Bei lokal fortgeschrittenem Melanom schon vor der Operation mit Immuntherapie behandeln

Nachricht vom 08.06.2024

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Die neoadjuvante Immuntherapie mit zwei Wirkstoffen kann bei schwarzem Hautkrebs in bestimmten Fällen die Überlebensaussichten verbessern.

Die Operation kann bei malignem Melanom Heilung bringen. Doch wenn der Tumor lokal bereits fortgeschritten ist, besteht ein hohes Rückfallrisiko, weshalb nach dem Eingriff in der Regel noch eine unterstützende adjuvante Immuntherapie durchgeführt wird. Findet eine solche unterstützende Immuntherapie vor der Operation, also neoadjuvant, statt, sind die Erfolgsaussichten noch höher, wie Ergebnisse einer in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine publizierten Phase 3-Studie belegen.

In der Studie erhielten 423 Personen mit operablem Melanom im lokal fortgeschrittenen Stadium III entweder zwei Zyklen einer neoadjuvanten Immuntherapie mit einem PD1- und einem CTLA-4-Blocker mit anschließender Operation oder eine Operation mit nachfolgend zwölf Zyklen adjuvanter Immuntherapie mit dem PD1-Blocker. Diejenigen Personen, die nur teilweise oder gar nicht auf die neoadjuvante Immuntherapie ansprachen, sollten nach der Operation noch eine adjuvante Therapie erhalten.

Nach zwölf Monaten war das ereignisfreie Überleben in der neoadjuvanten Gruppe signifikant besser als in der adjuvanten, der mittlere Gewinn an ereignisfreier Zeit lag bei acht Monaten. Knapp 60% der Personen in der neoadjuvanten Gruppe zeigten ein großes Ansprechen auf die Therapie, acht Prozent sprachen nur teilweise an und 26% überhaupt nicht. Bei gut zwei Prozent schritt die Krankheit trotz der Behandlung weiter fort. Von den Personen, die gut auf die neoadjuvante Therapie ansprachen, hatten nach zwölf Monaten fast alle noch keinen Rückfall erlebt, während dies bei einem Viertel derjenigen mit teilweisem Ansprechen und 43% derjenigen, die gar nicht angesprochen hatten, geschah.

Die Rate an schweren Nebenwirkungen Grad 3 oder mehr war bei der neoadjuvanten Immuntherapie höher als bei der adjuvanten Immuntherapie. Dies war nicht überraschend, weil bei der neoadjuvanten Therapie zwei Immuncheckpointhemmer eingesetzt wurden, bei der adjuvanten nur einer. Dies führt zwangsläufig zu einer verstärkten Reaktion des Immunsystems, die sich auch gegen körpereigene Strukturen richten kann.

Die neoadjuvante Zweifachimmuntherapie, gefolgt von der Operation und - je nach Tumorantwort – einer adjuvanten Therapie führe offenbar zu einem längeren ereignisfreien Überleben als die Operation plus adjuvante Immuntherapie, so die Zusammenfassung im Studienbericht.

 

Quelle:

Blank CU et al. Neoadjuvant Nivolumab and Ipilimumab in Resectable Stage III Melanoma. New England Journal of Medicine, Onlinevorabveröffentlichung am 2. Juni 2024, DOI: 10.1056/NEJMoa2402604

 

(KvK)

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