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Mycosis fungoides

Mycosis fungoides ist eine Erkrankung, die von so genannten T-Lymphozyten ausgeht. Sie gehört zu den weniger bösartigen (niedrigmalignen) Non-Hodgkin-Lymphomen. Ihr Name wurde 1832 von Aliberti eingeführt. Damals ging man davon aus, dass die Mycosis fungoides eine Pilzerkrankung ist (Mykose = Pilzerkrankung, fungus = Pilz). Eine alte Bezeichnung aus dem deutschen Sprachgebrauch für die Krankheit ist außerdem der Name „Wucherflechte“.

T-Lymphozyten sind Zellen des Immunsystems und bekämpfen normalerweise Krankheitserreger. Bei der Mycosis fungoides entarten sie und befallen die Haut. Deshalb wird die Erkrankung auch als kutanes (Kutis = Haut) T-Zell-Lymphom bezeichnet.

Die Ursachen für die Mycosis sind unbekannt. Zu den Symptomen zählen uncharakteristische Hautveränderungen, die der Schuppenflechte (Psoriasis) oder Ekzemen ähneln. Hinzu kommt häufig ein starker Juckreiz. Anhand der Hauterscheinungen kann die Mycosis fungoides in verschiedene Stadien eingeteilt werden. Im späten Krankheitsstadium (>10 Jahre) breiten sich die Tumoren auch auf Lymphknoten und innere Organe aus.

Die Diagnose wird durch Gewebeprobenentnahmen aus befallenen Hautarealen (Biopsie) und durch Blutuntersuchungen gestellt. Je nach Krankheitsfortschritt können bei der Therapie die Photochemotherapie (PUVA) sowie die Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz kommen.

Häufigkeit

Die Mycosis fungoides ist eine seltene Tumorerkrankung, gehört aber mit zwei Prozent zu den häufigsten Lymphomerkrankungen. Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer. Mycosis fungoides tritt bevorzugt in der zweiten Lebenshälfte auf.

Das lymphatische System

Das lymphatische System ist kein einzelnes Organ, sondern im ganzen Körper verteilt. Es steht im engen Zusammenhang mit dem körpereigenen Abwehrsystem (Immunsystem) und dem blutbildenden System im Knochenmark.

Als lymphatisches System wird die Gesamtheit aller Lymphbahnen und lymphatischen Organe bezeichnet, zu denen unter anderem die Lymphknoten, die Milz, die lymphatischen Gewebe im Magen-Darm-Trakt (z.B. die Peyer-Plaques des Dünndarms) und im Rachen (Rachen-, Zungen- und Gaumenmandeln) sowie die Thymusdrüse gehören. Die Lymphknoten, kleine bohnenförmige Organe, befinden sich an zahlreichen Stellen des Körpers (z.B. in der Achselhöhle, in der Leiste, im Becken, im Nacken und im Bauchbereich). Sie dienen als Filterstationen für das Gewebswasser (Lymphe) einer Körperregion und produzieren und lagern Zellen, die Infektionen im Körper bekämpfen.

Die Zellen des lymphatischen Systems sind die Lymphozyten, eine Gruppe weißer Blutkörperchen. Die Lymphozyten haben eine zentrale Aufgabe bei der Immunabwehr, denn sie können ganz gezielt Krankheitserreger erkennen und beseitigen. Lymphozyten können über Blut und Lymphbahnen den ganzen Körper durchwandern und tauschen untereinander und mit anderen Zellen Informationen aus.

Unterschieden werden zwei große Gruppen von Lymphozyten: B-Lymphozyten und T-Lymphozyten. Alle Lymphozyten entstehen im Knochenmark aus einer gemeinsamen „Mutterzelle“ (Stammzelle). Während die B-Lymphozyten bereits im Knochenmark zu funktionstüchtigen Abwehrzellen heranreifen und erst danach ins Blut und in die lymphatischen Gewebe auswandern, erfolgt die Reifung der T-Lymphozyten in der Thymusdrüse.

B- und T-Lymphozyten erfüllen unterschiedliche Funktionen in der Immunabwehr. Eine wichtige Aufgabe der B-Lymphozyten besteht darin, so genannte Antikörper zu produzieren. Das sind kleine Eiweißmoleküle, die sich an Krankheitserreger anhängen und diese damit als „Feinde“ für so genannte Fresszellen (Makrophagen) oder bestimmte T-Lymphozyten (Killerzellen) erkennbar machen.

