Nachruf auf Dr. Markus Follmann
Die Deutsche Krebsgesellschaft trauert um Dr. Markus Follmann, einen engagierten Mediziner und Wissenschaftler, der die Entwicklung der evidenzbasierten Onkologie in Deutschland und der onkologischen Leitlinien über viele Jahre maßgeblich geprägt hat.
Wir haben ein Online-Kondolenzbuch eingerichtet, in das Sie sich gern eintragen können:
Markus Follmann war Facharzt für Dermatologie mit zusätzlichen Masterabschlüssen in Public Health und Epidemiologie. Ein besonderes Anliegen war ihm stets die Förderung evidenzbasierter Leitlinien. Bereits 2004 wirkte er an der Entwicklung der ersten evidenzbasierten dermatologischen Leitlinie in Deutschland mit. Am Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) war er als stellvertretender Leiter des Ressorts Leitlinien und Disease-Management-Programme tätig. In dieser Funktion engagierte er sich auch auf europäischer Ebene, unter anderem im EU-Projekt „CoCanCPG“, das die Harmonisierung von Leitlinienentwicklungsprozessen in Europa zum Ziel hatte.
Seit 2008 leitete Markus Follmann in der Deutschen Krebsgesellschaft die Abteilung Leitlinien. In dieser Funktion koordinierte er den Aufbau und die Etablierung des Leitlinienprogramms Onkologie, das die Entwicklung, Implementierung und Evaluation evidenzbasierter S3-Leitlinien in der Krebsmedizin fördert. Mit großem Engagement unterstützte er Leitliniengruppen, vermittelte Wissen zur evidenzbasierten Medizin und trug dazu bei, aus Leitlinien-Empfehlungen Qualitätsindikatoren für die onkologische Versorgung zu entwickeln und in zertifizierten Zentren in die Praxis zu überführen. Diese Entwicklung des Qualitätszyklus Onkologie bildet bis heute eine zentrale Grundlage für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Krebsversorgung in Deutschland. Zudem war es ihm ein Anliegen, laienverständliche Leitlinien für Patient*innen zu entwickeln, die mittlerweile eine feste Größe im Informationsangebot für krebsbetroffene Menschen sind.
Markus Follmann war langjähriges Mitglied der Ständigen Kommission Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) und engagierte sich zudem im Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk), dessen Vorstand er zeitweilig angehörte und in dem er viele Jahre Sprecher des Fachbereichs Leitlinien war. Seit dem Jahr 2024 hat er darüber hinaus maßgeblich an der deutschsprachigen Implementierung eines internationalen Trainings- und Zertifizierungsprogramms für Mitarbeitende in Leitlinienentwicklungsgruppen mitgewirkt. Mit seiner Expertise, seiner wissenschaftlichen Sorgfalt und seinem unermüdlichen Einsatz hat er die evidenzbasierte Onkologie nachhaltig geprägt.
Auch international war Markus Follmann gut vernetzt und engagierte sich u. a. für die Entwicklung europäischer Leitlinien zur Früherkennung von Brust- und Darmkrebs. Neben der Mitarbeit in verschiedenen europäischen Projekten und Initiativen der EU war er für viele Jahre Mitglied der GRADE Working Group – einem internationalen Netzwerk von Expert*innen, das seit mehr als 20 Jahren daran arbeitet, die Bewertung von Evidenz und Empfehlungen im Gesundheitswesen zu standardisieren und zu verbessern.
Wir verlieren mit Markus Follmann einen hochgeschätzten Kollegen und eine Persönlichkeit, die sich mit großem Verantwortungsbewusstsein für eine bessere Versorgung von Patient*innen eingesetzt hat. Sein Wirken wird in der Arbeit der Deutschen Krebsgesellschaft und der onkologischen Leitlinienarbeit weiterleben.
Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.
In stiller Trauer
Professor Michael Ghadimi und Dr. Johannes Bruns
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.