Bei fortgeschrittenem Harnwegskrebs: Immuntherapie auch schon in der Erstbehandlung möglich

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Unter bestimmten Umständen kann anstelle einer Kombinationschemotherapie eine Immuntherapie mit einem Checkpointblocker durchgeführt werden.

Bei fortgeschrittenem Harnwegskrebs, der nicht mehr operiert werden kann und/oder sich schon mit Metastasen in andere Organe ausgebreitet hat, ist der Standard in der Ersttherapie eine Kombinationschemotherapie, in der Zweittherapie eine Immuntherapie mit Checkpointblockern. Künftig kann die Immuntherapie in manchen Fällen auch in der Ersttherapie angewendet werden, wie aus einem Bericht in der Fachzeitschrift best practice onkologie hervorgeht.

Die Wahrscheinlichkeit für Harnwegskrebs steigt mit dem Lebensalter, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 75 Jahren. Da die Betroffenen dann oft schon altersbedingt weitere Erkrankungen aufweisen, kommt die übliche cisplatinhaltige Kombinationschemotherapie wegen ihrer zu erwartenden starken Nebenwirkungen nicht immer infrage. Etwa 30 bis 50 Prozent der Patienten mit Begleiterkrankungen können die Chemotherapie nicht durchführen. Dies gilt etwa bei schon bestehender höhergradiger Innenohrschwerhörigkeit, bei peripherer Nervenschädigung (Polyneuropathie), bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz), bei einer schlechten Allgemeinverfassung und bei einer eingeschränkten Nierenfunktion. Zwar kann die Dosis von Cisplatin reduziert oder anstelle von Cisplatin auch Carboplatin verabreicht werden, was besser verträglich erscheint, jedoch leidet darunter meist auch die Effizienz der Behandlung.

Für Patienten, für die eine cisplatinhaltige Chemotherapie nicht geeignet ist, besteht nun die Möglichkeit, eine Immuntherapie mit einem PD-1- oder PD-L1-Blocker durchzuführen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Tumor viel PD-L1 (PD-L1: „programmed death-ligand 1“) bildet. Nur dann können die beiden Checkpointblocker gut wirken und das Gesamtüberleben verbessern.

Weitere Wirkstoffe sind derzeit in der Entwicklung und Erprobung, um die Aussichten von Patienten mit fortgeschrittenem Harnwegskrebs weiter zu verbessern.

 

Quelle:

Fender HE et al: Therapie des metastasierten Urothelkarzinoms. best practice onkologie 2020,15(9):368-76

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 24.01.2021 21:32