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Hodgkin-Lymphom-Experten zeigten Wege zu verträglicheren Krebstherapien

Prof. Engert
Quelle: © Thorsten Kern Fotografie

Spannende Ansätze zur minimalen Resterkrankung und ein Update sämtlicher klinischer Aspekte der Erkrankung inklusive neuer Daten zur Immuntherapie mit PD1-Antikörpern standen im Fokus des 10. Internationalen Symposiums zum Hodgkin Lymphom (ISHL10) 2016. 

Weitere Aspekte des Symposiums waren die Verbesserung der Erstlinientherapie, neue Therapieansätze für ältere Patienten sowie vor allem die bessere Vermeidung von Spätschäden. Ein Beispiel ist die behandlungsassoziierte Fatigue, die von unserer Gruppe sehr ausführlich untersucht wurde und im letzten Jahr zu Orginalpublikationen in Lancet Oncology bzw. dem Journal of Clinical Oncology führte.

PD1-Inhibitoren bei extrem vorbehandelten Patienten wirksam

„An der Uniklinik Köln haben wir weltweit die meisten Hodgkin-Patienten mit PD-1-Inhibitoren behandelt, bei diesen Patienten hatten zuvor alle anderen Therapien versagt“, so Prof. Andreas Engert, Leiter der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) und Koordinator des Kongresses. „Es zeigte sich eine überraschend gute Wirksamkeit bei extrem vorbehandelten Patienten sowie eine ausgezeichnete Verträglichkeit“. 

PD1-Inhibitoren lösen die krebsbedingte Blockade der Kontrollpunkte des Immunsystems („Checkpoints“) wieder auf und stimulieren das Immunsystem, um Tumorzellen zu erkennen und zu vernichten. PD1 steht für „Programmed cell death protein 1“.

Kombinationstherapien: Nebenwirkungen minimieren

In weiteren Studien gilt es nun herauszufinden, bei welchen Patienten diese immuntherapeutischen Wirkstoffe besonders wirksam sind und in welcher Weise sie gegebenenfalls mit anderen Wirkstoffen zu kombinieren sind. „Unser Ziel ist es weiterhin, die Patienten vom Hodgkin-Lymphom zu heilen. Aber wir müssen gleichzeitig sicherstellen, dass die Kombinationstherapien zu keinen relevanten neuen Nebenwirkungen führen“, erklärt Engert die Zielsetzung für die nächsten Jahre.

Forschungspreise verliehen

Der Karl-Musshoff-Preis für den besten vorklinischen Abstract wurde in diesem Jahr an Herrn Dr. Arjan Diepstra (Niederlande) für seine Arbeit im Bereich der Antigen-Präsentation beim klassischen Hodgkin Lymphom verliehen. Der Gewinner des besten klinischen Abstracts war Herr Prof. Pier Luigi Zinzani aus Bologna (Italien), der neue klinische Studienergebnisse mit dem anti-PD1 Antikörper Nivolumab bei Patienten mit refraktärem und rezidiviertem Hodgkin Lymphom präsentierte. Darüber hinaus wurden 5 junge Wissenschaftler für ihre Forschungsergebnisse auf dem Gebiet des Hodgkin Lymphoms geehrt.

Kongress-Planung & Organisatorisches

Aufgrund der sehr großen internationalen Akzeptanz hat die GHSG nach Diskussion mit dem Scientific Committee beschlossen, in Zukunft die ISHL Symposien in 2-jährigen Abständen durchzuführen. Diese Entscheidung hat den Vorteil, dass hiermit eine Kollision mit dem mittlerweile in 2-jährigen Abständen durchgeführten Internationalen Lymphom-Symposium in Lugano vermieden wird. Das nächste Internationale Symposium zum Hodgkin Lymphom (ISHL11) wird daher vom 27. bis 29. Oktober 2018 wiederum in Köln stattfinden.

ISHL10: https://www.hodgkinsymposium.org/registration/info

Hematology Educational: https://www.hodgkinsymposium.org/educational

Das 10. Internationale Symposium zum Hodgkin Lymphom (ISHL10) fand vom 22. bis 25. Oktober 2016 in Köln statt. Das Programm des Symposiums wurde durch die Deutsche Hodgkin Studiengruppe (GHSG) unter Leitung von Herrn Universitätsprofessor Dr. Dr. h.c. Andreas Engert koordiniert und zusammen mit einem internationalen Scientific Committee von 45 führenden Experten auf dem Gebiet der malignen Lymphome entwickelt.
Das Programm bestand aus insgesamt 13 Workshops, 10 Scientific Sessions, 10 Satellitensymposien sowie einem Educational zu wichtigen Themen der Hämatologie. Insgesamt gab es 130 Vorträge und mehr als 170 Posterpräsentationen durch internationale Experten. Im Vergleich zum letzten Kongress (ISHL-9) vor 3 Jahren hatten wir wiederum einen deutlichen Zulauf an Teilnehmern mit diesmal mehr als 1200 Wissenschaftlern und Klinikern.

Weitere Informationen bei:

Prof. Dr. med. Andreas Engert
Klinik I für Innere Medizin
Uniklinik Köln
Kerpener Straße 62
50937 Köln
Tel.: +49 (0) 221 478-5933
Fax: +49 (0) 221 478-3778
E-Mail: a.engert@uni-koeln.de

 

Ansprechpartnerin für die Presse:
Silke Hellmich
KML | Information & Kommunikation
Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. (KML)
Geschäftsstelle | Uniklinik Köln
D-50924 Köln
Tel.: +49 (0)221 478-96005
E-Mail: silke.hellmich@uk-koeln.de
Internet: www.lymphome.de

 

Die Deutsche Hodgkin Studiengruppe ist Mitglied im Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V., einem Zusammenschluss führender deutscher Lymphom-Studiengruppen und Versorgungseinrichtungen. Die Kooperation trägt dazu bei, die Kommunikation und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaftlern, Ärzten und Betroffenen zu verbessern und neue Ergebnisse aus der Forschung schnellstmöglich in die Patientenversorgung zu überführen. Auch Patienten und Selbsthilfeverbände sind eingebunden, so dass ihre Fragen und Bedürfnisse in die Gestaltung der Forschungsprojekte einfließen. Das Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V. ist eines von inzwischen 21 Kompetenznetzen in der Medizin und wurde zwischen 1999 und 2009 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

(red)

Quelle:
Pressemitteilung der Deutschen Hodgkin Studiengruppe vom 22.02.2017

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 28.02.2017

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Aktualisiert am: 29.05.2017 12:31