Sie befinden sich hier:  Thema des Monats > Stoma bei Darmkrebs
Angaben zu Autoren und Sponsoren finden Sie am Ende des Beitrags.

Der Alltag mit einem künstlichen Darmausgang

Auch mit einem künstlichen Darmausgang lässt sich ein normales, erfülltes Leben führen. Die Aussicht, ein Kolostoma oder Ileostoma bekommen zu müssen, wirft aber viele praktische Fragen auf, und Patienten machen sich Gedanken über mögliche Einschränkungen oder peinliche Situationen. Häufige Fragen betreffen Ernährung, Bewegung und Sport, Duschen und Schwimmen oder Reisen. Auch der Umgang mit peinlichen Geräuschen, Gerüchen und Fragen beschäftigt viele Betroffene. Unsere Tipps wollen Ihnen Mut machen und zeigen: Der Alltag mit einem künstlichen Darmausgang mag anders sein – ein entspanntes und glückliches Leben ist dennoch möglich.

Werde ich weiter normal essen können?

Natürlich sollten Sie wie alle Menschen auf eine gesunde Ernährung achten, brauchen aber mit dem Stoma keine spezielle Diät einzuhalten. Sie dürfen weiter alles essen, was Ihnen gut schmeckt und gut tut. Für Stomaträger können eventuelle Verdauungsbeschwerden aber besonders unangenehm sein. Mit folgenden Maßnahmen können Sie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen vermeiden:
  • lieber mehrere kleine als wenige große Mahlzeiten
  • Essen gut zerkleinern und gut kauen
  • fettarme Ernährung
  • Nahrung schonend zubereiten (dünsten, nicht zu scharf würzen)
  • Vorsicht bei blähenden, stopfenden oder abführenden Nahrungsmitteln
Wenn Sie längere Zeit mit dem Stoma leben werden, kann es sinnvoll sein, ein Ernährungstagebuch zu führen. So können Sie herausfinden, was in Ihrem persönlichen Fall zu beachten ist.

Werde ich bei Bewegung und Sport eingeschränkt sein?

 
Da Sport und Bewegung das körperliche Wohlbefinden steigern, sollten Sie auch mit einem Stoma nicht darauf verzichten. Nach Rücksprache mit Ihrem Arzt steht einer aktiven Freizeitgestaltung nichts im Wege. Wahrscheinlich wird er Ihnen von Sportarten abraten, die die Bauchmuskulatur stark beanspruchen, um die Gefahr eines Stomabruchs zu verringern. Für manche Sportarten gibt es Hilfsmittel wie Gürtel, die den Beutel an Ort und Stelle halten, sowie eine Stomakappe (Verschluss für das Stoma) oder Minibeutel als platzsparende Kurzzeitversorgung.

Wie ist es mit Schwimmen, Duschen und Baden?

 
Mit einem künstlichen Darmausgang ist Schwimmen, Baden und Duschen weiter möglich. Beim Duschen oder Baden können Sie den Versorgungsbeutel anbehalten. Oder Sie passen einen Zeitpunkt ab, an dem Sie wenig Stuhlentleerung erwarten, und verzichten auf das Tragen der Versorgung.

Auch Schwimmen dürfen Sie mit dem Stoma, zumal spezielle Schwimm- und Badegürtel zum Schutz des Stomas und Hilfsmittel wie die Stomakappen erhältlich sind.

Kann ich noch Ausflüge machen oder verreisen?

 
Natürlich können Sie auch mit dem künstlichen Darmausgang weiterhin Ausflüge und Reisen unternehmen. Denken Sie daran, alles mitzunehmen, was Sie für die Stomaversorgung und pflege brauchen und auch eine Reserve einzuplanen, da Sie sich nicht darauf verlassen können, unterwegs oder am Zielort passende Produkte zu finden. So können Sie Ihren Ausflug oder Ihre Reise unbesorgt genießen.

Beim Autofahren kann je nach Lage des Stomas der Gurt unangenehm auf das Stoma oder den Stomabeutel drücken. Das ist für das Stoma selbst ungefährlich, kann aber zu Undichtigkeiten führen. Abhilfe schaffen können Gurthalter, die die Lage des Anschnallgurtes verändern, oder Gurtbrücken aus der Apotheke oder dem Sanitätshaus.

Was bedeutet das Stoma für Intimität und Sexualität?

 
Ein künstlicher Darmausgang ist kein Hindernis für Intimität und Sexualität. Rein körperlich gilt ähnliches wie für Sport: Überanstrengen Sie Ihre Bauchmuskeln nicht, und wenn Sie Sorge um den Versorgungsbeutel haben, können Gürtel, Minibeutel oder Stomakappen eine Lösung sein.

