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Anus praeter: Der künstliche Darmausgang

 
Leben mit Darmkrebs bedeutet für manche Patientinnen und Patienten auch Leben mit einem künstlichen Darmausgang. Nach der Operation können Betroffene nach kurzer Zeit lernen, ohne große Probleme mit der Situation zurecht zu kommen.

Die Anlage eines künstlichen Darmausganges, auch Stoma oder Anus praeter genannt, betrifft häufig Menschen mit Dickdarm- und speziell Enddarmkrebs. Rund 70 Prozent aller Stoma-Träger haben eine Krebserkrankung, etwa jeder zehnte Patient mit Enddarmkrebs (Rektum) ist davon betroffen. Aber auch bei anderen Darmerkrankungen wie schweren Entzündungen der Darmschleimhaut kann ein künstlicher Darmausgang notwendig werden.

Das Wort „Stoma“ kommt aus dem Griechischen und heißt Mund, Mündung oder Öffnung. Es bezeichnet nicht nur den künstlichen Darmausgang (Colostoma), sondern auch andere künstliche Ausgänge, wie die der Blase (Urostoma) oder der Luftröhre (Tracheostoma) – daher wird bei der medizinisch korrekten Bezeichnung der Name des betroffenen Organs vorangestellt, auch wenn im Alltag häufig nur die Kurzform „Stoma“ verwendet wird. Das Wort „anus praeter“ lässt dagegen keine Zweifel offen: „Anus“ ist lateinisch und bezeichnet die untere Öffnung des Darms, den Darmausgang. „Anus praeter“ ist der künstliche Darmausgang.

Wann und warum ist ein Stoma nötig?

Bei fortgeschrittenen oder tief sitzenden Tumoren im Enddarm (Rektum) kann es passieren, dass der Schließmuskel am unteren Ende des Dickdarms mit entfernt werden muss, um alle Krebszellen auszuräumen. Ohne funktionierenden Schließmuskel lässt sich der Stuhlgang aber nicht mehr zurückhalten – er würde somit ständig aus dem Darm herausfließen. Um dies zu vermeiden, wird der Anus verschlossen und der Darm auf die Bauchdecke ausgeleitet, meist im linken unteren Bereich. Die Austrittsstelle erhält einen geruchsdichten Auffangbeutel, in dem sich der Stuhlgang sammelt. Es ist aber auch möglich, die Bauchdeckenöffnung mit einer Klappe abzudecken und einmal am Tag den Darm mit einer Spülflüssigkeit zu leeren.

Wie man die Beutel wechselt oder die Darmentleerung mit einer Spülung durchführt und die Haut um den künstlichen Ausgang herum pflegt, erfahren die Betroffenen bereits im Krankenhaus.

Die Anlage eines künstlichen Darmausganges muss jedoch nicht in jedem Fall endgültig sein. So ist beispielsweise heute üblich, bei sehr tiefen Darmentfernungen, bei denen die neue Nahtverbindung direkt am Schließmuskel gelegt wird, diese Naht durch die Anlage eines Anus praeter zu schützen. In solchen Fällen kommt ein vorübergehender (passagerer oder temporärer) Anus praeter zum Einsatz. Ist die Heilung der Darmnaht abgeschlossen (etwa 6 Wochen), so kann dieser Anus praeter in einer kleinen Operation wieder verschlossen werden. Die Darmentleerung funktioniert danach wieder auf natürlichem Wege. Eine weiter Möglichkeit eines nur vorübergehenden künstlichen Darmausganges besteht bei Notfalloperationen, wegen Darmdurchbruch oder entzündlicher Darmerkrankungen. Hier kommt es zu Bauchfellentzündung, so dass eine direkte Wiedervereinigung der Darmenden mit dem Risiko des Nahtbruchs behaftet ist. Auch hier kann unter dem Schutz eines künstlichen Darmausganges die Naht erfolgen bzw. die Anschlussoperation nach Abheilung der Bauchfellentzündung durchgeführt werden.

Wer hilft?

