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METASTASIERTES KOLOREKTALKARZINOM – NEUE PROSPEKTIVE DATEN ZUM ERSTLINIENEINSATZ VON PANITUMUMAB IN DER THERAPIEFORTFÜHRUNG

Die Deeskalation der Intensität der Chemotherapie, speziell des neurotoxischen Oxaliplatins, ist eine wichtige Option bei der individuellen Gestaltung der Erstlinientherapie des metastasierten Kolorektalkarzinoms. Für den Ansatz einer Therapiefortführung mit Panitumumab bei RAS-Wildtyp Patienten wurden jetzt Ergebnisse der randomisierten Phase-II Studie VALENTINO vorgestellt.1 Die Daten zeigten die gute Durchführbarkeit und Wirksamkeit einer Therapiefortführung mit Panitumumab + 5-FU/LV unter Oxaliplatin-Deeskalation nach einer 4-monatigen Initialtherapie mit Panitumumab + FOLFOX, und demonstrierten die Bedeutung der Fortführung von 5-FU/LV in der Behandlung. 

In der Phase II-Studie VALENTINO erhielten insgesamt 229 RAS-WT Patienten in der Erstlinie randomisiert über 8 Zyklen FOLFOX4 + Panitumumab als Induktionstherapie, gefolgt von einer Therapiefortführung mit Panitumumab + 5-FU/LV (Arm A, n = 117) oder Panitumumab alleine (Arm B, n = 112) bis zum Krankheitsprogress oder Unverträglichkeit. Die Patienten waren nicht resektabel und bezüglich ihrer Baseline-Charakteristika ausgewogen verteilt mit 16 % (Arm A) und 20 % (Arm B) rechtsseitigem Primarius, 3 %/5 % BRAF MT, 36 %/35 % liver-limited disease und je 28 % ECOG 0/1. Primärer Endpunkt der Studie war die Nichtunterlegenheit von Panitumumab vs. Panitumumab + 5-FU/LV gemessen am 10-Monats-PFS (Grenze der Nichtunterlegenheit bei HR = 1,515). Die sekundären Endpunkte umfassten u. a. OS, ORR, Verträglichkeit und Lebensqualität.


Im Gespräch: PD Dominik Modest

Bedeutung der Fortführung von 5-FU/LV in der Therapiefortführung mit Panitumumab

Das Ergebnis des 10-Monats-PFS zeigte in dieser Studie, dass nach einer Induktionsphase mit Panitumumab + FOLFOX4 die Therapiefortführung mit Panitumumab alleine vs. Panitumumab + 5-FU/LV unterlegen ist (Panitumumab: 52,8 % vs. Panitumumab + 5-FU/LV: 62,8 %; HR: 1,55; 95 %-KI: 1,09–2,20; p = 0,011, siehe Abb 1). Das mediane PFS betrug 10,2 Monate für Panitumumab vs. 13,0 Monate für Panitumumab + 5-FU/LV. Die Ansprechrate (ORR) war in beiden Armen vergleichbar und betrug 67 % vs. 66 %. Die Therapiefortführung war gut verträglich – unerwünschte Ereignisse vom Schweregrad ≥ 3 mit Häufigkeit ≥ 3 % in mindestens einem Arm waren Hautausschlag (14 % unter Panitumumab und 22 % unter Panitumumab + 5-FU/LV), Stomatitis (1 %/6 %), Hand-Fuß-Syndrom (1 %/5 %), Diarrhoe (1 % / 4 %) und Neutropenien (1 %/3 %). Schwere Infusionsreaktionen wurden nicht berichtet.

 

 

Abb 1: Nach Induktion mit Panitumumab + FOLFOX4 für 8 Zyklen ist eine Therapiefortführung mit Panitumumab alleine einer Fortführung mit Panitumumab + 5-FU/LV unterlegen. [1]

Retrospektive Daten geben erste Aufschlüsse über Bedeutung von Panitumumab in der Therapiefortführung

Die Bedeutung des anti-EGFR Antikörpers in der Therapiefortführung konnte in der VALENTINO-Studie aufgrund des Studiendesigns nicht adressiert werden. Auf dem ESMO-Kongress 2017 vorgestellte Daten einer retrospektiven Analyse der Panitumumab-Studien PRIME (Phase III, FOLFOX4 + Panitumumab vs. FOLFOX4) und PEAK (Phase II, Panitumumab + mFOLFOX6 vs. Bevacizumab + mFOLFOX6) bei RAS-WT Patienten gaben Hinweise darauf, dass nach einer 6-monatigen Induktion mit Panitumumab + FOLFOX auch die Fortführung der EGFR-Inhibition bei Oxaliplatin-Deeskalation eine Rolle spielt. [2] Das mediane PFS dauerte unter fortgeführter Therapie in den jeweiligen Armen mit Panitumumab + 5-FU/LV länger an als in den jeweiligen Vergleichsarmen ohne Panitumumab (PRIME 16,6 vs. 12,6 Monate; PEAK 15,4 vs. 13,1 Monate, siehe Abb 2). Im medianen OS zeigte sich ebenfalls ein deutlich längeres Gesamtüberleben in den Armen mit Panitumumab als in den Vergleichsarmen ohne den anti-EGFR Antikörper (PRIME 40,2 vs. 24,1 Monate; PEAK 39,6 vs. 28,9 Monate).

 

 

Progressionsfreies Überleben
Abb 2: Daten zum progressionsfreien Überleben zur Therapiefortführung mit Panitumumab aus den Studien VALENTINO, PRIME und PEAK. [1,2]

FAZIT: Neue Daten stärken Ansatz der Therapiefortführung mit Panitumumab – weitere Studien notwendig

Die prospektive, randomisierte Phase II-Studie VALENTINO adressiert den bislang wenig untersuchten Ansatz einer Therapiefortführung mit Panitumumab unter Oxaliplatin-Deeskalation und schließt eine wichtige Datenlücke. Die Ergebnisse demonstrierten die Bedeutung von 5-FU/LV in der Therapiefortführung und zeigten allgemein die gute Durchführbarkeit und Wirksamkeit einer 4-monatigen Induktion mit Panitumumab + FOLFOX gefolgt von Panitumumab + 5-FU/LV als Fortführung zur Reduktion der Oxaliplatin-bedingten Nebenwirkungen. Weitere prospektive Daten sind notwendig, um insbesondere die Bedeutung des anti-EGFR Antikörpers in der Therapiefortführung zu klären.

 

Quellen:

[1] Pietrantonio F et al. 2018 ASCO Annual Meeting, J Clin Oncol 2018;36(suppl; abstract 3505) and oral presentation

[2] Rivera F et al. ESMO 2017, Abstract 519P


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Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 13.07.2018

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Aktualisiert am: 18.10.2018 16:33