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Magenkrebs - Besonderheiten
Eine Magenoperation bei Magenkrebs ist ein gravierender Eingriff in das Verdauungssystem und daher oft – insbesondere in der ersten Zeit nach der Operation – mit verschiedenen Beschwerden verbunden.
Einige der am häufigsten auftretenden Beschwerden – sowie Möglichkeiten der Linderung – werden im Folgenden aufgeführt:
Dumping-Syndrom
Eine häufige Folgeerscheinung insbesondere der vollständigen Magenentfernung ist das Dumping-Syndrom (engl. to dump = hineinplumpsen). Dabei entleert sich der Inhalt des Rest- oder Ersatzmagens zu rasch in den Dünndarm. Das so genannte Frühdumping-Syndrom tritt kurz nach der Mahlzeit auf und beruht vor allem darauf, dass die in der Nahrung enthaltenen Stoffe Flüssigkeit aus der Blutbahn in den Darm abziehen. Dadurch kommt es zu Kreislaufreaktionen wie Herzklopfen, Blutdruckabfall, Schwindel, Übelkeit und Schweißausbrüchen. Weitere Symptome sind Druckgefühl und Schmerzen im Oberbauch sowie Erbrechen und Durchfälle. Das Spätdumping-Syndrom tritt zwei bis drei Stunden nach dem Essen auf und hängt mit einer raschen Aufnahme großer Mengen von Kohlehydraten zusammen. Durch das plötzliche Kohlehydrat-Überangebot steigt der Blutzuckerspiegel schnell an und fällt kurz darauf stark ab; es kommt zur Unterzuckerung. Zeichen einer Unterzuckerung sind Unruhe, Zittern, Heißhunger, Bewusstseinstrübung, Herzklopfen und unter Umständen Blutdruckabfall. Die Beschwerden des Dumping-Syndroms lassen sich durch Ernährungsmaßnahmen meist gut mildern. Zu den Ernährungstipps gehört:
- Meiden Sie Nahrungsmittel, die Beschwerden hervorrufen
- Verzichten Sie bei den Mahlzeiten auf Suppe (besser als Zwischenmahlzeit)
- Versuchen Sie, eine Viertelstunde vor dem Essen eine kleine Scheibe Brot zu verzehren
- Legen Sie sich unmittelbar nach der Mahlzeit hin. Achten Sie jedoch darauf, den Oberkörper hoch zu lagern
- Meiden Sie „süße“ Kohlenhydrate (Zucker, Traubenzucker, Fruchtzucker, Honig). Süßen Sie mit Süßstoff.
- Nehmen Sie eher ballasstoffreiche, stärkehaltige Kohlehydrate zu sich (Vollkornerzeugnisse, Kartoffeln)
- Essen Sie nicht zu salzig
- Bei Symptomen der Unterzuckerung ein Plättchen Traubenzucker zu sich nehmen und anschließend ein kleines Stück Brot oder etwas Obst.
In der Regel bessert sich ein Dumping-Syndrom im Laufe der ersten Monate nach der Operation. In jedem Falle sollten Sie sich von Ihrem behandelnden Arzt beraten lassen, wenn die beschriebenen Beschwerden bei Ihnen auftreten.
Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust
Etwa 80 Prozent der Patienten leiden nach einer Magenoperation an Appetitlosigkeit. Ein Grund dafür ist, dass die „Hungermeldefunktion“ des Magens verloren gegangen ist; aber auch die seelische Verfassung spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle.
Eine Gewichtsabnahme in den ersten Monaten nach der Operation ist normal. Im Allgemeinen stabilisiert sich das Gewicht innerhalb von sechs bis zwölf Monaten wieder. Ist dies nicht der Fall oder besteht extremes Untergewicht, sollten Sie sich unbedingt von Ihrem Arzt beraten lassen.
