Berlin. Amerikanische Wissenschaftler des Dana-Farber-Institutes haben herausgefunden, dass es offenbar einen Zusammenhang zwischen Kenntnisstand der Patienten und der Therapieentscheidung gibt. In einer Vorabveröffentlichung der April-Ausgabe aus dem Fachmagazin „Cancer“ heißt es: „Darmkrebspatienten, die alles über ihre Krankheit wissen wollten, kannten die neuen Wirkstoffe 2,8-mal häufiger als weniger Informierte. Und sie bekamen die neuen Mittel 3,2-mal häufiger als andere.“ Die Studie mit Darmkrebspatienten hat gezeigt, dass es sich lohnt, über seine Erkrankung gut Bescheid zu wissen: Wer die modernsten Therapieansätze aus dem Internet, Fernsehen oder aus Zeitungen kennt, bekommt sie häufiger als Patienten, die sich ganz auf ihren Arzt verlassen.
„Die Studie belegt, was wir schon länger vermuten: informierte Patienten tragen aktiv zur Therapieentscheidung bei und akzeptieren diese dann auch stärker. Dies kann für den Therapieerfolg entscheidend sein, denn es stärkt die Mitarbeit des Patienten (Compliance)“, erklärt Prof. Werner Hohenberger, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Der Informationsbedarf von Betroffenen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen: Zur Offenen Krebskonferenz kamen zuletzt über 5.000 Besucher nach Düsseldorf und auch die Internetseite
www.krebsgesellschaft.de verbucht inzwischen mehr als eine Million Seitenaufrufe im Monat.
Dr. Stacy Grey und ihre Kollegen haben den Zusammenhang zwischen Wissens-stand und Therapie sowohl für Krebspatienten in einem frühen Krankheitsstadium als auch im fortgeschrittenen Stadium nachgewiesen. Die Behandlung mit Antikörpern ist aber nur für Patienten im fortgeschrittenen Stadium zugelassen. Dies finden die Krebsexperten aus Boston beunruhigend. „Wir sollten jetzt genauer herausfinden, inwiefern das Patientenwissen über mögliche Therapien ihrer Krankheit den behandelnden Arzt beeinflusst – ob er zum Beispiel auf Drängen des Patienten bestimmte Therapien verordnet, und inwieweit das über den Behandlungserfolg entscheidet“, schreiben sie im Fachmagazin „Cancer“.
Für die Studie wählten die Krebsforscher nach dem Zufallsprinzip 633 Darmkrebspatienten aus dem Krebsregister des Staates Pennsylvania und setzten deren Behandlung und Informationsstand in Bezug zum Einsatz von zwei neueren Krebsmedikamenten, zwei Antikörpern, die das Krebswachstum hemmen, indem sie den Tumor von seiner Versorgung abschneiden (Antiangiogenese).
„Wir müssen darauf achten, dass die Therapieentscheidung immer eine gemeinsame Entscheidung von Patient und Arzt ist und sich an den aktuellen Leitlinien orientiert, denn die Kenntnis neuer Medikamente ist nicht gleichbedeutend mit dem Wissen um die beste Therapie“, mahnt Hohenberger. Damit alle Betroffenen Wohnort unabhängig die beste Therapie erhalten, hat die Deutsche Krebsgesellschaft die Zertifizierung von Organkrebszentren etabliert. „Hier können Patienten sicher sein, nach aktuell bestem Wissen behandelt zu werden“, so der Erlanger Klinikdirektor weiter.
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