Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den deutschen Krebsforscher und das langjährige Mitglied der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. (DKG), Prof. Dr. Harald zur Hausen. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag, dem 6.10.2008, in Stockholm mit. Zur Hausen erhält die Ehrung für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Er und seine Mitarbeiter machten die bahnbrechende Entdeckung in den Jahren 1983 und 1984. Dies führte inzwischen zu einem Impfstoff gegen den Tumor und zu neuen Erkenntnissen bei der Vorbeugung und Früherkennung. Der Heidelberger Mediziner und sein Forscherteam waren die ersten Wissenschaftler, die Zweifel hatten an der These, dass Herpesviren der Auslöser für Gebärmutterhalskrebs seien. Stattdessen brachten sie HPV-Viren mit dem bösartigen Zervixkarzinom in Verbindung. Dieser Zweifel sowie die unbeirrbare und beharrliche Suche nach der Ursache ist die große Leistung des deutschen Forschers und seiner Mitstreiter. In Deutschland erkranken laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts jährlich etwa 6200 Frauen an dieser Krebsart.
Zur Hausen studierte Medizin an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn, der Universität Hamburg und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und promovierte 1960 in Düsseldorf zum Dr. med. Anschließend arbeitete er zunächst zwei Jahre als Medizinalassistent und danach drei Jahre als wissenschaftlicher Assistent am Institut für medizinische Mikrobiologie der Universität Düsseldorf. Es folgten dreieinhalb Jahre an den „Virus Laboratories“ des Children's Hospital of Philadelphia, einer der ältesten Kinderkliniken der Welt. Zur Hausen war zudem Assistant Professor an der University of Pennsylvania. 1969 habilitierte er sich an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, wo er am Institut für Virologie arbeitete. 1972 wurde er als Professor auf den neu gegründeten Lehrstuhl für Klinische Virologie an der Universität Erlangen-Nürnberg berufen, 1977 erhielt er den Lehrstuhl für Virologie und Hygiene an Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg.
Von 1983 bis 2003 war Harald zur Hausen Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Unter zur Hausens Führung erweiterte das Krebsforschungszentrum seine Zusammenarbeit mit einzelnen Universitätskliniken und sorgte für eine Vernetzung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin, um Forschungsergebnisse so schnell wie möglich in die Praxis zu übertragen. Zu seinen weiteren Forschungsschwerpunkten zählten die Rolle des Epstein-Barr-Virus bei der Entwicklung des Burkitt-Tumors sowie des Nasopharyngealkarzinoms.
Professor zur Hausen wurde als Wissenschaftler vielfach geehrt und ausgezeichnet.
Neben zahlreichen Ehrendoktorwürden an internationalen Universitäten ist er u.a. Mitglied der US-amerikanischen Academy of Science und Vizepräsident der Akademie der Naturforscher Leopoldina. Seit 2004 ist zur Hausen Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes. 2006 erhielt Harald zur Hausen die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Er ist noch heute als Wissenschaftler aktiv und Chefredakteur der Fachzeitschrift "International Journal of Cancer".
Der Medizin-Nobelpreis geht damit zum ersten Mal seit neun Jahren wieder an einen deutschen Wissenschaftler. Zur Hausen teilt sich den diesjährigen Nobelpreis für Medizin mit zwei Franzosen, die das Aids-Virus entdeckt hatten.
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