Alkohol als Risikofaktor für Krebs noch weitgehend unterschätzt

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Alkohol ist ein gewichtiger Risikofaktor für viele Krebserkrankungen. Die amerikanische Gesellschaft für Klinische Onkologie warnt in einer aktuellen Stellungnahme davor, dass er in der Bevölkerung noch immer nicht ernst genug genommen wird.

Schätzungsweise fünfeinhalb Prozent aller Neuerkrankungen und knapp sechs Prozent aller Todesfälle an Krebs weltweit gehen demnach auf das Konto von Alkohol. Er gilt als Risikofaktor für zahlreiche Krebsarten, darunter Mundhöhlen- und Mundrachenkrebs, Kehlkopfkrebs, Speiseröhrenkrebs, Leberkrebs, Brustkrebs und Darmkrebs.

Der stärkste Zusammenhang besteht zu Erkrankungen des oberen Verdauungstrakts, also an Organen bzw. Geweben, die beim Trinken mit dem Alkohol unmittelbar in Berührung kommen, wie die Mundhöhle, der Kehlkopf und die Speiseröhre. So haben starke Trinker ein mehr als fünffach höheres Risiko für Mundhöhlenkrebs als Abstinenzler. Insgesamt spielen sowohl die absolut getrunkenen Mengen an Alkohol als auch die Dauer regelmäßigen Alkoholkonsums eine Rolle dafür, wie hoch das Krebsrisiko ist. Jede 10 g pro Tag reinen Alkohols steigern das Risiko für Krebs im oberen Verdauungstrakt um neun Prozent. Die krebsfördernden Effekte von Alkohol potenzieren sich durch synergistische Interaktionen, wenn weitere Risikofaktoren wie das Rauchen hinzukommen. Die World Cancer Research Fund/AICR empfiehlt, den täglichen Alkoholkonsum auf zwei Drinks bei Männern und einem Drink bei Frauen zu begrenzen.

Ethanol, der „Grundstoff“ des Alkohols, selbst ist nicht krebserregend. Jedoch wird er im Körper durch Oxidationsprozesse zuerst in Azetataldehyd und anschließend Azetat umgewandelt. Azetaldehyd bindet an die DNA und an Eiweiße und wirkt krebsbegünstigend. Aus diesem Grund wird Alkohol von der International Agency for Research on Cancer (IARC) als Karzinogen der Gruppe 1 eingestuft. Bei Substanzen dieser Gruppe gilt es als unzweifelhaft nachgewiesen, dass sie Krebs verursachen können.

In der öffentlichen Wahrnehmung spielt nach Ansicht der American Society of Clinical Oncology Alkohol als Risikofaktor für Krebs bislang nur eine untergeordnete Rolle. So würde Befragungen zufolge allein in der US-amerikanischen Bevölkerung knapp ein Viertel der Jugendlichen zwischen 12 und 20 Jahren angeben, in den letzten 30 Tagen Alkohol getrunken zu haben, jeder zehnte Jugendliche in diesem Alter sei episodischer Trinker, bei zwei Prozent handele es sich um schwere episodische Trinker, schon sechs Prozent wiesen Symptome einer Alkoholabhängigkeit auf. Um das öffentliche Bewusstsein für die Problematik Alkohol und Krebsrisiko zu schärfen, müssten in den kommenden Jahren große Anstrengungen unternommen werden.

 

Quelle:

LoConte N K et al. Alcohol and Cancer: A Statement of the American Society of Clinical Oncology. Journal of Clinical Oncology, Onlinevorabveröffentlichung am 7. November 2017, DOI: https://doi.org/10.1200/JCO.2017.76.1155

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 22.11.2017 17:14