Editoral
Liebe Leserinnen und Leser,
bei Krebsprävention denken viele sofort an Früherkennungsuntersuchungen oder Präventionskampagnen. Das ist wichtig, denn Früherkennung kann Leben retten und Krebsprävention das Erkrankungsrisiko vermindern. Gesellschaftlich gesehen greift das aber zu kurz. Krebsprävention sollte nicht alleinstehen, genauso wenig wie die Prävention von Adipositas oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen alleinstehen sollte. Wer Prävention ernst nimmt, muss sie breit denken.
Denn Maßnahmen, die Krebs vorbeugen, schützen oft auch vor anderen Erkrankungen: Eine gesunde Ernährung senkt das Risiko für Tumoren – und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Und wer Städte so plant, dass Grünflächen, Radwege und gute Luftqualität dazugehören, betreibt Krebs- und Herzinfarktprävention gleichzeitig.
Prävention ist eine Querschnittsaufgabe, die über einzelne Themenbereiche hinausreicht. Und sie betrifft auch die Bildung, Arbeitswelt, Umwelt- und Sozialpolitik: Sie alle beeinflussen, ob Gesundheit gelingen kann. Ein umfassender Ansatz braucht einen klaren politischen Rahmen, eine abgestimmte Strategie, die Prävention in allen Ressorts mitdenkt und verzahnt.
Ein breiter Präventionsbegriff stärkt die Gesundheit als Ganzes. Auch, wenn wir Zahlen zu vermeidbaren Krebsfällen nennen: Die Evidenz zeigt, dass Verhältnisprävention bei vielen Krankheitsbildern gleichzeitig wirkt. Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen zu schaffen. Ebenso gilt für Verbände wie den unseren, Prävention in diesem umfassenden Sinn zu denken und gemeinsam voranzubringen.
Beste Grüße
Dr. Johannes Bruns
Dr. Johannes Bruns
Generalsekretär Deutsche Krebsgesellschaft e. V.,
bruns@krebsgesellschaft.de
Ein Beitrag aus 360° Onkologie #19. Redaktionsschluss: 12/2025.