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Maligner Aszites: Bauchwassersucht als Folge von Krebs
Die krankhafte Ansammlung großer Mengen von Flüssigkeit in der Bauchhöhle wird als Bauchwassersucht (Aszites) bezeichnet. Sie ist in den meisten Fällen eine Folge von Lebererkrankungen, z. B. Leberzirrhose. Jede zehnte Bauchwassersucht wird jedoch von einer Krebserkrankung ausgelöst; hier spricht man von „malignem Aszites“. Am häufigsten kommt maligner Aszites bei Eierstockkrebs oder Magen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs vor, aber auch bei Brustkrebs und anderen Karzinomen.
Das Bauchfell (Peritoneum) umhüllt die Bauchhöhle und auch die einzelnen Bauch- und Beckenorgane. Seine Oberfläche ist mit einem dünnen Flüssigkeitsfilm überzogen, der das Gleiten der Organe gegeneinander ermöglicht. Dieses Bauchwasser wird permanent neu gebildet. Wenn aufgrund einer Erkrankung der Abfluss der Flüssigkeit behindert wird, kommt es zur Bildung von Aszites. Im Fall von malignem Aszites wird dies zumeist durch einen Befall des Bauchfells mit Tumorzellen (Peritonealkarzinose) ausgelöst.
Diagnose von malignem Aszites
Häufig wird Aszites durch eine plötzliche Zunahme des Bauchumfangs erkannt. Je nach Volumen des Aszites leiden die Betroffenen unter Völlegefühl, Übelkeit und Erbrechen, aber auch unter Kurzatmigkeit bis hin zu Atemnot. Beim Verdacht auf Aszites können verschiedene bildgebende Verfahren (Ultraschall, CT und MRT) eingesetzt werden. Da es für die anschließende Behandlung wichtig ist, die zugrunde liegende Ursache des Aszites zu erkennen,wird in der Regel mit einer Hohlnadel eine Probe des Bauchwassers entnommen und im Labor untersucht..Der Nachweis von Tumorzellen in der Aszitesflüssigkeit ist ein Indiz darauf, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen malignen Aszites handelt.
Therapie von Malignem Aszites
Aszites an sich ist nicht gefährlich, auch wenn es in seltenen Fällen zu Komplikationen wie Darmverschlüssen oder Infektionen kommen kann. Doch die Symptome sind für die Betroffenen sehr belastend und können ihre Lebensqualität massiv einschränken.
Mit Ausnahme von Eierstockkrebs, bei dem auch bei vorhandenem malignem Aszites die Erkrankung mitunter noch geheilt werden kann, ist Bauchwassersucht symptomatisch für fortgeschrittene Krebserkrankungen. In dieser Situation gilt es in erster Linie, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und sie so lange wie möglich zu erhalten. Die klassische Therapie bei malignem Aszites besteht im Ablassen der Flüssigkeit (Parazentese bzw. Punktion). Diese rein symptomatische Behandlung ist jedoch nur vorübergehend wirksam. Wenn sich der Aszites neu bildet, muss die Prozedur wiederholt werden – oft schon nach wenigen Tagen. Andere Therapieansätze richten sich gegen die Ursache des malignen Aszites, also gegen die Tumorzellen am Bauchfell. Eine Chemotherapie kann erfolgreich sein, wenn der für den Aszites ursächliche Tumor bekannt ist und auf Zytostatika anspricht, z. B. bei Eierstock- oder Darmkrebs. Es gibt auch die Möglichkeit, die Chemotherapie nicht über den Blutkreislauf, sondern direkt in die Bauchhöhle zu verabreichen. Eine Form dieser sogenannten intraperitonealen Chemotherapie ist HIPEC (Hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion). Hier wird die mit Zytostatika versetzte Flüssigkeit vor dem Einbringen in den Bauchraum erhitzt, was ihre Wirksamkeit erhöht. Intraperitoneale Chemotherapie und HIPEC sind jedoch noch wenig erforscht und können mit gefährlichen Komplikationen verbunden sein. Daher kommen sie nur für wenige Aszitespatienten infrage.
Einige neue Therapieansätze von malignem Aszites sind mit unterschiedlichem Erfolg untersucht worden. Positiv hervorzuheben ist hier eine neue zielgerichtete Therapieoption. Seit 2009 ein sogenannter trifunktionaler Antikörper durch die Arzneimittelbehörden zugelassen. Durch diese kausale Therapie wird die Zeit bis zur nächsten notwendigen Punktion wird deutlich verlängert. Die Behandlung mit dem Antikörper führt zu einer nachhaltigen Linderung der aszitesbedingten Symptome und zu einer Stabilisierung der Lebensqualität der Patienten.
Leben mit Aszites
Leider haben Betroffene und Angehörige wenige Möglichkeiten, die Symptome des malignen Aszites selbst zu lindern. Wichtig ist, auf eine ausreichende Ernährung zu achten, denn wegen des Völlegefühls und der Appetitlosigkeit nehmen Aszites-Patienten häufig zu wenig Nahrung und Flüssigkeit zu sich, was ihren Körper zusätzlich schwächt und zu Mangelerscheinungen oder Darmverschlüssen führen kann. Speziell auf Krebspatienten geschulte Ernährungsberater können Tipps geben, wie und was man im Fall von Aszites und den damit verbundenen Beschwerden essen sollte.
Ausführliche Informationen zum Krankheitsbild maligner Aszites, zu diagnostischen Verfahren und zu Therapieformen sind unter
www.maligner-aszites.de gesammelt. Das Portal bietet darüber hinaus mit einem
Expertenrat Patienten und Angehörigen die Möglichkeit, sich mit ihren Fragen direkt an kompetente und erfahrene Experten zu wenden.
(pp)
(red)
Quellen:
I. J. Diel, H. Seegenschmiedt: Therapie von Skelletmetastasen, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 994-1014
Aktualisiert am: 15.12.11 - 10:25