Die „Killerzellen“ unter den T-Lymphozyten erkennen und vernichten von Viren befallene Körperzellen und auch Krebszellen. Andere Gruppen von T-Lymphozyten „organisieren“ den Einsatz der Abwehrzellen und aktivieren oder hemmen auf diese Weise das Immunsystem.

Die verschiedenen Gruppen von Lymphozyten wirken in ihren Abwehraufgaben zusammen und stehen über bestimmte Zellhormone, die Lymphokine, miteinander in Verbindung. Das lymphatische System ist ein äußerst komplexes Netzwerk von Zellen, Geweben und Regulationsmechanismen im Dienste der körpereigenen Immunabwehr.

Usachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Mycosis fungoides sind weitgehend ungeklärt. Bei anderen Non-Hodgkin-Lymphomen wurde ein Zusammenhang zu Virusinfektionen, Immunstörungen, bestimmten Medikamenten, ionisierenden Strahlen und genetischen Faktoren beobachtet – bei Mycosis fungoides hingegen nicht.

Symptome

Die Krankheit verläuft oft schleichend über einige Jahre und geht mit uncharakteristischen Hautveränderungen einher. Ähnlichkeiten mit anderen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder Ekzemen können auftreten. Oftmals klagen Patienten über Juckreiz in den betroffenen Arealen. Bevorzugte Stellen für die Hautveränderungen sind v.a. die Oberarm- und Oberschenkelinnenseiten. Es bilden sich gerötete, trockene, leicht verkrustete oder schuppende Flecken aus.

Oftmals erst nach Jahren gehen die Hautveränderungen tiefer und betreffen weitere Hautschichten. In der Folge bilden sich erhabene Herde, so genannte Plaques und Knötchen. Sie breiten sich auf der gesamten Haut aus. Im weiteren Verlauf kommt es zu pilzförmigen großen Knoten.
Wird die Erkrankung nicht behandelt, kann sie sich über den Blut- und Lymphweg auf Lymphnoten und innere Organe ausbreiten.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose stellt sich durch das Gespräch (Anamnese) und die Hautveränderungen. Aus einem befallenen Areal wird eine Gewebeprobe entnommen (Biopsie) und mikroskopisch untersucht. Eine verlässliche Diagnose ist in der Regel erst möglich, wenn die Tumoren tiefer in die Haut eingedrungen sind und im Blut eine Erhöhung von Lymphozyten und bestimmten Antikörpern (Immunglobuline der Klasse E) auftritt.

Weitere Untersuchungsverfahren, wie Ultraschall, Röntgen, CT (Computertomographie) und MRT (Magnetresonanztomographie) können eingesetzt werden, um einen Befall von inneren Organen festzustellen.

Anhand der Untersuchungsergebnisse wird Mycosis fungoides in verschiedene Stadien eingeteilt. Diese sind für die Therapie und die Prognose von Bedeutung:
  • Stadium I: Auch Ekzemstadium genannt. Der Krebs zeigt sich durch die geröteten, schuppenden Flecken. Lymphknoten sind nicht vergrößert.
  • Stadium II: Auch als Plaquestadium bezeichnet. Lymphnotenschwellungen ohne Krebszellen, Hauterhabenheiten und Knoten können vorliegen.
  • Stadium III: Fast die gesamte Haut ist betroffen. In den vergrößerten Lymphknoten finden sich noch keine Krebszellen.
  • Stadium IV: Neben der Haut sind zusätzlich Lymphknoten und/oder innere Organe betroffen.

Therapie

Die Behandlung hängt in erster Linie vom Stadium der Erkrankung bei Diagnosestellung ab. Vor Therapiebeginn sollte in jedem Fall sichergestellt werden, dass der Patient durch die Behandlung nicht mehr Beschwerden erleiden wird als durch die Erkrankung selbst.

Als wirksame Therapieansätze gelten die Strahlentherapie, die Chemotherapie und die PUVA (Lichtbehandlung).

PUVA (Psoralen und UV-A)
Im Frühstadium (Stadium I) kommt die PUVA zusammen mit Kortisonsalben zum Einsatz. Sie wird auch als Photochemotherapie bezeichnet und normalerweise zur Therapie der Schuppenflechte genutzt. Das Medikament Psoralen wird entweder direkt auf die Haut aufgetragen oder als Tablette verabreicht und reichert sich in den Krebszellen an. Die Haut wird anschließend mit UV-A-Licht bestrahlt, welches die Krebszellen zerstört.

