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Strahlen und Stoffe am Arbeitsplatz
Ursachen beruflich bedingter Krebserkrankungen sind vor allem Asbest und ionisierende Strahlen sowie verschiedene chemische Substanzen. Je etwa ein Viertel dieser Krankheiten treten in der Eisen- und Metall-verarbeitenden Industrie sowie in der Chemieindustrie auf. Je etwa zehn Prozent betreffen Beschäftigte von Bauwirtschaft und Bergbau. Laut Berufskrankheitenverordnung (BKV) gelten verschiedene Stoffe und ionisierende Strahlen als Ursachen beruflicher Krebserkrankungen.
Noch gibt es viele Unklarheiten Da es meist Jahrzehnte dauert, bis sich eine Krebskrankheit entwickelt (ist z. B. Asbest die Ursache, dauert es gewöhnlich 20 bis 40 Jahre), sind die bisher beobachteten Erkrankungen häufig auf Arbeitsbedingungen in den 50er und 60er Jahren zurückzuführen. Folglich, so meinen einige Experten, lässt sich daraus möglicherweise nicht die Gefährdung an heutigen Arbeitsplätzen ableiten, an denen andere Bedingungen herrschen.
Andererseits starben z. B. 1994 in Deutschland etwa 1.100 Personen an einem als Berufskrankheit anerkannten Krebsleiden. Je nach Schätzung sind aber zwei bis fünf Prozent aller Krebstodesfälle beruflich bedingt, also etwa 4.000 bis 10.000. Das lässt auf eine recht hohe Dunkelziffer schließen.
Mehrfachbelastungen Ein möglicher Grund: die Berufsgenossenschaften und ihre Statistiken berücksichtigen in erster Linie Einzelfaktoren als Krebsursachen. Im Berufsalltag sind jedoch die meisten Betroffenen einer Kombination von Gefahrstoffen ausgesetzt bzw. im Laufe eines Berufslebens einem Wechsel unterschiedlicher Risiken.
Darüber, wie verschiedene krebsauslösende Stoffe zusammenwirken könnten, ist jedoch kaum etwas bekannt. Nur in wenigen Fällen weiß man Genaueres: Kommt z. B. ein Arbeitnehmer, der raucht, mit Asbest in Kontakt, so ist sein Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken größer, als wenn man die beiden Einzelrisiken addiert. Die Faktoren verstärken sich also in ihrer Gefährlichkeit.
 Feuerwehrmänner können bei ihrer Arbeit schädlichen Dämpfen ausgesetzt werden.
Mesotheliome und Schneeberger Lungenkrebs Derzeit werden nur wenige Tumorarten als Berufskrankheiten anerkannt. Dies liegt nicht nur an den hohen rechtlichen Anforderungen, sondern auch daran, dass man noch immer relativ wenig über möglicherweise krebserzeugende Berufsstoffe weiß.
Als Berufskrankheiten anerkannt werden hauptsächlich Krebsarten der Lunge, der Blase, von Blutzellen sowie der Haut. Besonders die Lunge, oder im weiteren Sinne die Atemwege, sind gefährdet, weil dort der Organismus mit Gasen (wie Radon), Stäuben (etwa von Holz oder Quarz) und kleinsten Fasern (wie Asbest) in Berührung kommt und sich die krebserregenden Substanzen dort ansammeln können.
Typische „Berufskrebse“ sind der seit 300 Jahren in den Gruben des westlichen Erzgebirges bekannte Schneeberger Lungenkrebs (verursacht durch das Einatmen radonhaltiger Luft), Blasenkrebs durch die Einwirkung von aromatischen Aminen (Aminokrebs), der v. a. bei Chemiearbeitern vorkommt, sowie Mesotheliome.
