Sie befinden sich hier:  Thema des Monats
Angaben zu Autoren und Sponsoren finden Sie am Ende des Beitrags.

Körperliche Bewegung trotz Krebs – Wieviel darf, wieviel muss sein?

Lange Zeit wurde Krebspatienten aus Angst vor drohender Überanstrengung und Komplikationen geraten, sich körperlich zu schonen und möglichst keiner sportlichen Betätigung nachzugehen. Inzwischen ist jedoch aus zahlreichen Untersuchungen bekannt, dass körperliche Aktivität bei einer Krebserkrankung hilft, das Befinden und die Lebensqualität zu steigern und die Prognose zu verbessern.

Körperliche Aktivität erleichtert die Rückkehr in den Alltag

 
Nach Abschluss einer Krebstherapie beginnt der mitunter recht mühevolle Weg zurück in den Lebensalltag mit Familie und Beruf. Die Erfahrungen mit der lebensbedrohlichen Krankheit, den Therapien und den damit verbundenen Einschränkungen und Folgeerscheinungen müssen verarbeitet und die körperliche Leistungsfähigkeit zurückerobert werden. Nicht selten verlieren die Patienten im Verlauf der Erkrankung bzw. Therapie einen Teil ihrer Muskelkraft und Ausdauer. Die alltäglichen Aktivitäten werden dadurch immer anstrengender. Versuchen die Patienten dann, körperliche Belastungen zu vermeiden, entsteht ein Teufelskreis aus Bewegungsmangel und weiteren Einschränkungen der Leistungsfähigkeit.

Um den Körper nach einer Krebserkrankung reaktivieren zu können, ist körperliche Aktivität ein Muss, wie Priv.-Doz. Dr. med. Fernando C. Dimeo aus dem Bereich Sportmedizin der Charité Universitätsklinik Berlin betont. Nur sie könne helfen, die Leistungsfähigkeit zu verbessern und bestehende Defizite auszugleichen.

Weniger Nebenwirkungen, bessere Lebensqualität

Doch körperliche Bewegung steigert nicht nur nach der Therapie die Fitness und Muskelkraft von Krebspatienten. Sie kann auch schon während der Therapiezeit die Leistungsfähigkeit verbessern, zur Stimmungsaufhellung beitragen und die Lebensqualität steigern. Körperlich aktive Patienten vertragen darüber hinaus die Chemotherapie und Bestrahlung deutlich besser als andere und leiden weniger unter Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erschöpfung (Fatigue), Schlafstörungen und Schmerzen. Nach dem Ende der Therapie können sie schneller als andere ihren gewohnten Alltag wieder aufnehmen.

Lediglich während einer Chemotherapie sollte an den Therapietagen auf stärkere körperliche Anstrengung verzichtet werden. Zwischen den Therapiezyklen und an den therapiefreien Tagen hingegen scheinen sportliche Aktivitäten unproblematisch zu sein, sofern es der allgemeine Gesundheitszustand des Betroffenen zulässt.

Die Prognose kann günstig beeinflusst werden

 
Körperliche Aktivitäten können die Prognose von Krebserkrankungen günstig beeinflussen. So kam es in einer Untersuchung bei Brustkrebspatientinnen, die auch während der Erkrankung bzw. Therapie körperlich aktiv blieben, seltener zu einem Krankheitsrückfall, zudem sank die Sterberate an der Erkrankung. Ähnliches wurde für Dickdarmkrebs berichtet. Hier reichte in einer Studie regelmäßige Bewegung in Form von intensivem Sport mindestens 20 min pro Woche oder einmal Walking, Gartenarbeit oder ähnlichem während der Therapiezeit aus, um gegenüber wenig aktiven Patienten die Sterblichkeit an der Erkrankung zu senken.

Maximale Anstrengung ist nicht nötig

Für Krebspatienten sind vor allem Aktivitäten günstig, die die Ausdauer fördern und die Körperkraft steigern. Als Sportarten empfehlen sich daher besonders Joggen, Walking, Radfahren, Gymnastik und Schwimmen. Die Intensität des Trainings muss der körperlichen Belastbarkeit des Patienten angepasst werden. Nach Aussage von PD Dr. Dimeo gilt dabei ein Richtwert von 75 Prozent, also drei Viertel der Maximalbelastung. Ist ein Patient hinsichtlich seiner körperlichen Leistungsfähigkeit beispielsweise in der Lage, drei Kilometer pro Tag zu joggen, sollte sein Training nicht drei, sondern nur zwei Kilometer umfassen. Wichtig ist die Regelmäßigkeit der Bewegung. Es ist nicht hilfreich, zwei Wochen gar nicht zu trainieren, um dann plötzlich mehrere Stunden an einem Tag alles nachzuholen. Empfehlenswert sind 45 Minuten bis eine Stunde Bewegung pro Tag oder alle zwei Tage.

Sportliche Aktivitäten mit den Ärzten abstimmen

In jedem Fall sollten Krebspatienten geplante sportliche Aktivitäten mit ihren behandelnden Ärzten abstimmen. So kann durch einige körperliche Untersuchungen die Belastbarkeit etwa des Herzkreislaufsystems überprüft werden, um die Intensität der Aktivitäten anzupassen und das optimale Trainingsprogramm zu erstellen.

Weiterführende Links
(ks)



Quellen:
Adamietz, I.A.: Sport bei Krebspatienten. Der Onkologe 2010, 16(2):189-204
Schmitz, K. H. et al.: American College of Sports Medicine Roundtable on Exercise Guidelines for Cancer Survivors. Medicine & Science in Sports & Exercise 2010, 42(7):1409-1426
Wenderlein, J. M.: Reduktion des Brustkrebsrisikos durch Sport. Biologisch logisch. gynäkologie & geburtshilfe 2010, 1:50-52
Interview mit Priv.-Doz. Dr. med. Fernando C. Dimeo, Charité Universitätsklinik Berlin


Fotos:
Robert Kneschke, Gina Sanders © Fotolia


Aktualisiert am: 25.10.11 - 10:16



Onkologie App
Roche: Broschüre Hautkrebs
Roche: Pankreas - aus der Mitte
Suche
Suchbegriff


Wo wollen Sie suchen?


Suchen ->