Test soll Risiko für vier frauenspezifische Krebsarten ermitteln

Labor, Quelle: © Hoda Bogdan - fotolia.com
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Ziel: Individualisierte Vorbeugung anhand des spezifischen Risikoprofils


Mit einem einzigen Test das individuelle Risikofür Brust-, Eierstock-, Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs ermitteln um daraus einen Vorsorgeplan abzuleiten – das ist das ehrgeizige Ziel des FORECEE(4C)-Projekts. Gelingen soll dies anhand von kombiniert genetischen, epigenetischen und metagenetischen Analysen eines Zervixabstrichs.

Brust-, Eierstock, Gebärmutterhals- und Gebärmutterkörperkrebs machen fast die Hälfte aller weiblichen Tumorerkrankungen aus. Für diese Krebsarten gibt es bereits verschiedene Methoden zur Risikoabschätzung und Früherkennung. Sie basieren entweder auf der Erkennung erblicher Genvarianten und/oder epidemiologischer Evidenz wie der Familiengeschichte, reproduktiver oder hormoneller Faktoren. „Keines dieser Modelle hat es bis dato als Standard in die Klinik geschafft“, erläutert der Leiter des FORECEE Projekts Prof. Martin Widschwendter, Gynäko-Onkologe und Direktor des Department of Women’s Cancer am University College London.

Widschwendter ist zuversichtlich, dass dies dem „Women’s Cancer Risk Identification“ (WID) Test gelingen könnte, der im Rahmen des FORECEE-Projekts entwickelt wird. Der Test soll das individuelle Risiko, innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre an einer der vier Krebsarten zu erkranken, ermitteln. FORECEE (oder 4C) steht für “Female cancer prediction using cervical omics to individualise screening and prevention”.

Analyse epigenetischer Veränderungen

Zervixkarzinom-Zelle, Quelle: © royalitystockphoto - fotolia.com
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Das neue Test-Modell basiert auf den Erkenntnissen, dass sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren (Rauchen, Alkoholkonsum, Lebensstil) sowie reproduktive und weitere epidemiologische Faktoren die Entstehung frauenspezifischer Tumore beeinflussen. All diese Faktoren wirken sich auch auf das Epigenom einer Zelle aus, werden hier sozusagen „gespeichert“. Hier setzt der WID-Test an: Untersucht wird die DNA-Methylierung – eine der drei wichtigsten epigenetischen Veränderungen einer Zelle.

Als Zellmaterial für die Untersuchung dient ein Gebärmutterhalsabstrich. Diese Zellen sind für den Test aus mehreren Gründen gut geeignet: Sie sind hormon-sensitiv (spiegeln also die sich akkumulierende hormonellen Aktivitäten wider) und als epitheliale Zellen auch potenzieller Ausgangspunkt für die Entstehung eines Tumors. Zudem sind sie leicht zu gewinnen – denn ein Abstrich ist anders als eine Biopsie nicht belastend.

Test-Validierung

Visualisierung Krebs-Vorsorge, Quelle: © DOC RABE Media - fotolia.com
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„Zusätzlich analysieren wir aus demselben Zellmaterial auch genetische Veränderungen um zu schauen, ob die daraus gewonnen Erkenntnisse die Risikovorhersage präzisieren können“, erklärt Prof. Widschwendter. „Und als dritten Parameter analysieren wir auch das sogenannte Metagenom, Bakterien und Viren, die sich in diesem Abstrich befinden.“

In der ersten Phase der Testentwicklung wird das zytologische Material von Frauen analysiert, die aktuell an einer der vier frauenspezifischen Krebsarten erkrankt sind. Das Material wird dann mit dem gesunder Frauen verglichen. So lassen sich krebsspezifische Signaturen erkennen. Validiert wird der Test anhand von Abstrichen schwedischer Frauen, die in den letzten Jahrzehnten in der Swedish National Clinical Cytology Biobank gesammelt wurden. „Einige der Frauen, deren Zellproben dort einlagern, sind später an einem Tumor erkrankt, sodass wir sagen können ob unser Test das Potenzial hat, die Frauen zu erkennen, die wirklich einen Krebs entwickelt haben“, so Widschwendter.

Wenn sich der Test als valide erweist, könnten Vorsorgeprogramme speziell für verschiedene Risikogruppen zugeschnitten werden. Frauen mit hohem Risiko würden dann engmaschiger überwacht werden als Frauen aus einer niedrigen Risikogruppe.

Identifikation der Hoch-Risiko-Gruppe

Zunächst konzentriert sich die Test-Entwicklung auf die Voraussage solcher Tumore, die schlecht behandelbar sind, z. B. triple-negativen Brustkrebs oder „high grade seröse“-Ovarialkarzinome. Hier gibt es derzeit nur sehr limitierte Therapieoptionen. Eine individualisierte Vorbeugung dieser spezifischen Krebserkrankungen ist ein wesentliches Ziel von FORECEE.

Für Frauen vor der Menopause wird im Rahmen des Projekts ein Test entwickelt, um BRCA1/2-Mutationen aus dem Abstrich über die epigenetischen Veränderungen zu erkennen. Denn – so Prof. Widschwendter – 50 Prozent der BRCA1/2-Mutationsträgerinnen würden alleine anhand der Familienhistorie nicht erkannt, sondern erst dann, wenn sie das Karzinom bereits entwickelt hätten. Für die durch diesen Test erkannte Hoch-Risiko-Gruppe könnte dann ein spezielles Vorsorgeprogramm zur Anwendung kommen. Ein weiterer Fokus der Testentwicklung liegt darauf, die niedrige Spezifität des HPV-Tests zu verbessern.

Außerdem werden im Rahmen des 4C-Projekts die ethischen, rechtlichen und ökonomischen Implikationen eines solchen Tests untersucht und Strategien für die Implementierung und die (Risiko-)Kommunikation erforscht.

Das europäische Forschungsprogramm mit mehr als einem Dutzend Partnern wird von der EU mit rund acht Millionen und von The Eve Appeal mit zusätzlichen zwei Millionen Euro gefördert. Aus Deutschland sind bis dato zwei Gruppen beteiligt: Das Team von Prof Dr Nadia Harbeck (Brustzentrum der LMU in München, in Kooperation mit der Rotkreuzklinik) sowie das Harding Zentrum für Risikokompetenz des Max-Planck-Instituts für Bildungsfoschung.

Erst kürzlich erhielt Widschwendter für seine Forschungsarbeiten den „ERC Advanced Grant“. Das Forschungsbudget von 2,5 Millionen Euro gilt als einer der prestigeträchtigsten Forschungspreise in Europa.

 

(pn)

Literatur:

[1] Website des FORECEE-Projekts: http://www.forecee.eu/

[2] FORECEE - Female Cancer Prediction Using Cervical Omics to Individualise Screening and Prevention. Study Protocol Summary September 2015. Online unter http://forecee.info/Protocol.pdf

[3] Nora Pashayan, Daniel Reisel & Martin Widschwendter - Integration of Genetic and Epigenetic Markers for Risk Stratification: Opportunities and Challenges, Personalized Medicine, March 2016, Vol. 13, No. 2, Pages 93-95. Online unter http://www.futuremedicine.com/doi/abs/10.2217/pme.15.53

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 25.04.2017

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Aktualisiert am: 18.08.2017 15:05