Ab dem Plaquestadium reicht die alleinige PUVA-Therapie nicht mehr aus. Sie wird dann meist mit einer Immuntherapie mit Interferon-Alpha kombiniert.

Strahlentherapie
Wie alle Non-Hodgkin-Lymphome ist die Mycosis fungoides strahlensensibel. Bei begrenzten tumorösen Hautveränderungen kann eine lokale Bestrahlung mit Röntgen- oder Elektronenstrahlen ausreichen, um den Tumor zu zerstören.
Bei ausgedehnterem Hautbefall ohne weitere Organ- oder Lymphknotenbeteiligung ist eine Ganzhautbestrahlung möglich. Diese wird in Spezialkliniken durchgeführt.
Sind schon Lymphknoten oder Organe betroffen, ist die Mycosis fungoides nicht mehr heilbar. In diesem Fall kann die Strahlentherapie palliativ, also symptomlindernd zum Einsatz kommen, um die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.

Die Wirkung der Strahlentherapie beruht darauf, dass sie Krebszellen vernichtet. Sie wird von außen durch die Haut durchgeführt. Trotz sorgfältiger Therapieplanung können Nebenwirkungen auftreten. Diese treten entweder unmittelbar während der Therapie auf (z.B. Durchfall, Übelkeit, Blutabgang über den Darm) oder machen sich erst Wochen oder Monate nach der Behandlung bemerkbar.

Chemotherapie
Die Chemotherapie kommt bei Lymphknoten- und Organbefall in fortgeschrittenen Krankheitsstadien zum Einsatz. Sie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft, die im besonderen Maße auf Krebszellen zutrifft.

Um die größtmögliche Wirkung gegen die Tumorzellen zu erzielen und um Nebenwirkungen zu reduzieren, werden häufig Kombinationen verschiedenartig wirkender Zytostatika eingesetzt. Die Behandlung erfolgt in mehreren Behandlungszyklen, die sich über mehrere Wochen hinziehen. Zwischen den einzelnen Zyklen liegen längere Erholungspausen. Die Therapiezyklen werden meist drei- bis sechsmal wiederholt. Wie viele Zyklen im speziellen Fall notwendig sind, hängt vor allem davon ab, wie der Patient die Behandlung verträgt und wie sich die Therapie auf den Tumor auswirkt.

Durch die Behandlung mit Zytostatika wird auch normales Gewebe, das sich rasch erneuert, in Mitleidenschaft gezogen. Davon betroffen sind in erster Linie die Schleimhäute von Magen und Darm, das blutbildende System im Knochenmark und die Haarwurzeln. Mögliche Begleiterscheinungen der Chemotherapie sind daher Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Haarausfall, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Blutungsneigung. Die Nebenwirkungen lassen sich zum Teil durch Begleitmaßnahmen bzw. Medikamente abfangen oder lindern. In der Regel verschwinden sie nach Beendigung der Therapie.

Krankheitsverlauf

Die Mycosis fungoides verläuft sehr langsam über Jahre bis Jahrzehnte. Wird die Diagnose gestellt, bevor sie sich auf innere Organe und Lymphknoten ausgebreitet hat, ist die Prognose gut und die Patienten können geheilt werden.
In späteren Stadien kann die Krankheit durch die Behandlung zumindest vorübergehend aufgehalten werden.

Nachsorge

Die Nachsorge ist davon abhängig, in welchem Stadium der Tumor entdeckt und wie er behandelt wurde. Bei Tumoren im Frühstadium sind Nachsorgeuntersuchungen im Abstand von 6-12 Monaten sinnvoll. In fortgeschrittenen Stadien (III und IV) hingegen sind 4-6 wöchentliche Arztbesuche nötig, um den Therapieerfolg zu beurteilen.

 
(red)



Quellen:
U. Dührsen: Kutane T-Zell-Lymphome, in: G. Ehninger, S. Petasch: Colloqium Onkologie 8. Update Hämatologie / Onkologie 2009, Lukon 2009, S. 84-85
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2005/2006. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2010


Aktualisiert am: 14.04.11 - 18:40



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