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Wo die Chancen am größten sind*

Damit Krebspatienten die bestmögliche Therapie und Klinik finden, sollen die Operationsdaten publiziert werden.

Prof. Dr. med. Michael Bamberg im FOCUS-Interview (Heft Nr. 45)

FOCUS: Die Zahl der Krebstoten nimmt ab. Sind Sie mit dem Erreichten schon zufrieden?

Bamberg: Eine Trendwende ist geschafft, vor allem durch Früherkennung und Prävention. Doch hier könnte noch weit mehr erreicht werden, wenn finanzielle Ressourcen stärker von der Therapie in die Vorbeugung hinüber verlagert würden. Therapeutisch haben alle beteiligten Disziplinen Fortschritte gemacht und das Überleben wesentlich verbessert. Für den Patienten ist vor allem die enge Zusammenarbeit der Experten aus Chirurgie, Strahlentherapie und Onkologie wichtig, um Art und Reihenfolge der Behandlung optimal auszuwählen. Gute Krebstherapie ist Teamarbeit.

FOCUS: Wie gut funktioniert die Versorgung von Krebspatienten zurzeit in Deutschland?

Bamberg: Es gibt regional noch sehr große Unterschiede in der Behandlungsqualität. Ein Beispiel ist etwa Darmkrebs, wo einzelne Kliniken nach inkompletter Entfernung eines Tumors keine Bestrahlung anbieten. So etwas darf einfach nicht mehr geschehen. Die Erstbehandlung entscheidet bei Krebs Über die Heilungschance. Wird sie nicht optimal durchgeführt, kann das bei einem Rückfall nicht mehr aufgeholt werden.

FOCUS: Wie wollen Sie die Situation in Zukunft verbessern?

Bamberg: Wir betreiben als unabhängige und fächerübergreifende Gesellschaft die Zertifizierung von Tumorzentren. Nach eingehender und kontinuierlicher Überprüfung dient dieses Gütesiegel den Patienten als Garant für eine optimale Behandlung. Die Zentren sollen flächendeckend zur Verfügung stehen, manche Patienten werden aber auch einige Kilometer anreisen müssen.

FOCUS: Erfahren Patienten, welche Klinik und welche Ärzte besonders gut arbeiten?

Bamberg: Die Daten jedes Tumorzentrums werden verglichen und die Qualität kontrolliert. Im nächsten Schritt denken wird daran, die Behandlungsergebnisse Öffentlich zu machen wie in den USA. Die Patienten gehen dann dorthin, wo sie die besten Heilungschancen haben. Auf Dauer werden die Kassen Behandler ohne Zertifikat nicht mehr bezahlen.

FOCUS: Wie viele Tumorzentren gibt es?

Bamberg: Bereits über die Hälfte der Brustkrebspatientinnen werden in einem von 150 Zentren behandelt. Die Ergebnisse haben sich dadurch enorm verbessert, erkennbar etwa an der höheren Rate an brusterhaltenden Operationen. Beim Darm- und Prostatakrebs wollen wir bis Ende 2008 ebenso weit sein.

FOCUS: Die Deutsche Krebsgesellschaft hat FOCUS bei der Erstellung der Krebs-Ärzteliste tatkräftig unterstützt. Warum?

Bamberg: Mit Ihren Interviews und Umfragen unter Fachärzten, Klinikleitern und Patienten sind herausragende Ärzte mit engagierten Teams sicherlich gut herauszufinden. Die Expertenliste hilft dabei, gleich in die richtigen Hünde zu kommen.

 * Wir danken dem Nachrichten-Magazin für Genehmigung des Abdrucks!


Aktualisiert am: 27.10.10 - 12:11



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