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Gebärmutterhalskrebs, Zervixkarzinom - Therapie

Nachdem die Diagnose Gebärmutterhalskrebs feststeht und das Ausmaß der Krebsausbreitung bestimmt worden ist, legt der Arzt gemeinsam mit der Patientin fest, welche Behandlungs-schritte durchgeführt werden. Bei der Erstellung eines Therapieplans arbeiten Ärzte aus mehreren Fachgebieten interdisziplinär eng zusammen. Sie orientieren sich dabei an einem deutschlandweit gültigen Leitfaden (S3-Leitlinie), der von ärztlichen Fachgesellschaften erarbeitet und regelmäßig aktualisiert wird.

Behandlungsmethoden, die für die Therapie von Gebärmutterhalskrebs in Frage kommen, sind: 
Welche Therapie durchgeführt wird, hängt in erster Linie von der Größe und Ausbreitung des Tumors ab. Aber auch das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand und – soweit möglich - ein bestehender Kinderwunsch werden bei der Wahl der Behandlungsmethode berücksichtigt.

Das wichtigste Verfahren zur Behandlung von Gebärmutterhalskrebs in früheren Stadien ist die Operation. Sie hat das Ziel, das von Krebs befallene Gewebe vollständig zu entfernen und damit die Krankheit zu heilen. Als Alternative zur Operation ist eine Strahlentherapie in Kombination mit der Chemotherapie möglich. Sie kommt insbesondere dann in Frage, wenn ein operativer Eingriff aus gesundheitlichen Gründen nicht durchgeführt werden kann oder nicht erwünscht ist. Bei fortgeschrittenen Tumoren ist die Bestrahlung die Therapie der Wahl. Sie kann in Ausnahmefällen als alleinige Maßnahme oder – als derzeitiger Standard - in Kombination mit einer Chemotherapie durchgeführt werden (kombinierte Radio-Chemotherapie). Ist die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits weit fortgeschritten und durch eine Operation und/oder Strahlentherapie nicht mehr zu heilen, wird in Ausnahmefällen eine alleinige Chemotherapie durchgeführt. Ihr Ziel ist es, die Tumorausbreitung zum Stillstand zu bringen und tumorbedingte Beschwerden zu lindern.

Wichtig ist, dass Sie mit Ihrem behandelnden Arzt ausführlich über den Befund und die Prognose Ihrer Erkrankung sprechen. Lassen Sie sich die verschiedenen Therapiemöglichkeiten genau erläutern, die für Sie in Frage kommen und informieren Sie sich auch über die Auswirkungen der einzelnen Therapieformen auf Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden. Frauen vor den Wechseljahren oder im gebärfähigen Alter, die sich noch Kinder wünschen, sollten aufgrund der unterschiedlichen Spätfolgen der verschiedenen Behandlungsstrategien auf jeden Fall vor Beginn der Behandlung mit ihrem Arzt über diese Problematik sprechen.

Operation

Therapie der Wahl bei früheren Krankheitsstadien ist die Operation. Ihr Ziel ist es, das Tumorgewebe sowie die von Tumorzellen befallenen Lymphknoten vollständig zu entfernen und damit die Krankheit zu heilen. Auch kann durch die Operation die Ausbreitung des Tumors genau festgestellt werden. Der Umfang der Operation richtet sich nach dem Stadium der Krebserkrankung.

Befindet sich der Tumor noch in einem Vor- oder Frühstadium, so ist die kegelförmige Ausschneidung des Gebärmutterhalses (Konisation), oder die Teilamputation des Gebärmutterhalses (Trachelektomie) bei Kinderwunsch die Therapie. Der Gewebekegel kann mit der elektrischen Schlinge oder per Laserstrahl von der Scheide her entnommen werden.

Ist der Tumor bereits in tiefere Gewebeschichten vorgedrungen, ist meist eine komplette Entfernung der Gebärmutter notwendig (Hysterektomie). Unter Umständen müssen auch ein Teil der Scheide und das Bindegewebe, das seitlich an die Gebärmutter angrenzt und die Lymphabflusswege enthält, sowie die Lymphknoten (im Beckenbereich bzw. an den Blutgefäßen) entfernt werden. Wenn sich eine Frau noch Kinder wünscht, so wird der Arzt sorgfältig entscheiden, ob der Eingriff tatsächlich notwendig ist, oder ob der Patientin ein spezielles Verfahren angeboten werden kann, bei dem von der Scheide aus der komplette Muttermund (ggf. inklusive der Beckenlymphknoten) entfernt wird (Trachelektomie). Eine Entfernung der Gebärmutter ist aber zu einem späteren Zeitpunkt im Regelfall dennoch nötig.

