Aktive Überwachung bei Prostatakrebs

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In einer Studie aus den USA zeigten sich große Lücken im Kontrollverlauf: Patienten mit aktiver Überwachung wurden deutlich seltener untersucht als eigentlich vorgesehen.

Bei Prostatakrebs in einem noch frühen Stadium ist nicht immer zwingend eine Therapie nötig. In vielen Fällen reicht es aus, regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchzuführen und nur dann therapeutisch einzugreifen, wenn sich der Krebs tatsächlich weiterentwickelt. Doch kann eine abwartende und zunächst beobachtende Strategie nur dann vorteilhaft für die Patienten sein, wenn sie auch konsequent umgesetzt wird. Offenbar ist dies jedoch nicht immer der Fall, wie US-amerikanische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Cancer berichteten.

Die Forscher werteten die Daten von fast 38.000 Prostatakrebspatienten aus, die ihre Diagnose zwischen 2004 und 2007 erhalten hatten und zwei Jahre lang begleitet worden waren. Rund 3.600 von ihnen wählten eine abwartende und beobachtende Strategie anstelle von Operation und Strahlentherapie. Bei diesen Patienten wurde im folgenden Verlauf ein Test auf Prostata-spezifisches Antigen (PSA) seltener als bei den aktiv behandelten Patienten durchgeführt. Nur 4,5 Prozent von ihnen wurden in den beiden Jahren tatsächlich so aktiv überwacht, wie es bei dieser Strategie empfohlen wird. 

Leider, so die Studienautoren, sei in der Studie nicht zwischen den beiden abwartenden Strategien abwartendes Beobachten („Watchful Waiting“) und aktive Überwachung („Active Surveillance“) unterschieden worden. Bei der aktiven Überwachung werden die Patienten deutlich engmaschiger kontrolliert als beim abwartenden Beobachten, um im Bedarfsfall rechtzeitig mit einer heilenden Therapie zu beginnen. Dennoch sei in der Studie deutlich geworden, dass Patienten, die von vornherein eine Therapie erhalten hatten, häufiger kontrolliert werden, als Patienten, deren Krankheit zunächst unbehandelt bleibt und bei denen die Kontrolle eigentlich der zunächst wichtigste Bestandteil der Therapiestrategie sein sollte. In diesem Punkt bestehe Handlungsbedarf: Patienten dürfe eine aktive Überwachung nur dann angeboten werden, wenn deren Durchführung auch sichergestellt werden kann.

 

Quelle:

Chamie, K. et al.: Population-based assessment of determining predictors for quality of prostate cancer surveillance. Cancer 2015, 121(23):4150-4157

 

(kvk)

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Aktualisiert am: 20.07.2017 16:54