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Schilddrüsenkrebs - Ursache und Risikofaktoren

Die Ursachen für die Entstehung von Schilddrüsenkrebs sind bisher nicht eindeutig geklärt. Man kennt jedoch bestimmte Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Dazu gehören Röntgenbestrahlungen im Kopf- und Halsbereich während des Kindes- und Jugendalters sowie radioaktive Strahlen. Gefährdet sind außerdem Mitglieder von Familien, in denen bereits Schilddrüsenkrebs aufgetreten ist. Insbesondere im Falle des selten auftretenden medullären Schilddrüsenkarzinoms spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Darüber hinaus können Vorerkrankungen der Schilddrüse, so z. B. eine chronische Schilddrüsenentzündung, das Risiko einer Krebserkrankung erhöhen.

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für Schilddrüsenkrebs:

Risikofaktor Röntgenstrahlen und radioaktive Strahlen
Ein Risikofaktor für die Entstehung von Schilddrüsenkrebs sind Röntgenbestrahlungen im Kopf- und Halsbereich, insbesondere wenn diese im Kindes- und Jugendalter durchgeführt wurden. Solche Bestrahlungen waren in den vierziger und fünfziger Jahren in Skandinavien und den USA zur Behandlung von Rachenmandelentzündungen und Akne verbreitet; in Deutschland sind sie jedoch nur selten angewandt worden. Der Zeitraum zwischen der Bestrahlung und dem Auftreten eines Schilddrüsenkarzinoms beträgt in der Regel mehr als 20 Jahre, bei Kindern kann dieser Zeitraum allerdings wesentlich kürzer sein.

Auch Menschen, die einer hohen Strahlenbelastung durch radioaktives Jod ausgesetzt waren, z. B. infolge einer Reaktorkatastrophe, haben ein erhöhtes Risiko, an Schilddrüsenkrebs – insbesondere an papillären Schilddrüsenkarzinomen – zu erkranken. Dabei steigt das Krebsrisiko mit der Strahlendosis, der ein Betroffener ausgesetzt war. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, deren Schilddrüse sehr empfindlich auf radioaktive Strahlung reagiert. Bis zur Bildung eines Schilddrüsenkarzinoms vergehen im Durchschnitt fünf bis 15 Jahre, wobei Kinder in der Regel nach kürzerer Zeit erkranken als Erwachsene. Bis zu 40 Jahre nach einem solchen Ereignis muss mit dem Auftreten eines Schilddrüsenkarzinoms gerechnet werden.

Patienten, die aus therapeutischen Gründen radioaktives Jod erhalten haben (z. B. zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion), tragen hingegen kein erhöhtes Risiko, ein Schilddrüsenkarzinom zu entwickeln!

Risikofaktor genetische Veranlagung
Auch beim Schilddrüsenkrebs gibt es Tumorformen, die auf einer genetischen Veranlagung beruhen. Hierzu gehört vor allem das selten auftretende medulläre Schilddrüsenkarzinom (MTC). Etwa 30 Prozent dieser Tumorform lassen sich auf eine spezifische Genveränderung in der Erbanlage zurückführen, die innerhalb von Familien vererbt werden kann. Man spricht in diesen Fällen auch von einem familiären medullären Schilddrüsenkarzinom. Die Mehrzahl der Menschen, die an einem medullären Karzinom erkranken, sind jedoch nicht erblich vorbelastet.

Beim familiären medullären Schilddrüsenkarzinom liegt häufig zusätzlich das so genannte MEN 2-Syndrom vor (MEN = multiple endokrine Neoplasie). Es handelt sich dabei um eine Erbkrankheit, die nicht nur zur Entwicklung von Schilddrüsenkarzinomen, sondern auch zu, meist gutartigen, Tumoren des Nebennierenmarks (Phaeochromozytom) und der Nebenschilddrüsen führen kann.

Risikofaktor Jodmangel
Patienten, die unter einem Schilddrüsenkropf leiden, der aufgrund eines Jodmangels entstanden ist, sind ebenfalls gefährdet, Schilddrüsenkrebs zu entwickeln. In diesem Fall handelt es sich um eine besondere Variante des Schilddrüsenkrebses, dem sog. follikulären Karzinom.

 
(red)



Quellen:
H. Dralle: Maligne Schilddrüsentumoren, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008, Beilage-CD  
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
 
Fachliche Beratung
Prof. Georg Brabant
Department of Endocrinology
Christie´s Hospital

Manchester


Aktualisiert am: 11.05.11 - 14:18



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