Antikörpertherapie bei Brustkrebs

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Eine Therapie mit dem anti-HER2-Antikörper Trastuzumab nach Operation und Chemotherapie kann bei einem bestimmten Brustkrebstyp im Frühstadium die Überlebenszeit langfristig verbessern.

Bei sogenanntem HER2-positivem Brustkrebs im frühen Stadium können durch eine Therapie mit dem anti-HER2-Antikörper Trastuzumab das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben verbessert werden. Auch nach einer langen Beobachtungszeit von vielen Jahren ist dieser Überlebensvorteil zu beobachten, wie Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift The Lancet berichteten.

HER2 ist der sogenannte Wachstumsfaktor-Rezeptor, eine Eiweißstruktur auf der Zelloberfläche. Durch ihn erhält die Zelle Signale, sich zu teilen und zu vermehren. Solange nur wenige HER2-Rezeptoren auf der Zelloberfläche sitzen, erhält die Zelle nur wenige Wachstumssignale und die Zellteilung verläuft langsam und kontrolliert. Bei etwa einem Fünftel aller Brustkrebspatientinnen jedoch ist die Anzahl der HER2-Bindungsstellen auf den Brustkrebszellen stark erhöht, der Brustkrebs wird dann als HER2-positiv bezeichnet. Die Zellen erhalten so viele Wachstumssignale, dass sie sich unkontrolliert teilen und vermehren. Anti-HER2-Antikörper wie Trastuzumab unterbrechen diese Signalgebung und halten die Zellvermehrung auf.

An der großen internationalen Studie hatten 5.099 Patientinnen mit frühem HER2-positivem Brustkrebs aus 39 Ländern teilgenommen. Sie erhielten je nach Krankheitsstadium die notwendigen ersten Therapien (Operation, Chemo- und wenn nötig Strahlentherapie) und wurden dann nach dem Zufallsprinzip entweder ein oder zwei Jahre lang alle drei Wochen mit Trastuzumab behandelt oder einer Beobachtungsgruppe zugeführt. 

Nach einer Beobachtungszeit von rund elf Jahren stellte sich heraus, dass in den beiden Trastuzumabgruppen signifikant weniger Frauen ein Voranschreiten der Krankheit erlebt hatten als in der Beobachtungsgruppe. 63 Prozent der Patientinnen der Beobachtungsgruppe blieben innerhalb der ersten zehn Jahre krankheitsfrei, 69 Prozent jeweils in den Trastuzumabgruppen, zwischen denen es somit keinen Unterschied gab. Allerdings wechselte gut die Hälfte der Patientinnen aus der Beobachtungsgruppe nach einer gewissen Zeit zur Therapie mit Trastuzumab.

Eine einjährige unterstützende Therapie mit Trastuzumab nach der Operation und Chemotherapie könne bei HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium auch langfristig das Fortschreiten der Krankheit aufhalten, so die Schlussfolgerung der Studienautoren. Dabei mache es jedoch keinen Unterschied, ob die Therapie mit dem anti-HER2-Antikörper ein oder zwei Jahre lang durchgeführt werde.

 

Quelle:

Cameron, D. et al.: 11 years' follow-up of trastuzumab after adjuvant chemotherapy in HER2-positive early breast cancer: final analysis of the HERceptin Adjuvant (HERA) trial. The Lancet, Onlinevorabveröffentlichung am 16. Februar 2017, DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(16)32616-2

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.10.2017 09:43