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Schilddrüsenkrebs, Schilddrüsenkarzinom

Schilddrüsenkrebs – auch als Schilddrüsenkarzinom bezeichnet – kann an jeder Stelle der Schilddrüse auftreten. Je nachdem, in welchem Gewebe der Tumor seinen Ursprung nimmt, werden die folgenden Formen von Schilddrüsenkrebs unterschieden:
  • differenzierte Karzinome (papilläres und follikuläres Karzinom)
  • medulläre Karzinome
  • undifferenzierte Karzinome
Darüber hinaus gibt es bösartige Tumoren, die nicht vom Schilddrüsenepithel ausgehen, z. B. Lymphome – also Krebse des lymphatischen Gewebes – und Sarkome, die sich im Bindegewebe entwickeln. Im Folgenden wird nur von Schilddrüsenkarzinomen die Rede sein.

In rund drei Viertel der Fälle gehen Schilddrüsenkarzinome aus den Follikelzellen der Schilddrüse hervor. Hierbei handelt es sich um die Zellen, in denen die Schilddrüsenhormone (Trijodthyronin/Thyroxin) gebildet werden. Tumoren dieses Ursprungs werden als differenzierte Karzinome bezeichnet. Unter ihnen sind die so genannten papillären Karzinome am häufigsten: Sie machen etwa 50 Prozent aller Krebserkrankungen der Schilddrüse aus. Besonders häufig betroffen sind junge Erwachsene im Alter von 30 bis 40 Jahren. Papilläre Karzinome bilden mitunter mehrere Tumorherde in einem oder in beiden Schilddrüsenlappen.

Etwas seltener sind die follikulären Karzinome (mit ca. 20 bis 30 Prozent), die meist nur einzelne Knoten bilden. Sie treten besonders häufig in Jodmangelgebieten auf und betreffen vor allem Menschen im fünften Lebensjahrzehnt.

Sehr viel seltener sind die medullären Karzinome, auch C-Zell-Karzinome genannt (5 bis 10 Prozent). Sie leiten sich von den Calcitonin produzierenden C-Zellen ab, die einzeln oder in Gruppen zwischen den Schilddrüsenfollikeln liegen und für die Regulation des Kalziumstoffwechsels zuständig sind. Ebenfalls selten sind die so genannten undifferenzierten oder anaplastischen Karzinome (5 bis 10 Prozent), die fast ausschließlich bei älteren Menschen (jenseits des 50. oder 60. Lebensjahres) auftreten.

Häufigkeit
Schilddrüsenkrebs ist in Deutschland eine seltene Tumorerkrankung. Etwa drei von 100.000 Menschen sind pro Jahr betroffen. Pro Jahr erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 5.200 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Zum Vergleich: An Brustkrebs erkranken allein in Deutschland jährlich mehr als 57.900 Frauen, an Dickdarmkrebs jeweils rund 36.300 Männer und 32.400 Frauen.

Schilddrüsenkrebs kann in jedem Alter auftreten, erreicht aber einen ersten Häufigkeitsgipfel zwischen dem vierten und fünften Lebensjahrzehnt. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Frauen bei 60 und für Männer bei knapp 55 Jahren. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Während die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Jahren weitgehend konstant verläuft, ist die Zahl der Todesfälle für beide Geschlechter leicht rückläufig.

Die Heilungsaussichten sind bei einem rechtzeitig erkannten Schilddrüsenkrebs im Allgemeinen gut. Schilddrüsenkarzinome sind als Todesursache selten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verstarben 2006 in Deutschland 258 Männer und 502 Frauen an dieser Krebsart.

 
(red)



Quellen:
H. Dralle: Maligne Schilddrüsentumoren, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008, Beilage-CD  
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2010
 
 


Fachliche Beratung
Prof. Georg Brabant
Department of Endocrinology
Christie´s Hospital

Manchester


Aktualisiert am: 11.05.11 - 14:15



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