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Plattenepithelkarzinom (Spinaliom)

Nach dem Basalzellkarzinom ist das Plattenepithelkarzinom (auch Spinaliom, Stachelzellkarzinom) der zweithäufigste bösartige Hauttumor. In Mitteleuropa treten jedes Jahr etwa 30 bis 40 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner auf. Das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren, Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Plattenepithelkarzinome der Haut entstehen zumeist in chronisch sonnenexponierten Arealen und hier vor allem im Gesicht. Die Tumoren können sich bei fehlender oder unzureichender Behandlung in die angrenzenden Lymphknoten oder sogar in andere Organe ausbreiten und Tochtergeschwülste (Metastasen) bilden. Das geschieht allerdings nur selten.

Gefährdet sind ebenfalls Personen, die sich aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit hohen UV-Dosierungen aussetzen oder ausgesetzt haben. Für diese Patienten besteht die Hoffnung, dass das Plattenepithelkarzinome in Zukunft unter bestimmten Umständen als Berufserkrankung anerkannt werden.

Ursache

Plattenepithelkarzinome entwickeln sich in erster Linie auf dem Boden schwer lichtgeschädigter Haut bei bereits vorhandenen aktinischen Keratosen. In selteneren Fällen entstehen sie aus chronischen Wunden, Verbrennungsnarben oder anderen Hauterkrankungen.

Das Plattenepithelkarzinom der Haut ist das Paradebeispiel für einen durch Sonnenlicht ausgelösten Tumor. Hierbei spielt offensichtlich die kumulative Sonnenexposition („UV-Lebenszeitkonto“) eine entscheidende Rolle. Besonders gefährdet sind Personen, bei denen das Immunsystem etwa in Folge einer medikamentösen Therapie nach Organtransplantationen geschwächt ist. Diese Patieneten sollten dermatologisch engmaschig kontrolliert werden.

Aussehen

Das Erscheinungsbild eines Plattenepithelkarzinoms der Haut gleicht im Anfangsstadium oft dem der aktinischen Keratose. Mit zunehmender Erkrankungsdauer wächst der Tumor knotig und weist typische festhaftende Verhornungen auf, die mit dem Finger nicht gelöst werden können bzw. beim Ablösungsversuch zu einer Blutung führen.

1. Plattenepithelkarzinom der Lippe
2. Plattenepithelkarzinom der Hand

Bild-Copyright: Klinik für Dermatologie u. dermatol. Allergologie,
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Therapie

Standardtherapie ist die vollständige operative Entfernung des Tumors. Bei Karzinomen mit einem sehr hohen Risiko der Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) kann eine vorbeugende Operation der angrenzenden Lymphknoten notwendig sein.

Ist eine Operation etwa aus medizinischen Gründen nicht möglich oder liegen sehr ausgedehnte Frühformen des Karzinoms vor, gibt es eine Vielzahl von Therapiealternativen. Hierzu zählen in erster Linie oberflächlich zerstörende Maßnahmen wie Kürettage, Elektrodesikkation, Kryotherapie (Vereisung), photodynamische Therapie, eine lokale Chemotherapie (5-Fluorouracil-Creme), eine lokale Immuntherapie (Imiquimod-Creme) sowie der direkte Angriff auf die Krebszellen (mit Ingenolmebutat-Creme)) und Strahlentherapie.

Tumoren im fortgeschrittenen Stadium (Lymphknotenbefall und/oder Metastasen in anderen Organen) können neben der Operation mit systemischer, also im ganzen Körper wirkender Chemotherapie sowie anderen gezielten Medikamenten behandelt werden. Plattenepithelkarzinome der Haut sprechen in der Regel zunächst gut auf eine Chemotherapie an, neigen allerdings sehr häufig zu Rückfällen, so dass eine Heilung zumeist nicht möglich ist.

Krankheitsverlauf

Je früher Plattenepithelkarzinome der Haut erkannt und behandelt werden, desto besser ist ihre Prognose. Tumoren mit einer Größe unter 1cm metastasieren selten und haben die besten Heilungschancen. Die meisten Plattenepithelkarzinome werden in diesem Stadium erkannt und können daher gut behandelt werden. Wenn sich Tochtergeschwülste ausgebildet haben, ist die Prognose deutlich ungünstiger. Plattenepithelkarzinome bei immunsuppremierten Patienen können einen sehr aggressiveren Krankheitsverlauf nehmen.

Nachsorge

Nachsorgeuntersuchungen finden je nach Metastasen- oder Rückfallrisiko alle drei bis sechs Monate statt. Obwohl die meisten Rückfälle und Metastasen innerhalb der ersten zwei Jahre auftreten, sollte die Nachsorge grundsätzlich über fünf Jahre hinweg durchgeführt werden.

Die Patienten sollten darüber hinaus den Risikofaktor UV-Licht meiden und ihre Haut regelmäßig selbst kontrollieren. Bei unklaren Hautveränderungen sollte immer ein Hautarzt aufgesucht werden.

(red)



Quellen:
C. Garbe (Hrsg.): Interdisziplinäre Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Hauttumoren, Thieme Verlag 2005
R. M. Szeimies, A. Hauschild, C. Garbe, R. Kaufmann, M. Landtaler (Hrsg.): Tumoren der Haut: Grundlagen - Diagnostik - Therapie, Thieme Verlag 2010
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2010

Fachliche Beratung
Dr. Peter Mohr
Dermatologisches Zentrum
Elbeklinikum Buxtehude


Aktualisiert am: 08.11.13 - 12:34



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