Aufklärung – ist nicht ungesund

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Aufklärende Gespräche über die Prognose bei einer Krebserkrankung führen zu realistischeren Vorstellungen der Patienten, offenbar ohne dass ihr seelisches Befinden nachhaltig gestört würde

Gespräche mit den Betroffenen über eine Krebsdiagnose und die zu erwartende Prognose gelten als besonders heikel – u.a. aus Furcht, die schonungslose Aufklärung könne den weiteren Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Doch wirkt sich ein klärendes Gespräch tatsächlich so ungünstig aus? Dieser Frage gingen US-amerikanische Wissenschaftler in einer Studie unter 590 Patienten mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung nach. Die Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Oncology.

Die Studienteilnehmer litten an einer Krebserkrankung, die bereits in andere Organe gestreut hatte und trotz mindestens einer beschwerdelindernden (palliativen) Chemotherapie weiter voranschritt. Zu Beginn der Untersuchung wurden sie dazu befragt, ob ihnen der Onkologe Auskunft über ihre Prognose gegeben hatte. 71 Prozent von ihnen wünschten sich eine solche Aufklärung über die verbleibende Lebenserwartung, doch nur 18 Prozent gaben an, sie von ihrem Arzt auch erhalten zu haben.

Im weiteren Verlauf wurden die Patienten gebeten, ihre Prognose selbst einzuschätzen. Dies gelang jenen, die vom Arzt über die Schwere ihrer Krankheit aufgeklärt worden waren, im Verhältnis zum tatsächlichen Krankheitsverlauf besser. Gleichzeitig litten diese Patienten nicht häufiger unter Ängsten und Traurigkeit, als jene, die im Unklaren über ihre Prognose geblieben waren. Auch die Beziehung zu ihrem Arzt war nicht schlechter.

Nach Ansicht der Studienautoren könne eine Aufklärung über die Prognose zu realistischeren Erwartungen der Patienten hinsichtlich ihrer Krankheit und Lebenserwartung führen, ohne das allgemeine Befinden oder die Arzt-Patienten-Beziehung nachhaltig zu stören.

 

Quelle:

Enzinger, A. C. et al.: Outcomes of Prognostic Disclosure: Associations With Prognostic Understanding, Distress, and Relationship With Physician Among Patients With Advanced Cancer. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 5. Oktober 2015, doi: 10.1200/JCO.2015.61.9239

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 27.06.2017 17:13