Bei Enddarmkrebs abwarten und beobachten

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Spricht Enddarmkrebs gut auf eine neoadjuvante Chemo-Strahlentherapie an, kann unter Umständen auf die Operation und einen künstlichen Darmausgang verzichtet werden. Voraussetzung sind engmaschige Kontrollen.

Nicht bei allen Krebserkrankungen ist es ratsam, immer sofort eine Therapie einzuleiten, abwartende beobachtende Strategien haben sich in bestimmten Situationen durchaus bewährt. Nun stellten Wissenschaftler eine solche für Patienten mit Enddarmkrebs (Rektumkarzinom) vor: Nach einer unterstützenden (neoadjuvanten) Chemo-Strahlentherapie, auf die der Tumor vollständig oder fast vollständig angesprochen hat. In einem solchen Fall kann eine Operation hinausgezögert werden, wodurch sich unter Umständen der Enddarm erhalten lässt. Ein Bericht zur Studie erschien kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of the National Cancer Institute.

An der Studie hatten 100 Patienten teilgenommen, bei denen Enddarmkrebs diagnostiziert worden war. Sie erhielten eine neoadjuvante Chemo-Strahlentherapie und sprachen darauf komplett oder fast komplett an. Bei 61 Patienten verschwand der Tumor infolge der Therapie (komplettes Ansprechen). Ihnen wurde eine abwartende Beobachtung (Watch-and-Wait-Strategie) angeboten, bei der sie im ersten Jahr alle drei Monate, danach alle sechs Monate mittels Tastuntersuchung, Enddarmspiegelung und MRT untersucht wurden. 39 Patienten reagierten mit einem fast kompletten Ansprechen, was bei 24 nach einer zweiten Behandlung in ein komplettes Ansprechen überging. Auch ihnen wurde die abwartende Strategie angeboten. Die übrigen 15 Patienten unterzogen sich einer speziellen Operation per Schlüssellochchirurgie (endoskopische Mikrochirurgie), die durch den Anus hindurch durchgeführt wird. 

Künstlicher Darmausgang kann vermieden werden

Drei Jahre nach der Diagnose lebten noch 97 Prozent der Patienten. Nur bei fünf Patienten hatte sich der Krebs in andere Organe ausgebreitet und Tochtergeschwülste (Metastasen) gebildet. 85 Prozent der Patienten blieben auch frei von lokalen Rückfällen am ursprünglichen Tumorort. 95 Prozent der Patienten blieb eine operative Entfernung des Enddarms und damit ein künstlicher Darmausgang (Kolostoma) erspart – mit gutem Kontinenzerhalt, also der Fähigkeit, den Stuhlgang willentlich zu steuern, bei den Patienten mit abwartender Strategie und mit moderatem Kontinenzerhalt bei den Patienten, die sich einer endoskopischen Mikrochirurgie unterzogen hatten.

Nur bei engmaschiger professioneller Nachsorge 

Nach Ansicht der Studienautoren könne bei vollständigem oder nahezu vollständigem Ansprechen von Enddarmkrebs nach einer neoadjuvanten Chemo-Strahlentherapie ein Organ- und damit Kontinenzerhalt durch eine abwartende beobachtende Strategie angestrebt werden, ohne Einbußen in der Lebenserwartung befürchten zu müssen. Voraussetzung sei allerdings eine engmaschige Nachsorge mittels Darmspiegelung und MRT. Damit ließe sich in vielen Fällen ein künstlicher Darmausgang vermeiden, was den Patienten einen großen Gewinn an Lebensqualität bringt.

 

Quelle:

Martens, M. H. et al.: Long-term Outcome of an Organ Preservation Program After Neoadjuvant Treatment for Rectal Cancer. JNCI J Natl Cancer Inst (2016) 108 (12): djw171; doi: 10.1093/jnci/djw171

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebs:

Zurück

Aktualisiert am: 15.12.2017 21:20