Bei Brustkrebs: Molekulare Tests wiederholen

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Infolge einer neoadjuvanten Chemotherapie vor der Brustkrebsoperation können sich offenbar bestimmte Tumormerkmale ändern, was die Auswahl der möglichen Therapiestrategien beeinflusst.

Bei der Diagnostik von Brustkrebs spielen neben dem Tumorstadium immer auch die molekularen Merkmale eine Rolle – sie bestimmen maßgeblich die Therapie. Wie sich nun in einer Studie in der Fachzeitschrift European Journal of Cancer bestätigte, können sich diese Merkmale infolge einer neoadjuvanten, also vor der Operation stattfindenden Chemotherapie ändern. Für die weitere Behandlung der betroffenen Patientinnen hat dies Folgen.

Therapie richtet sich nach Rezeptorstatus

Hormonrezeptorpositive Tumoren, die für die Wirkung der weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron empfänglich sind, können mit einer entsprechenden Antihormontherapie behandelt werden, bei hormonrezeptornegativen Tumoren ist eine solche Therapie nicht sinnvoll – so lautet die allgemeine „Regel“. Ähnliches gilt für das Tumormerkmal HER2, für das es spezifische Wirkstoffe gibt. Nun schauten Wissenschaftler, ob sich diese Merkmale im Verlauf der Tumorerkrankung ändern können.

Änderung von Hormon- und HER2-Rezeptorstatus

Sie schlossen in ihre Studie Brustkrebspatientinnen ein, die operiert werden konnten – ein Teil von ihnen bekam zuvor eine neoadjuvante Chemotherapie, die anderen nicht. Bei ca. einem Fünftel der Patientinnen mit neoadjuvanter Chemotherapie bildete sich der Tumor komplett zurück. Bei den übrigen Patientinnen gelang dies nicht. Ihre Tumoren wurden nach der Operation erneut untersucht. In rund 16 Prozent der Fälle hatte sich infolge der Chemotherapie der Gewebetyp geändert – mehr lobuläre und metaplastische Tumoren waren plötzlich vorhanden. Bei rund 29 Prozent war der Tumorgrad zurückgegangen. Aber auch der Status hinsichtlich der Hormonempfindlichkeit (Östrogen-/Progesteronrezeptorstatus) und des HER2-Rezeptors hatte sich bei einem Teil der Patientinnen (sieben bis 14 Prozent) geändert: Meist war es ein Wechsel von hormonrezeptornegativen zu hormonrezeptorpositiven Tumoren sowie von HER2-positiven zu HER2-negativen Tumoren. Bei den Patientinnen, die keine neoadjuvante Chemotherapie erhalten hatten, kamen solche Veränderungen nur minimal vor.

Wiederholte Testung ist angebracht

Die Ergebnisse zeigten, dass die Merkmale bösartiger Brusttumoren wiederholt getestet werden müssten. Ein Wechsel von hormonunempfindlichen zu hormonempfindlichen Tumoren während der neoadjuvanten Chemotherapie beispielsweise eröffne für die betroffenen Patientinnen womöglich neue Therapieoptionen.

 

Quelle:

Gahlaut, R. et al.: Effect of neoadjuvant chemotherapy on breast cancer phenotype, ER/PR and HER2 expression – Implications for the practising oncologist. European Journal of Cancer 2016, 60:40-48

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 25.05.2017 17:35