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Themen auf der DGHO-Agenda: Survivorship, Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie und Frauenförderung

Interview mit Prof. Diana Lüftner, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO)

Jährlich trifft sich die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. (DGHO) im März zu ihrer Frühjahrstagung. Im Interview mit dem ONKO-Internetportal stellt die Vorsitzende der DGHO, Prof. Diana Lüftner, die Themen des Treffens vor. Ein weiterer Punkt des Gesprächs ist das Thema Frauenförderung, das bei der DGHO gerade ganz oben auf der Agenda steht.

"Survivorship - lebenslange Begleitung von Krebspatienten?"

Wie Prof. Lüftner im Interview erläutert, ist die steigende Zahl von Patienten, die eine Krebserkrankung überstanden haben oder mit Krebs über viele Jahre leben, eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Sie brauchen Rehabilitation, ein adäquates Management von Behandlungsfolgen und Programme zur Erkennung von Rückfällen und Zweitkrankheiten. Deshalb habe sich die DGHO für das Thema "Survivorship - lebenslange Begleitung von Krebspatienten?" als einen Schwerpunkt der diesjährigen Frühjahrstagung entschieden. Die Tagung findet am 12. und 13. März 2015 in Berlin statt.


Das komplette Interview mit Prof. Diana Lüftner

Prof. Diana Lüftner © pr

Prof. Diana Lüftner, Vorsitzende der DGHO, stellt die Themen der DGHO-Frühjahrstagung vor und erläutert, warum das Thema Frauenförderung wichtig für die Zukunft der medizinischen Versorgung ist.


„Durchsichtige Ärzte in einem undurchsichtigen Staat?“

Der zweite Schwerpunkt der Frühjahrstagung – so Prof. Lüftner - widmet sich der Transparenz in der Zusammenarbeit zwischen pharmazeutischer Industrie und Ärzten. „Wir haben in Deutschland die Situation, dass es keine staatlich geförderte Arzneimittelindustrie gibt; alle Innovationen kommen – quasi notgedrungenerweise – aus der Privatwirtschaft“, erklärt Prof. Lüftner. „Das verlangt eine sehr enge Zusammenarbeit", so Prof. Lüftner. Der Themenblock „Durchsichtige Ärzte in einem undurchsichtigen Staat?“ beschäftigt sich deshalb mit dem Spagat zwischen Industriekontakt und Bestechlichkeit, dem FSA-Transparenzkodex sowie der Frage, wie eine umfassende Transparenzkultur etabliert werden kann.

Ärztinnen in Führungspositionen

Ein weiteres wichtiges Thema, das die DGHO derzeit in den Fokus rückt, ist das Thema Ärztinnen in Führungspositionen. Denn gemessen am hohen Anteil hochqualifizierter Absolventinnen des Fachs Humanmedizin sind Ärztinnen in Führungspositionen nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Der Anteil von Ärztinnen mit Leitungsfunktionen liegt derzeit bei 26 Prozent, der Anteil bei W3/C4-Professuren gerade einmal bei 5,6 Prozent. In Deutschland bekleidet keine einzige Professorin einen Lehrstuhl für Hämatologie oder Onkologie.

Einer der Gründe dafür liegt laut Lüftner in der ärztlichen Weiterbildungsordnung, in der immer noch familienfreundliche Lösungen fehlen. Derzeit, so Lüftner, sei die Anerkennung von Zeiten für die ärztliche Weiterbildung zur Fachärztin erst ab einem Stellenanteil von 0,5 möglich. Das sei mit Blick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht mehr zeitgemäß, betont die Vorsitzende der Fachgesellschaft, die selbst als Oberärztin an der Berliner Charité arbeitet. Sie plädiert für eine Anerkennung ab einem Anteil von 25 Prozent. Auch die jetzigen Arbeitszeitmodelle mit Schicht-, Nacht- und Bereitschaftsdiensten müssten an die Bedürfnisse von Ärztinnen mit Kindern angepasst werden.

 

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Aktualisiert am: 19.03.2019 15:06