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Wie Schmerzen entstehen

Würde ein Indianer wirklich keinen Schmerz kennen, müsste man ihn als krank bezeichnen. Allerdings kann die Schmerzwahrnehmung bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich sein.

Der Mensch hat überall im Körper Fühler, die auf Schmerzreize reagieren - so genannte Schmerzrezeptoren. Wird dort ein Schmerz registriert, leiten die Nerven diese Wahrnehmung über das Rückenmark ins Gehirn, wo sich dann entscheidet, wie der Mensch sich auf diesen Reiz verhält.

Bei plötzlich auftretendem akuten Schmerz, der zum Beispiel entsteht, wenn man auf eine heiße Herdplatte fasst, schrillen prompt alle Alarmsignale: Die Muskeln spannen sich an und ziehen die betroffene Hand rasch aus der Gefahrenzone. Der ganze Körper ist aufgewühlt, das Herz rast, vielleicht bricht einem auch der Schweiß aus.

Als chronisch bezeichnet man Schmerzen, die immer wieder auftreten oder unterschwellig über einen langen Zeitraum bestehen, wie beispielsweise chronische Rückenschmerzen, Migräne oder Tumorschmerzen. Diese Art Schmerzen stuft das Gehirn meist als nicht sehr bedrohlich ein. Es kann sich sogar daran gewöhnen und nimmt sie dann als nicht mehr so schmerzhaft wahr. Aber auch die gegenteilige Reaktion ist möglich: Schmerzen können auch in der Form chronisch werden, dass weiterhin Schmerz empfunden wird, obwohl dessen Ursache gar nicht mehr vorhanden ist. Dieses Phänomen tritt zum Beispiel nach einer Beinamputation auf; manche Menschen klagen nach einer solchen Operation über heftigste Schmerzen in dem nicht mehr vorhandenen Bein. Gemeinsam ist diesen beiden Arten chronischen Schmerzes jedoch eines: Von Alarmbereitschaft ist keine Rede - chronische Schmerzpatienten fühlen sich mit der Zeit eher zermürbt und müde.

Neben diesen reflexartig ablaufenden Prozessen spielt die seelische Verfassung eine sehr wichtige Rolle dabei, wie Schmerz wahrgenommen wird. Stress, Schlafmangel oder Angst, aber auch ein Mangel an Ablenkung kann das Schmerzempfinden bis ins Unerträgliche anwachsen lassen. Dies ist ein Grund dafür, dass der gleiche Schmerz von einzelnen Menschen sehr unterschiedlich wahrgenommen wird.

Da die Art des Schmerzes Auswirkungen auf die weitere Behandlung haben kann, versuchen Sie bitte, Ihren Schmerz so genau wie möglich zu beschreiben. Dabei können Sie sich an die folgenden vier Fragen halten:
  • Wie fühlen sich meine Schmerzen an?
  • Wo sind meine Schmerzen ganz genau, zum Beispiel an der Oberfläche oder in einem Gelenk?
  • Wann treten meine Schmerzen auf?
  • Wodurch wird das Auftreten der Schmerzen begünstigt?
Hilfreich kann auch das Führen eines Schmerztagesbuches sein, in das Sie eintragen, wann Sie welche Beschwerden haben.

(red)




Quellen:
R. Hartenstein, U. R. Kleeberg: Schmerztherapie, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 2162-2179


Aktualisiert am: 12.10.10 - 17:10



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