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Knochenmarkspende
Nach Schätzungen erkranken pro Jahr rund 11 800 Deutsche an Leukämie, darunter 600 Kinder. Anders ausgedrückt: Statistisch wird alle 45 Minuten ein Mensch mit der Diagnose dieses Blutkrebses konfrontiert.
Wie Vieles in der Medizin, stammt auch der Begriff „Leukämie“ von Rudolf Virchow. Leukämie bedeutet wörtlich übersetzt „weißes Blut“, denn der Berliner Arzt und Pathologe fand einen großen Anteil weißer Blutbestandteile, als er das Blut von Patienten untersuchte, die unter Schwäche, Infektanfälligkeit und Blutungsneigung litten. Heute weiß man, dass bei einer Leukämie sich vor allem funktionsuntüchtige Vorstufen weißer Blutkörperchen, so genannter Leukozyten, vermehren.
Eingeteilt werden die Leukämien nach ihrem Zelltyp in myeloische und lymphatische Formen. Zudem unterscheidet man je nach Krankheitsverlauf zwischen akuten und chronischen Erkrankungen. Akute Leukämien sind lebensbedrohlich, wenn sie unbehandelt bleiben. Chronische Leukämien verlaufen meist über viele Jahre und machen zunächst häufig kaum Beschwerden.
Normalerweise werden all diese Leukämien mit Medikamenten behandelt, die zu einer Abtötung eines großen Teils der Leukämiezellen führen. Trotz aller Fortschritte reicht die Therapie mit Medikamenten in einigen Fällen nicht aus. Wenn sich beispielsweise bei Patienten die Leukämie trotz Chemotherapie nicht ausreichend zurückbildet, wenn es zu einem Rückfall der Erkrankung kommt oder wenn ein Patient an einer Leukämieform erkrankt, deren Heilungschancen mit Chemotherapie allein schlecht sind, kann eine Knochenmarkspende zur lebensrettenden Maßnahme werden.
Wer eignet sich als Knochenmarkspender?
Vor allem junge Menschen sind als Spender wichtig, denn ihre Stammzellen werden von Leukämiepatienten meist gut angenommen. In die Spenderdatei aufnehmen lassen können sich letztlich alle gesunden Personen, zwischen 18 und einschließlich 54 Jahren. Wenn ihr genetischer Code erfasst ist, liegt er für die gesamte Dauer der Spenderbereitschaft in der Spender-Datenbank und steht weltweit allen Patienten zur Verfügung. Nur wenn eine Reihe von Gewebemerkmalen zwischen Spender und Empfänger genetisch übereinstimmen, können die Stammzellen transplantiert werden.
Je mehr Menschen registriert sind, desto besser lässt sich ein Spender finden. Zurzeit sind in Deutschland mehr als 2,2 Millionen Spender registriert, weltweit gibt es rund neun Millionen. Durch die Spenden können pro Tag vier bis fünf Kranke gerettet werden.
An wen man sich als Spender wenden kann
Wer sich als Spender zur Verfügung stellen möchte, kann sich unter anderem an die Deutsche Knochenmarkspender-Datei (DKMS) wenden. Sie schickt alle notwendigen Unterlagen zu, mit denen man dann zum Hausarzt geht.
Über das Zentrale Knochenmark-Spender Register Deutschlands (ZKRD) mit Sitz in Ulm kann man sich auch zu einer anderen Spender-Datei vermitteln lassen. Oder man nimmt an einer Spenderaktion teil, dann werden die Daten von dort aus an eine der Spender-Dateien weitergeleitet.
Was auf den Spender zukommt
Für die Registrierung der genetischen Daten reicht eine einfache Blutabnahme oder ein Speichelabstrich aus. Dies kann bei einer Spenderaktion erfolgen oder wird vom Hausarzt durchgeführt.
Jeder fünfte Spender ist potentiell für einen Patienten geeignet. Bei diesen Personen werden weitere Blutuntersuchungen und ein Gesundheitscheck durchgeführt. Und nur noch einer von 100 Spendern bleibt nach diesen weiteren Tests für eine Spende übrig.
Jetzt wird entschieden, ob die Zellen aus dem Knochenmark oder wie es heutzutage häufiger der Fall ist aus dem Blut entnommen werden. Das weitere Vorgehen wird vorher natürlich genau mit dem Spender besprochen. Ohne dessen Einwilligung läuft nichts
Welche Kosten entstehen
Die Kosten zur Aufnahme in eine Spender-Datei werden meist durch Spenden gedeckt. Jede Geldspende ist natürlich gern gesehen, verpflichtet ist jedoch keiner dazu.
Kommt man als Spender für einen Patienten in Frage, werden alle weitere Kosten für Untersuchungen, Arbeitsausfall und die Knochenmarks- oder Blutstammzellentnahme von der Krankenkasse des Patienten getragen.
Weitere Informationen finden Sie zum Beispiel bei:
Fachliche BeratungProf. Drings
Vorstandsmitglied der Deutschen Krebsgesellschaft
Quellen:
Michl Marlies: Basics Hämatologie, Urban und Fischer Verlag 2010
Aktualisiert am: 14.04.11 - 22:06