Auch den Partner ins Visier nehmen

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Eine Krebserkrankung beeinträchtigt nicht nur den Betroffenen selbst, sondern ist in der Regel auch für die Angehörigen ein Einschnitt und eine Belastung. Neue psychosoziale Betreuungsangebote für Paare und Familien tragen dem Rechnung.

Nicht nur für die erkrankte Person ist eine Krebserkrankung ein herber Schlag – auch das Familienumfeld leidet oft mit. Zunächst müssen die Arztbesuche und Klinikaufenthalte mit umfassenden Diagnostiken und Therapien sowie den dabei auftretenden Nebenwirkungen in den familiären Alltag integriert werden, anschließend folgen Rehabilitationsmaßnahmen und Nachsorgetermine. Oft ist die gemeinsame Lebensplanung beeinträchtigt, gemeinsame Ziele wie ein Kinderwunsch, ein Umzug oder eine größere Reise können unter Umständen nicht mehr umgesetzt oder müssen verschoben werden. Über allem steht die bange Frage um den Ausgang der Erkrankung: Ist sie heilbar? Wenn nicht, wie lange lässt sich das Fortschreiten aufhalten? Wie gehen wir damit um, wenn der nahe Tod unausweichlich zu sein scheint. Manchmal können Partnerschaften an dieser Herausforderung scheitern und gar auseinanderbrechen.

Viele Angehörige übernehmen die körperlich wie seelisch herausfordernde Pflege, so lange es geht. Sie möchten dabei selbst immer eine emotionale Stütze für den Krebskranken sein, und das, obwohl sie selbst unter vielen Ängsten im Zusammenhang mit der Erkrankung und Pflege leiden und in ihren eigenen Lebenswünschen erheblich beeinträchtigt sind. Diese Belastung schlägt sich bei den Angehörigen nicht nur psychisch, sondern auch körperlich nieder: Sie leiden nachweislich häufiger unter erhöhtem Blutdruck, haben Beschwerden wie Nervosität, Unruhe, leichte Reizbarkeit, Schlafstörungen, Schwindel, Herzrasen oder Kopfschmerzen und weisen mitunter eine geschwächte Immunabwehr auf, weshalb sie an Infekten erkranken. Und nicht zuletzt achten sie nicht mehr genügend auf sich selbst und folgen einem ungesunden Lebensstil: Sie beginnen zu rauchen oder rauchen noch mehr als vorher schon, sie greifen häufiger zu Alkohol, sie nehmen sich keine Zeit für gesundes Essen und bewegen sich zu wenig.

Um diese Situation zu verbessern, wurde das strukturierte psychosoziale Programm „Seite an Seite“ entwickelt, das Paare während oder nach einer Krebserkrankung unterstützen soll. Der Schwerpunkt dieses Programms liegt darin, die partnerschaftliche Kommunikation zu verbessern. Die Paare werden angeleitet, ihre Gefühle und Gedanken in Bezug auf die Krebserkrankung und die damit zusammenhängenden Belastungen angemessen zu äußern. Die Partner lernen gegenseitig, die Gefühle und Gedanken nicht mehr zu verbergen, sondern dem anderen mitzuteilen, wie es ihnen geht. Vermittelt werden Kommunikationsfertigkeiten wie Sprecher- und Zuhörerregeln, aber auch Strategien, wie der Stress gemeinsam bewältigt werden kann, ohne dass es zu gegenseitigen Vorwürfen oder gar Schuldzuweisungen kommen muss.

Sind Kinder in der Partnerschaft vorhanden, wird auch die Kommunikation mit ihnen in den Fokus genommen. Und auch der Umgang mit sexuellen Bedürfnissen und sexuellen Problemen, die im Rahmen einer Krebserkrankung und –behandlung auftreten können, wird betrachtet. Erste Studienergebnisse belegen, dass sich die Teilnahme an einem solchen Programm für Paare lohnt und sich ihre Situation verbessert.

 

Quelle:

Zimmermann T et al. Krebserkrankung und Partnerschaft. Wie Sie Paare beim Umgang mit einer Tumorerkrankung unterstützen können. Im Focus Onkologie 2018, 21(9):66-9

 

(KvK)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Zurück

Aktualisiert am: 20.11.2018 14:52