Sodbrennen
Nach einer Magen(teil)entfernung kann der Verschluss des Magens zur Speiseröhre hin gestört sein. Dadurch kann der Speisebrei oder Magensaft in die Speiseröhre zurückgelangen (Reflux) und dort Entzündungen und Schmerzen hervorrufen. Auch ein Rückstau des im Rest- oder Ersatzmagen bzw. Dünndarm liegenden Speisebreis und der Verdauungssäfte führt zu Sodbrennen oder zu Brechreiz/Erbrechen. Um Sodbrennen zu vermeiden, sollten Sie
- häufig kleinere Portionen essen
- sich beim Essen Zeit lassen und gut kauen, damit der Speisebrei möglichst schnell weiterrutschen kann
- stark gewürzte Speisen meiden
- keine kohlensäurehaltigen Getränke zu sich nehmen
- sich nicht unmittelbar nach dem Essen hinlegen und immer den Oberkörper hochlagern
In manchen Fällen empfiehlt sich zusätzlich auch die Einnahme Säure bindender Medikamente.
Bauchschmerzen
Bei vielen Patienten können nach dem Essen krampfartige Bauchschmerzen auftreten. Ursache dafür ist, dass es aufgrund der fehlenden Speicherfunktion des Magens zu einer plötzlichen Überdehnung des oberen Dünndarmabschnittes kommt.
Auch hier gilt: Nehmen Sie häufiger kleine Mahlzeiten anstelle weniger großer zu sich! Erfahrungsgemäß passt sich der Dünndarm nach einiger Zeit den neuen Gegebenheiten an, und die Schmerzen werden geringer.
Durchfälle
Durchfälle können Begleiterscheinung eines Dumping-Syndroms sein, etwa auf dem Boden einer gestörten Fettverdauung oder wenn eine verstärkte Besiedelung mit Bakterien im Dünndarm stattfindet, weil die keimhemmende Funktion der Magensäure fehlt. Hier ist es sinnvoll, auf rohe Speisen (rohes Fleisch, Rohmilchprodukte, unreifes Obst) zu verzichten. Durchfälle beruhen aber auch häufig auf der Unverträglichkeit von Milchprodukten. Die Ursache einer solchen Unverträglichkeit ist, dass der in Milchprodukten enthaltene Milchzucker (Laktose) nicht aufgespalten werden kann (Laktose-Intoleranz). Die Beschwerden können durch eine laktosearme Ernährung vollständig behoben werden. Beachten Sie bei Durchfall daher Folgendes:
- Trinken Sie vorläufig keine Milch (kleine Mengen Milchprodukte sind erlaubt. Selbstgemachter Kochpudding wird in der Regel gut vertragen)
- Essen Sie keine Fertigprodukte, weil diese meist viel Milchzucker enthalten
- Schreiben Sie sich auf, nach welchen Speisen Sie Beschwerden verspüren
Für alle Durchfallerkrankungen, gleich welcher Ursache, gilt: Trinken Sie reichlich zwischen den Mahlzeiten – mindestens zwei Liter pro Tag – um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen! Meist verschwindet der Durchfall innerhalb weniger Wochen nach der Operation. Sollte dies nicht der Fall sein, sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.
Fettiger Stuhlgang
Fettiger, durchfallartiger Stuhlgang ist ein Zeichen dafür, dass die Fettbestandteile in der Nahrung ungenügend verdaut werden. Die Speisen werden nicht ausreichend mit den Fett verdauenden Sekreten der Bauchspeicheldrüse vermischt. Dadurch gehen dem Körper wichtige Nahrungsbestandteile verloren. Ist die Fettverdauung gestört, so können auch die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K aus der Nahrung nicht mehr aufgenommen werden. Die Folge sind Mangelerscheinungen, die unter anderem die Blutbildung, das Skelettsystem und die Muskulatur betreffen.