Letztere sind an sich seltene Tumoren von Rippen- und Bauchfell sowie Herzbeutel (Perikard), die hauptsächlich durch Asbest verursacht werden. Sie sind sogenannte Signaltumoren. Das bedeutet, dass bei jedem Mesotheliom automatisch an Asbest als Ursache gedacht werden soll und dass jeder dieser Tumoren, unabhängig von der Krankengeschichte, als Berufskrankheit angezeigt werden soll.
Krebs im Uranbergbau Die DDR war der drittgrößte Uranerzproduzent der Welt. Besonders zu Anfang waren die Beschäftigten gefährlich hohen Konzentrationen von krebsauslösendem Radon ausgesetzt.
Der Bergbau hat in Sachsen und Thüringen eine lange Tradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die groß angelegte Ausbeutung der Uranerzvorkommen hinzu, zunächst durch die Sowjetische Aktiengesellschaft unter dem Decknamen Wismut, später durch die „Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut“.
Mangelnder Arbeitsschutz Besonders in den ersten Jahren waren die Arbeitsbedingungen sehr schlecht und die Strahlenbelastung der Beschäftigten entsprechend hoch. Bis Mitte der fünfziger Jahre, teilweise auch noch länger, waren die Stollen ausschließlich natürlich belüftet, es gab keine Radonmessungen und es wurde trocken gebohrt, mit einer entsprechend hohen Staubbelastung. Erst ab 1956 wurde auf Nassbohrung umgestellt und in den 60er Jahren besserten sich die Arbeitsbedingungen deutlich.
Im Laufe der Jahre verringerte sich die Anzahl der Bergleute durch die zunehmende Technisierung von etwa 100000 auf schließlich etwa 20000. Am 31. Dezember 1990 wurde der Uranerzabbau eingestellt.
Berufskrankheit Krebs Wieviel Personen insgesamt bei der Wismut AG beschäftigt waren, lässt sich nicht genau sagen. Schätzungsweise waren es knapp eine halbe Million, von denen 300.000 bis 400.000 unter Tage arbeiteten. Deren Gesundheit war vor allem durch ionisierende Strahlen (Radongas), aber auch durch Quarzstäube und andere Gefahrstoffe (z. B. Arsen und Asbest) gefährdet. Eine mögliche Folge: Lungenkrebs. Wegen der langen Verzögerung der Krebsentstehung (Latenzzeit) erkranken immer noch viele ehemalige Wismut-Beschäftigte an diesem Leiden. Bis heute sind es etwa 7.000.
Seit 1992 sind die gewerblichen Berufsgenossenschaften auch für das Gebiet der ehemaligen DDR zuständig. Wegen der Vielzahl der Anträge haben sie ein vereinfachtes Verfahren zur Anerkennung von Lungenkrebs als Berufskrankheit für ehemalige Bergleute der SDAG Wismut eingerichtet, die hohen Konzentrationen von Radon ausgesetzt waren.
Wissenschaftliche Studien Dass Radon Lungenkrebs verursachen kann, ist unumstritten. Unklar ist heute z. T. noch, bei welchen anderen Krebsarten es an der Entstehung beteiligt ist. Darüber sollen Studien über ehemalige Beschäftigte der Wismut AG Aufschluss geben.
Außerdem hoffen die Wissenschaftler, auf Grund ihrer Untersuchungen Grenzwerte für den beruflichen Kontakt zu Radon festlegen zu können. Möglicherweise lassen sich aus den Ergebnissen außerdem Empfehlungen für die Sanierung von Häusern mit einem hohen Radongehalt in der Raumluft ableiten. (Im Vergleich zu den Belastungen im Uranbergbau sind diese Konzentrationen jedoch gering.) Ergebnisse dieser Studien werden in einigen Jahren erwartet.
(red)
Quellen: K. Norpoth, H.-J. Woitowitz: Beruflich verursachte Tumoren, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 248-278 K.S. Zänker, N. Becker: Primäre Prävention, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 279-306
Aktualisiert am: 06.06.11 - 20:55
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