen planus („Knötchenflechte“), der ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Krebs birgt.

Die Studienautoren weisen darauf hin, dass Lichen sclerosus offenbar eine häufige Ursache für eine Phimose bei erwachsenen Männern sei. Es müsse bei einer klinischen Untersuchung wegen einer Vorhautverengung immer auch danach gesucht werden, um gegebenenfalls rechtzeitig eine entsprechende Behandlung einzuleiten.

Beim Lichen sclerosus findet sich zunächst in der Regel eine leichte, flächige Rötung, später kommen übermäßige Verhornung, weißliche Verfärbungen, dünne Haut, Einrisse und Einblutungen hinzu. Schmerzen und Juckreiz sind nicht selten. Treten harte Plaques oder Knoten auf oder heilen geschwürige Veränderungen nicht ab, kann dies auf die Entstehung von Peniskrebs hindeuten.

 

Quelle:

Czajkowski M et al.: Lichen Sclerosus and Phimosis – Discrepancies Between Clinical and Pathological Diagnosis and Its Consequences. Urology, Onlinevorabveröffentlichung am 5. November 2020, DOI:https://doi.org/10.1016/j.urology.2020.11.027

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 16.10.2021 13:03