Schon vor der Operation wird die Ärztin oder der Arzt ausführlich über den Grund für die Anlage eines Anus praeter und den Umgang damit aufklären. Trotzdem treten viele Details oder Probleme erst nach der Operation auf und können dann besprochen und gemeistert werden. Damit Betroffene die richtige Unterstützung erhalten, Fragen stellen und sich Tipps geben lassen können, gibt es so genannte Stomatherapeuten. Sie sind speziell darin ausgebildet, Patientinnen und Patienten bei dem Umgang mit einem künstlichen Darmausgang zu helfen. Stomatherapeuten sind meist Krankenschwester oder Pfleger.

Eine häusliche Weiterbetreuung ist ebenfalls möglich. Welche Unterstützung Sie zuhause noch brauchen, besprechen Sie am besten mit ihrem behandelnden Arzt oder Ärztin.

Hilfsmittel, wie verschiedene Beutelarten und -größen oder Hautschutzmittel, werden von vielen Herstellern angeboten. Welche für einen Stoma-Träger am besten geeignet sind, muss individuell entschieden werden. Manchmal kann es eine Zeit dauern und man wird verschiedene Produkte ausprobieren bis man „seine“ Stoma-Versorgung gefunden hat.

Wenn Sie das Bedürfnis haben, mit Menschen zusammenzukommen, denen es ähnlich geht wie Ihnen, können Sie mit der Deutschen ILCO e.V. (Ileostomie-Kolostomie-Urostomie-Vereinigung) in Kontakt treten. Der Dachverband der Selbsthilfegruppen von Patienten mit künstlichem Darm und Blasenausgang betreut Selbsthilfegruppen im ganzen Bundesgebiet.

Gut zu wissen

Ernährungsumstellung: Eine spezielle Diät ist nicht erforderlich, es kann gegessen werden was schmeckt. Natürlich muss auf die Verträglichkeit der Nahrung geachtet werden, wie bei „Gesunden“ auch.

Nie mehr waschen oder schwimmen: Ist ein Ammenmärchen, denn es gibt beispielsweise so genannte Schwimm- und Badegürtel, die das Stoma schützen und neugierige Blicke fernhalten.

Sexualität: Ungezwungene Intimität hat immer auch etwas mit dem Selbstwertgefühl zu tun. Natürlich kann ein Stoma dieses beeinträchtigen, das Ende eines erfüllten Sexuallebens ist es jedoch nicht. Reden Sie mit ihrem Partner oder Partnerin darüber.

Schwangerschaft: Ist auch für Stoma-Trägerinnen kein Problem. Die Gebärmutter wird von dem Stoma nicht beeinträchtigt.

Lässt man sich auf die neue Situation ein, wird man schnell zum wahren Experten in eigener Sache. Ein Stoma bedeutet für den gut informierten Patienten kaum Einschränkungen im Alltag.

Adressen, die weiterhelfen

http://www.ilco.de
Internetseite der Deutschen ILCO e.V. (Ileostomie – Colostomie – Urostomie – Vereinigung), eine Selbsthilfeorganisation von und für Stomaträger, Menschen mit Darmkrebs und Angehörige. Die Seite bietet beispielsweise Aktuelles, Literaturempfehlungen und Adressen von Beratungsstellen und Rehakliniken.

http://www.stomawelt.de
Internetseite eines Stoma-Trägers mit vielen praktischen Informationen und einem Forum zum Austausch für Betroffene und Interessierte. Die Linkliste enthält unter anderen 13 Herstelleradressen, bei denen man sich über Stoma-Produkte informieren kann.

http://www.kaengurufreunde.de
Die Forengemeinschaft für Stomaträger-/innen mit einer künstlichen Harnableitung (Urostoma), Tracheotomie (Tracheostoma), mit erblichem oder nicht-erblichem Darmkrebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, sowie für Angehörige und alle, die sich für das Thema Stoma interessieren.

(red)



Quellen:
W. Schmiegel et al.: S3-Leitlinie „Kolorektales Karzinom“. Ergebnisse evidenzbasierter Konsensuskonferenzen am 6./7. Februar 2004 und am 8./9. Juni 2007, in: Der Gastroenterologe 2008, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart, Bd. 46, S. 1-73
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Fachliche Beratung
PD Dr. Ullrich Graeven
Kliniken Maria Hilf GmbH, Mönchengladbach


Aktualisiert am: 16.12.13 - 10:46



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