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Schilddrüsenkrebs - Früherkennung, Vorsorge
Wer gehört zu einer Risikogruppe?
Ein erhöhtes Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, besteht vor allem für Patienten, die unter 20 oder über 60 Jahre alt sind und einen schnell wachsenden Schilddrüsenknoten haben. Gefährdet sind außerdem Mitglieder von Familien, in denen bereits Schilddrüsenkrebs aufgetreten ist, besonders wenn zusätzlich eine meist gutartige Erkrankung des Nebennierenmarks, das Phäochromozytom, vorliegt. Diese Fälle sind allerdings sehr selten.
Eine weitere Risikogruppe bilden Menschen, die als Kinder oder Jugendliche Röntgenbestrahlungen im Halsbereich erhalten haben. Solche Behandlungen waren in den vierziger und fünfziger Jahren in Skandinavien und den USA sehr populär, sind jedoch in Deutschland nur selten angewandt worden.
Auch Personen, deren Schilddrüse einer hohen Strahlenbelastung durch radioaktives Jod ausgesetzt war, z. B. infolge einer Reaktorkatastrophe, tragen ein erhöhtes Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken. Dabei steigt das Krebsrisiko mit der Strahlendosis, der ein Betroffener ausgesetzt war. Bis zur Bildung eines Schilddrüsenkarzinoms vergehen danach durchschnittlich fünf bis 15 Jahre. Bei Erwachsenen ist dieser Zeitraum länger als bei Kindern, deren Krankheitsrisiko nach einer Strahlenbelastung deutlich höher ist als das Erwachsener. Bis zu 40 Jahre nach einem solchen Ereignis muss mit dem Auftreten eines Schilddrüsenkarzinoms gerechnet werden.
Im Gegensatz dazu tragen Patienten, die aus therapeutischen Gründen radioaktives Jod erhalten haben (z. B. zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion), kein erhöhtes Risiko, ein Schilddrüsenkarzinom zu entwickeln. Auch eine vergrößerte Schilddrüse, in Fachkreisen Struma und im Volksmund Kropf genannt, stellt keinen zusätzlichen Risikofaktor dar.
Warnzeichen
Das wichtigste Warnzeichen von Schilddrüsenkrebs ist ein neu auftretender, rasch wachsender Knoten in der Schilddrüse. Besonders aufmerksam sollte man sein, wenn ein lange bestehender Kropf plötzlich wieder rasch wächst und sich ganz oder teilweise härter anfühlt. Das gleiche gilt für einen innerhalb weniger Wochen oder Monate neu entstehenden Kropf. Deshalb sollten ungewöhnliche Schwellungen am Hals Anlass sein, sich umgehend ärztlich untersuchen zu lassen. Weitere Symptome, die im Verlauf der Erkrankung auftreten können, sind:
- Schluckbeschwerden
- tastbar oder sichtbar vergrößerte Lymphknoten im Halsbereich
- Druckgefühl im Halsbereich
- Luftnot
- Heiserkeit
- Hustenreiz
Wenn Sie derartige Symptome an sich beobachten, heißt das noch nicht, dass Sie an einer Tumorerkrankung leiden. Häufig lassen sich solche Beschwerden auf eine gutartige Schilddrüsenerkrankung oder andere harmlose Ursachen zurückführen. Sie können aber auch Hinweis auf eine Krebserkrankung sein! Achten Sie deshalb auf die Alarmsignale Ihres Körpers und suchen Sie so rasch wie möglich Ihren Arzt auf! Nur er kann entscheiden, ob die Beschwerden von gutartigen oder bösartigen Veränderungen der Schilddrüse herrühren oder aber ganz andere Ursachen haben. Schieben Sie den Arztbesuch keinesfalls vor sich her! Denn: Wird Schilddrüsenkrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen sehr gut!
Aktive Früherkennung können vor allem Mitglieder von Familien betreiben, in denen das so genannte MEN 2-Syndrom vorkommt, eine seltene Erbkrankheit, in deren Verlauf gleichzeitig oder zeitversetzt beide Seiten der Schilddrüse von Krebs befallen werden. Nahen Verwandten solcher Patienten (Eltern, Kindern und Geschwistern), bei denen eine Erkrankung noch nicht aufgetreten ist, wird eine Genanalyse empfohlen. Bei sicherem negativen Gentest sind keine weiteren Kontrolluntersuchungen nötig. Fällt der Gentest jedoch positiv aus, muss das weitere Vorgehen mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Was tut Ihr Arzt?
Wenn ein Anfangsverdacht auf eine Krebserkrankung der Schilddrüse vorliegt, tastet der Arzt zunächst den Hals und die Schilddrüse gründlich ab, um sich einen ersten Eindruck über die Art der Schwellung zu verschaffen. Mit Hilfe einer Blutuntersuchung werden die Schilddrüsenhormone, TSH, Calcitonin und Kalzium bestimmt, um die Ursache der Symptome, die auch harmlos sein kann, herauszufinden.
Da die Schilddrüse oberflächlich liegt, ist sie einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) leicht zugänglich. Dieses Verfahren gibt dem Arzt Aufschluss über die Lage und Beschaffenheit von Veränderungen an der Schilddrüse und den Lymphknoten des Halses.
Um festzustellen, ob ein vorhandener Tumor gutartig oder bösartig ist, kann der Arzt eine Feinnadelbiopsie vornehmen. Bei diesem Verfahren werden mit einer feinen Nadel Zellproben aus der verdächtigen Region der Schilddrüse entnommen. Eine mikroskopische Untersuchung dieser Zellen kann dann in vielen Fällen klären, um welche Tumorart es sich handelt. Normales Gewebe in der Feinnadelbiopsie schließt jedoch ein Karzinom nicht sicher aus, da hochdifferenzierte Tumorzellen normalen Schilddrüsenzellen ähnlich sein können. Die gelegentlich geäußerten Befürchtungen, bei der Entnahme von Tumorzellen könnten Krebszellen „ausgeschwemmt“ werden, ist unbegründet.
(red)
Quellen: H. Dralle: Maligne Schilddrüsentumoren, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008, Beilage-CD H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006 Fachliche Beratung Prof. Georg Brabant Department of Endocrinology Christie´s Hospital Manchester
Aktualisiert am: 11.05.11 - 14:16
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