Partnerschaft im Nationalen Krebsplan
Der Nationale Krebsplan (NKP) ist seit 2008 maßgeblich für die Ausrichtung der onkologischen Versorgungslandschaft in Deutschland. In diesem freiwilligen Kooperations- und Koordinierungsprogramm ist die Deutsche Krebsgesellschaft seit Beginn dabei – sie hat den NKP zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren e.V. initiiert. Die erste Phase endete 2024 und kann wichtige Fortschritte vorweisen. In der anschließenden Phase gibt es jetzt neue Schwerpunkte – auch im Bereich Krebsprävention.
Im Mittelpunkt des NKP stand bisher die Weiterentwicklung in vier Handlungsfeldern: In der Früherkennung, der Versorgungsstruktur und -qualität, der Sicherstellung einer effizienten Behandlung und der Stärkung der Patient*innenorientierung. Prävention spielte also seit Beginn des NKP eine wichtige Rolle – bei der Früherkennung von Krebs, also in der sekundären Prävention. Was wurde hier bisher erreicht?
Neben dem etablierten Mammografie-Screening sind mittlerweile auch das Darm- und Gebärmutterhalskrebs-Screening als organisierte Programme ausgestaltet. Was das heißt, wurde 2013 im Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) formuliert: Alle Anspruchsberechtigten werden zum jeweiligen Screening regelmäßig eingeladen. Die Einladung enthält umfassende und verständliche Informationen über die jeweilige Untersuchung. Ziel ist nicht nur eine Verbesserung der Teilnahmerate, sondern auch eine informierte Entscheidung – für oder gegen eine Teilnahme. Im KFRG ist auch geregelt, welche Maßzahlen neben der Teilnahmerate für die Evaluation zu erheben sind. Diese werden seit 2018 in den Evaluationsberichten des Mammografie-Screening Programms berichtet. Der Ziele des NKP wurden und werden also zunehmend umgesetzt.
Die Fortsetzung und Neuausrichtung des NKP wurde 2024 eingeläutet und bedeutet auch eine Verschiebung des Fokus im Bereich Krebsprävention. Die primäre Prävention spielte in der ersten Runde des NKP noch keine Rolle. Jetzt rücken auch Strategien in den Vordergrund, die verhindern sollen, dass Krebs überhaupt erst auftritt.
Die Steuerungsgruppe des NKP beschloss im Zuge der Neuausrichtung, eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe (AG) Krebsprävention einzurichten. In einem Workshop wurden vorrangige Aktionsbereiche priorisiert. Das sind einerseits vier Themen, die Risikofaktoren mit anderen nicht-übertragbaren Volkserkrankungen teilen: Tabak- und Alkoholkonsum, Ernährung und Bewegung. Durch die Schnittmengen mit anderen Erkrankungen wird hier von einem großen präventiven Potential und Synergien ausgegangen. Der Schwerpunkt HPV-Impfung richtet sich gezielt gegen HPV-assoziierte Krebserkrankungen.
Die Krebsfrüherkennung bleibt ein Schwerpunkt. Insbesondere im Bereich der risikoadaptierten Früherkennung wird noch Potential gesehen. Das gezielte Screening anhand multipler Risikofaktoren bietet die Chance, weniger Personen gezielt zu untersuchen und das Verhältnis von Nutzen und möglicher Nachteile (z.B. falsch-positive Ergebnisse, Überdiagnosen) zu optimieren. Damit die Ziele und Botschaften der Krebsprävention auch verständlich und zielgruppengerecht in die Bevölkerung gelangen, sind Information und Aufklärung ein eigenständiges Thema. Ein besseres Verständnis über Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen kann im besten Fall eine Änderung ungesunder und krebsförderlicher Verhaltensweisen unterstützen, die Inanspruchnahme von Früherkennungsuntersuchungen fördern und informierte Entscheidungen in der primären und sekundären Prävention stärken.
Der thematische Umfang der Krebsprävention im NKP ist also deutlich ausgeweitet mit vier Themenfeldern der Primärprävention zusätzlich zur Früherkennung sowie dem Querschnittsthema Information und Aufklärung. Nach der konstituierenden Sitzung der AG im Juni werden die Themen derzeit in Verantwortung ausgewiesener Expert*innen ausgearbeitet: Wie ist der aktuelle Stand, was sind die Ziele und wie können diese erreicht werden? Daraus werden Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet. Erste Schritte in der zweiten Phase des NKP im Bereich Krebsprävention sind also eingeleitet und es bleibt spannend, wie das proklamierte Präventionspotential erreicht werden soll.
Jan Stellamanns
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
stellamanns@krebsgesellschaft.de
Ein Beitrag aus 360° Onkologie #19. Redaktionsschluss: 12/2025.