Allerdings berichten viele Stomaträger von Sexualstörungen. Diese können zum einen körperliche Ursachen haben, wie zum Beispiel Schmerzen oder Operationsnarben. Zum anderen können psychische Ursachen vorliegen, wie zum Beispiel depressive Verstimmungen oder das Gefühl, körperlich entstellt und unattraktiv zu sein. Hier kann ein offenes Gespräch mit dem Partner und/oder einem Stomatherapeuten helfen.

Muss ich peinliche Gerüche und Geräusche fürchten?

 
Die Stomaversorgung ist dicht verschlossen, damit kein Stuhl austreten kann, so dass auch keine Gerüche freiwerden können. Wichtig ist, dass Sie den Stomabeutel nicht zu lange tragen und bei äußerlicher Verschmutzung die Stomaversorgung wechseln. Wenn Sie die beim Wechseln freiwerdenden Gerüche stören, kann eine Ernährungsanpassung helfen: Weniger an geruchserzeugenden (zum Beispiel Eier, Spargel, Knoblauch, Käse) und mehr an geruchshemmenden Nahrungsmitteln (zum Beispiel Preiselbeeren, Petersilie, grüne Gemüse).

Gegen Gerüche im Badezimmer hilft ausgiebiges Lüften. Unter Umständen sind auch Duftspender oder ätherische Öle zur Raumluft-Verbesserung geeignet. Oder Sie probieren ein altes Hausmittel, indem Sie ein Streichholz anbrennen.

Blubbernde Geräusche können entstehen, wenn dünnflüssiger Stuhl in den Beutel übertritt oder Gas im Darm entsteht (Blähungen). Diese Geräusche brauchen Ihnen nicht peinlich zu sein, denn alle Menschen entwickeln manchmal Verdauungsgeräusche, und aus dem Beutel kann ja nichts austreten. Wenn Sie nach dem Verzehr blähender Speisen (zum Beispiel Kohl, Hülsenfrüchte, Süßigkeiten, kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol) starke Darmgeräusche und Blähungen entwickeln, die Ihnen unangenehm sind, können Sie ausprobieren, diese Nahrungsmittel nur noch in kleinen Mengen zu sich zu nehmen.

Wie reagiere ich auf Fragen von zum Beispiel meinen Enkelkindern?

 
Gerade Kinder können oft sehr direkt sein. Wie Sie mit ihren Fragen zu Stoma oder Versorgungsmaterial umgehen, hängt natürlich von Alter und Reife des Kindes ab. Es kann hilfreich sein, sich vorab kindgerechte Erklärungen zu überlegen. Üben Sie einige einfache Sätze ruhig auch mit Angehörigen oder Freunden, damit Sie nicht vor Überraschung und Verlegenheit sprachlos sind.

Auch Erwachsene stellen manchmal sehr direkte Fragen. Sollten diese in Ihren Augen zu persönlich sein, dann sagen Sie das höflich aber bestimmt, denn Sie sind niemandem Rechenschaft über Ihre Erkrankung schuldig. Seien Sie unbesorgt: Die meisten Stomaträger geben an, dass ihr künstlicher Darmausgang die Beziehung zu Freunden und Angehörigen nicht belastet. Auch Ihre Familie und Ihre Freunde werden Sie sicher verstehen und unterstützen.


Wir hoffen, dass diese Tipps schon viele Ihrer Fragen beantwortet haben. Für weitere Informationen wenden Sie sich an Ihren behandelnden Arzt oder Stomatherapeuten, die Ihnen gerne helfen.

Weiterführende Links
(emw)




Quellen
Delbrück H.: Ernährung für Krebserkrankte: Rat und Hilfe für Betroffene und Angehörige. Kohlhammer Verlag, 2006.
Englert G.: Belastungen und Unterstützungsbedarf von Stomaträgern. Ergebnisse einer Fragebogenuntersuchung. Deutsche ILCO e.V. Freising, 2003.
European Council of Enterostomal Therapy ECET Deutschland e.V. Leitlinie zur Stomatherapie. München, 2004.
Stoll-Salzer E., Wiesinger G.: Stomatherapie. Grundlagen und Praxis. Thieme Verlag Stuttgart, 2004.

Fotos:
Eric Gevaert, Robert Kneschke, Kzenon © Fotolia


Aktualisiert am: 23.04.14 - 16:45



Banner BMS Onkologie Immunonkologie
Banner MenschenDie Hautkrebs
Onkoscout
Suche
Suchbegriff


Wo wollen Sie suchen?


Suchen ->