Behandlung bei Darmkrebs: Komplexe Diagnostik ist Voraussetzung

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Längst reicht es bei der Diagnose von Darmkrebs nicht mehr aus, das Tumorstadium zu bestimmen. Die molekularen Eigenschaften des Tumors zu kennen, ist inzwischen die Voraussetzung für eine optimale Therapie.

Dank der Einführung neuartiger systemischer, also im ganzen Körper wirkender Therapien haben sich die Überlebensaussichten von Patienten mit metastasiertem Darmkrebs in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Um für jeden Patienten die optimale Therapie zu finden, ist es inzwischen eine Voraussetzung, das Tumorgewebe hinsichtlich seiner molekularbiologischen Eigenschaften zu untersuchen. Das fasst ein Bericht in der Fachzeitschrift Der Onkologe zusammen.

Darmkrebs ist hierzulande eine der häufigsten Krebserkrankungen. Rund zwei Drittel der Fälle betreffen den eigentlichen Dickdarm, das Kolon, das übrige Drittel den Enddarm, das Rektum. Bei beiden Tumorarten (zusammen: Kolorektalkarzinom) können zielgerichtete Therapien und neuartige Immuntherapien eingesetzt werden, wenn die Krebszellen jeweils bestimmte molekulare Eigenschaften aufweisen. Deshalb gehört es bei der Diagnosestellung inzwischen zum Standard, nicht nur das Tumorstadium zu bestimmen, sondern auch molekularbiologische Eigenschaften der Krebszellen zu erfassen.

So wird zum Beispiel untersucht, ob in den Krebszellen bestimmte Veränderungen, sogenannte Mutationen, in den Genen vorliegen, etwa eine Mutation im NRAS- oder KRAS-Gen, eine BRAF-Mutation oder eine Mikrosatelliteninstabilität. Solche Veränderungen bestimmen das biologische Verhalten des Tumors und damit beispielsweise seine Aggressivität und Neigung, sich rasch oder weniger rasch auszubreiten oder sein Ansprechen auf Chemotherapien. Und somit hat es einen Einfluss auf die Prognose. 

Gleichzeitig wird die Therapiestrategie je nach Tumormerkmalen auf jeden Patienten individuell ausgerichtet. Zielgerichtete Therapien wie BRAF- und MEK-Hemmer, Antikörper gegen den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) oder den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) können, wenn bestimmte Mutationen vorliegen, eingesetzt werden. Bei Tumoren mit hoher Mikrosatelliteninstabilität, die mit einer eher ungünstigen Prognose einhergehen, weil sie beispielsweise auf klassische Chemotherapie schlecht ansprechen, können die Aussichten durch den Einsatz moderner Immuntherapie mit Checkpointblockern oder die Kombination zielgerichteter Antikörper offenbar verbessert werden.

 

Quelle:

Kurreck A et al. Systemische Therapie des metastasierten Kolonkarzinoms. Strategien in der Kombinations- und Sequenztherapie. Onkologe 2021, 27:259-66

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 15.04.2021 16:21