Autoimmunerkrankung und Melanom – Immunsystem ankurbeln?

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Auch bei Patienten mit einer Autoimmunkrankheit kann, wenn sie an schwarzem Hautkrebs erkranken, eine Immuntherapie durchgeführt werden. Allerdings ist besondere Vorsicht geboten.

Bei fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs, dem malignen Melanom, können seit kurzem neuartige Wirkstoffe eingesetzt werden, die das Immunsystem zu einer verstärkten Antwort gegen die Krebszellen ankurbeln. Nun stellten sich Wissenschaftler die Frage, wie sicher eine solche Immuntherapie bei Patienten ist, die vor dem Melanom schon an einer Autoimmunerkrankung gelitten haben. Bei diesen Erkrankungen richtet sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen und beschädigt diese. Die Forscher berichteten über die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift JAMA.

Für die Studie wurden 30 Patienten gewonnen, die wegen eines malignen Melanoms mit dem monoklonalen Antikörper Ipilimumab behandelt wurden. Als sogenannter Checkpoint Blocker bindet er sich an sogenannte CTLA-4-Rezeptoren an den T-Zellen, die dann die Krebszellen verstärkt attackieren. Alle Studienteilnehmer hatten vor der Hautkrebsdiagnose an einer Autoimmunerkrankung gelitten, darunter rheumatoider Arthritis, Psoriasis, entzündlichen Darmerkrankungen, systemischem Lupus erythematodes, multipler Sklerose und autoimmuner Schilddrüsenentzündung. 43 Prozent von ihnen erhielten auch noch zu Beginn der Immuntherapie gegen den Hautkrebs eine immunsuppressive, also das Immunsystem unterdrückende Therapie gegen die Autoimmunerkrankung.

Bei 27 Prozent der Patienten verschlechterte sich die Autoimmunkrankheit infolge der Krebstherapie. Schwerwiegende, das Immunsystem betreffende Nebenwirkungen traten bei einem Drittel der Patienten auf. Sie konnten in den meisten Fällen gut mit Kortikosteroiden oder einem TNF-Blocker behandelt werden. Bei einem Patienten endete eine autoimmunbedingte Darmentzündung tödlich – vermutlich weil er erst eine Woche, nachdem die Durchfälle begonnen hatten, den Arzt aufsuchte. Die Hälfte der Patienten erlebte weder eine neue Episode der Autoimmunkrankheit noch das Immunsystem betreffende Nebenwirkungen. Bei einem Fünftel der Patienten sprach das Melanom auf die Immuntherapie an, bei einem Patienten war dies sogar dauerhaft der Fall.

Nach Ansicht der Studienautoren müsse davon ausgegangen werden, dass es bei Melanompatienten mit bestehender Autoimmunerkrankung bei einer Immuntherapie mit dem Checkpoint Blocker Ipilimumab zu einer Verschlechterung der Autoimmunerkrankung kommen kann. Aus diesem Grund sei bei diesen Patienten besondere Vorsicht bei der Immuntherapie geboten. Sowohl die Verschlechterung der Autoimmunerkrankung als auch das Immunsystem betreffende Nebenwirkungen könnten jedoch in den meisten Fällen gut behandelt werden, sofern sie rechtzeitig erkannt würden.

 

Quelle:

Johnson, D. B. et al.: Ipilimumab Therapy in Patients With Advanced Melanoma and Preexisting Autoimmune Disorders. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 3. Dezember 2015, doi:10.1001/jamaoncol.2015.4368

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 09:43