Zur Unterstützung der Fettverdauung wird Ihr Arzt Ihnen daher möglicherweise im ersten Jahr nach der Operation die Einnahme von Bauchspeicheldrüsenpräparaten verordnen, vor allem dann, wenn der Magen vollständig entfernt wurde. Wichtig ist es, diese nach totaler Magenentfernung nur als Granulat einzunehmen und das Granulat während des Essens portioniert zu sich zu nehmen (nicht das Granulat über das Essen streuen). Um Vitamin-Mangelerscheinungen vorzubeugen, kann es notwendig sein, auch fettlösliche Vitamine einzunehmen.
Blähungen
Auch Blähungen sind ein Zeichen dafür, dass der Speisebrei nicht genügend mit Bauchspeicheldrüsensekreten durchmischt wird. Die Einnahme entsprechender Präparate kann diese Beschwerden lindern. Wichtig ist jedoch vor allem, dass Sie sich auf eine fettreduzierte Ernährung umstellen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem behandelnden Arzt beraten.
Blutarmut (Anämie)
Die Magenoperation kann auch zu einer Blutarmut führen. Blutarme Menschen haben oft eine auffallend blasse Haut, sie leiden unter Müdigkeit, Schwäche, geringer Belastungsfähigkeit und Leistungsminderung. Ursache für die Blutarmut ist häufig Eisenmangel, der z.B. durch den Blutverlust während der Operation entstehen kann. Meist gleicht der Körper diesen Mangel selbst wieder aus. Auch die Einnahme von Eisenpräparaten in den ersten Monaten nach dem Eingriff kann hier Abhilfe schaffen.
Wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum bestehen, hängt Ihre Blutarmut vermutlich zudem mit einem Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure zusammen. Das sind Vitamine, die bei der Blutbildung eine wichtige Rolle spielen.
Bleibt der Mangel an Vitaminen, insbesondere des Vitamins B12, unbehandelt, so kann dies schwerwiegende Folgen haben (perniziöse Anämie). Vitamin B12 kann nach einer teilweisen oder vollständigen Magenentfernung nur noch unzureichend bzw. gar nicht mehr aufgenommen werden. Dieses Vitamin muss Ihnen daher in regelmäßigen Abständen als Injektion verabreicht werden, um entsprechenden Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Osteoporose
Bei etwa 5 bis 20 Prozent der Patienten tritt nach einer Magenoperation Osteoporose (Knochenschwund) auf. Die Osteoporose ist unter anderem auf einen Mangel an Vitamin D und Kalzium zurückzuführen. Die Aufnahme dieser beiden für die Knochenbildung wichtigen Substanzen ist bei Magenoperierten häufig gestört.
Betroffen sind vor allem Patienten, die fettigen Stuhlgang haben. Fettiger Stuhlgang ist ein Zeichen dafür, dass Nahrungsfette sowie fettlösliche Vitamine wie das Vitamin D nicht in den Körper aufgenommen werden. Auch Patienten, die aufgrund einer Laktose-Unverträglichkeit keine Milch und Milchprodukte zu sich nehmen können, sind gefährdet, denn diese Nahrungsmittel sind wichtige Quellen für Vitamin D und Kalzium.
Um einer Osteoporose vorzubeugen, empfiehlt sich eine kalziumreiche Kost (z.B. Milch- und Vollkornprodukte) und viel Bewegung im Freien, weil durch UV-Licht der Sonne die körpereigene Bildung von Vitamin D angeregt wird. Eventuell ist auch die Einnahme von Kalziumpräparaten notwendig. Auch Vitamin-D sollte vorbeugend eingenommen werden.
(red)
Quellen: G. Folprecht, S. Frick: Magen- und AEG-Karzinome, in: W. Dornoff, F.-G. Hagemann, J. Preiß, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie 2010: Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2010/2011, Zuckschwerdt Verlag 2010, S. 148-154 H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006 Fachliche Beratung
Prof. Dr. Michael Stahl Klinik für intern. Onkologie und Hämatologie Kliniken Essen-Mitte
Aktualisiert am: 13.04.11 - 15:31
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Hautkrebs – Krankheit mit vielen Facetten.
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