Asbest: Unvergänglich – auch in der Lunge

Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Einmal eingeatmet bleibt die Konzentration an unter anderem Lungenkrebs-auslösendem Asbest in der Lunge über viele Jahre konstant.

Der Baustoff Asbest ist offenbar im wahrsten Sinne des Wortes „unvergänglich“ (vom Griechischen asbestos): Selbst viele Jahre nach einer Exposition sind die Fasern noch in der Lunge in konstanter Konzentration nachweisbar. Das geht aus den Ergebnissen einer Studie in der Fachzeitschrift European Respiratory Journal hervor.

Asbest bezeichnet verschiedene natürlich vorkommende, faserförmige kristallisierte Silikat-Minerale, die nach technischer Aufbereitung lange Zeit als Baustoffe verwendet wurden. Da sie schnell zerfasern, können sie leicht eingeatmet werden und sich in der Lunge festsetzen. Seit geraumer Zeit ist bekannt, dass intensiver Kontakt mit Asbest mit gesundheitlichen Gefahren wie Lungenkrebs oder Mesotheliom des Lungenfells (Pleura) einhergeht, wobei Weißasbest (Chrysotil) und Blauasbest (Krokydolith) für die Gesundheitsschäden die weitaus größte Bedeutung tragen. Asbest ist besonders biobeständig, was offenbar auch – einmal eingeatmet - für sein Vorkommen in der Lunge gilt. Seit 1993 ist die Verwendung von Asbest als Baustoff in Deutschland verboten. In vielen Häusern kommen die langlebigen Asbestprodukte wie Bodenbeläge oder Dachplatten jedoch noch vor.

In der jetzt publizierten Studie untersuchten Forscher von der Ruhr-Universität Bochum jeweils zweimal die Asbestkonzentration im Gewebe von zwölf Patienten, bei denen eine asbestbedingte Lungenerkrankung diagnostiziert worden war. Die Proben stammten aus verdächtigen Tumoren in der Lunge, verdickten Stellen des Lungenfells oder Lungenfibrosen unklarer Herkunft. Die erste Gewebeprobe wurde in den Jahren 1987 bis 2011 während einer Operation entnommen und damit bei der Hälfte der Patienten mindestens 9,5 Jahre, nachdem der Kontakt zu Asbest stattgefunden hatte. Die zweite Untersuchung mittels Biopsie fand frühestens vier Jahre später statt.

Wie sich herausstellte, blieb die Konzentration der Asbestfasern in der Lunge der Patienten über die Zeit stabil. Am häufigsten fand sich Weißasbest (Chrysotil).

Zum ersten Mal, so die Studienautoren sei damit nachgewiesen, dass eine Belastung mit Asbest in menschlichen Lungen über einen langen Zeitraum anhalte. Der Stoff wird offenbar weder abgebaut noch ausgeschieden, und die Lunge regeneriert sich - anders als beim Rauchen - nach Beendigung der Exposition nicht. Dies erkläre womöglich, dass mitunter noch Jahrzehnte, nachdem ein intensiver Kontakt mit Asbest stattgefunden habe, asbestbedingte Krankheiten auftreten können. Da Asbest auch heute noch in vielen Häusern vorkommt, sind zur Vermeidung des direkten Kontakts mit Asbest insbesondere beim Heimwerkern ausreichende Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Studienergebnisse sind zudem für die Anerkennung asbestbedingter Erkrankungen als Berufskrankheit von Bedeutung.

 

Quelle:

Feder, I. S. et al.: The asbestos fibre burden in human lungs: new insights into the chrysotile debate. Eur Respir J 2017, 49:1602534

 

(kvk)

Zur Nachrichtenübersichtsseite

 

Weitere Nachrichten zum Thema Lungenkrebs

Zurück

Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07