Analkrebs: Warum die Impfung gegen HPV wichtig ist

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Chronische Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) sind der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Analkrebs. Die Impfung ist deshalb nicht nur ein Schutz gegen die Ansteckung, sondern vermutlich auch Krebsprophylaxe.

In den meisten Fällen handelt es sich bei Analkrebs um ein Plattenepithelkarzinom, für das eine chronische, also anhaltende Infektion mit humanen Papillomviren (HPV) der wichtigste Risikofaktor ist. Darüber berichteten Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Der Onkologe.

Humane Papillomviren können gutartige Tumoren, sogenannte Warzen, verursachen, aber auch bösartige Tumoren. Ebenso wie bei Gebärmutterhalskrebs ist vermutlich HPV-16 besonders oft an der Krebsentstehung im Anus beteiligt. Zumindest ist er der häufigste Virustyp, der bei Neuinfektionen mit HPV im Anus entdeckt wird und am schlechtesten von allein ohne Therapie ausheilt. Wenn die Infektion anhält, bilden sich Läsionen im Anus bzw. Analkanal, sogenannte Neoplasien, Vorstufen, die sich dann zu Krebs entwickeln können. Wahrscheinlich gehen neun von zehn Erkrankungen an Analkrebs auf eine Infektion mit HPV zurück.

Aus diesem Grund kann die Impfung gegen HPV, bei der unter anderem auch der Typ 16 erfasst wird, nicht nur Gebärmutterhalskrebs verhindern, sondern auch die Entstehung von Analkrebs. Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zur HPV-Impfung erstreckt sich inzwischen nicht mehr nur auf Mädchen, sondern auch auf Jungen. Sie sollte möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein, weshalb sie für das Alter zwischen neun und 14 Jahren empfohlen wird. Zwei Dosen im Abstand von mindestens fünf Monaten müssen verabreicht werden. Bei Impfungen in späteren Lebensjahren sind drei Dosen erforderlich.

Derzeit sind vermutlich 30 bis 45% der 14- bis 17-jährigen Mädchen in Deutschland vollständig gegen HPV geimpft. Wie hoch die Impfquote bei Jungen ist, wurde noch nicht erfasst, weil die Ausweitung der Impfempfehlung auf das männliche Geschlecht noch nicht lange her ist. Erste Daten zeigen, dass die Impfung einen Rückgang nicht nur von HPV-Infektionen bewirkt, sondern auch von Warzen im Anogenitalbereich und von Neoplasien, also Krebsvorstufen, im Gebärmutterhals. 

 

Quelle:

Barnes B et al. Primärprävention von Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus und des Anus. Onkologe 2020, 26(4):367-70

 

(KvK)

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Zuletzt aufgerufen am: 02.07.2020 15:42