Auch die Psyche leidet oft

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Schon in den Monaten vor der Krebsdiagnose finden sich bei den Betroffenen gehäuft psychische Probleme, die sich über die Diagnose hinaus fortsetzen. Psychologische Betreuungsangebote für Krebspatienten sind laut einer neuen Studie ein Muss.

Psychische Erkrankungen finden sich bei Krebspatienten vergleichsweise häufig. Wie schwedische Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift JAMA Oncology berichteten, treten solche Störungen bereits in den Monaten vor der Krebsdiagnose gehäuft auf.

Die Forscher analysierten die Daten von mehr als 304.000 Krebspatienten und über drei Millionen nicht an Krebs erkrankten Personen, die von 2001 bis 2010 in schwedischen Gesundheitsregistern festgehalten worden waren. Für den Vergleich wurden die Krebspatienten und die nicht daran Erkrankten hinsichtlich Geburtsjahr, Geschlecht und Ausbildungsstand abgeglichen. Die Hälfte der Krebspatienten war zum Zeitpunkt der Diagnose mindestens 69 Jahre alt, rund 47 Prozent waren Frauen. 

Rund zehn Monate vor der Krebsdiagnose begann bei den Krebspatienten die Rate an psychischen Störungen anzusteigen. In der Woche nach der Krebsdiagnose erreichte sie einen Peak und fiel anschließend wieder ab. Allerdings blieb die Häufigkeit bis zehn Jahre nach der Diagnose erhöht.

Der Anstieg psychischer Störungen betraf alle häufigen Krebsarten mit Ausnahme von nicht-melanozytärem, sogenanntem hellem Hautkrebs (Plattenepithelkarzinome, Basaliome). Er war bei Krebsarten, die üblicherweise mit einer ungünstigeren Prognose verbunden sind, stärker. Ab dem Monat vor der Krebsdiagnose verbrauchten Krebspatienten häufiger Medikamente gegen psychische Erkrankungen als die Kontrollpersonen – rund drei Monate nach der Krebsdiagnose war der Unterschied am stärksten ausgeprägt.

Auch in Hinsicht auf mögliche mentale Störungen benötigen Krebspatienten nach Ansicht der Studienautoren eine gute und intensive Betreuung. 

 

Quelle:

Lu, D. et al.: Clinical Diagnosis of Mental Disorders Immediately Before and After Cancer Diagnosis

A Nationwide Matched Cohort Study in Sweden. JAMA Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 28. April 2016, doi:10.1001/jamaoncol.2016.0483

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05