Während der Operation wird überprüft, ob sich die Krebserkrankung bereits auf die Nachbarorgane im kleinen Becken ausgedehnt hat. Sind Blase und Enddarm mitbetroffen, kann es notwendig sein, auch diese Organe teilweise oder ganz zu entfernen (Exenteration). Die Entnahme der Eierstöcke ist nicht immer zwingend notwendig, insbesondere bei prämenopausalen Frauen.

Im Anschluss an die Operation wird selten (bei bestimmten Risikofaktoren oder starkem Tumorbefall) zusätzlich eine Strahlentherapie, ggf. in Kombination mit Chemotherapie, durchgeführt (adjuvante Radiochemotherapie), um eventuell im Körper verbliebene Tumorzellen zu vernichten und somit das Risiko eines Krankheitsrückfalls zu senken.

Welche Folgen hat die Operation?
Die Beschwerden, die nach einer Operation zur Behandlung von Gebärmutterhalskrebs auftreten können, hängen davon ab, wie umfangreich die Operation sein musste.

Ist zur Therapie einer Krebsvorstufe oder einer Frühform des Gebärmutterhalskrebses nur eine Kegelausschneidung (Konisation) notwendig, so heilt die Operationswunde in der Regel innerhalb von etwa sechs Wochen vollständig ab. Folgebeschwerden bestehen meist nicht. In seltenen Fällen kann durch die Konisation die Schließfunktion des Gebärmutterhalses geschwächt sein, so dass bei einer zukünftigen Schwangerschaft ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko besteht.

Nach der Operation eines größeren bösartigen Tumors können durch die Irritation oder Verletzung von Nerven Entleerungsstörungen der Blase auftreten. Diese bessern sich meist spontan, können aber auch über Wochen oder Monate andauern. Während dieser Zeit muss die Blase mit Hilfe eines Katheters regelmäßig vollständig entleert werden. Der Katheter wird über die Bauchdecke in die Blase eingeführt. Nach Anleitung durch das Pflegepersonal kann die Patientin die Entleerung selbst durchführen.

Weitere Folgen der Operation können Verwachsungen im Operationsbereich sein, die beim Geschlechtsverkehr, Stuhlgang oder Wasserlassen unangenehme Empfindungen oder Schmerzen verursachen. Patientinnen, die unter solchen Beschwerden leiden, sollten mit Ihrem Arzt darüber sprechen, damit Abhilfe geschaffen werden kann. Verwachsungen können ggf. in einer weiteren Operation behoben werden. Dieser Eingriff erfolgt häufig endoskopisch durch den Bauchnabel, so dass kein großer Operationsschnitt notwendig ist.

Durch eine Entfernung der Eierstöcke werden bei Frauen, die vor dem Eingriff noch Monatsblutungen hatten, die Wechseljahre (Menopause) vorzeitig herbeigeführt. Die Folge können typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme sein. Durch die Einnahme von Hormonpräparaten und pflanzlichen Pärparaten (Phytotherapeutika) können die Beschwerden gelindert werden.

Unter gewissen Umständen kann es durch die Operation zur Verkürzung der Scheide kommen. Durch die Irritation oder Verletzung von Nerven kann die Befeuchtung der Scheide verringert sein. Dies kann zu Beschwerden beim Geschlechtsverkehr führen. Gegenüber der Strahlentherapie sind die Probleme beim Geschlechtsverkehr nach Operation jedoch in der Regel geringer.

Beinschwellungen (Lymphödeme) können auftreten, wenn bei der Operation viele Lymphknoten entfernt werden mussten.

Strahlentherapie

Als Alternative zur Operation, insbesondere bei weit fortgeschrittener Erkrankung, wird eine Strahlentherapie durchgeführt. Untersuchungen haben ergeben, dass in diesen Fällen durch die alleinige Strahlentherapie (in Ausnahmefällen) bzw. eine Kombination aus Strahlen- und Chemotherapie (Standard) die gleichen Langzeiterfolge erreicht werden wie durch eine Operation. Bei einigen Patientinnen wird die Strahlentherapie als zusätzliche Maßnahme nach der Operation durchgeführt (adjuvante Strahlentherapie), um das Risiko eines Krankheitsrückfalls (Rezidiv) zu senken.

Ziel der Strahlentherapie ist es, die bösartigen Zellen vollständig zu vernichten. Um dies zu erreichen, erfolgt die Bestrahlung fast immer kombiniert von innen und von außen:
Bei der so genannten Kurzdistanzbestrahlung (Brachytherapie) wird eine Strahlenquelle in die Gebärmutterhöhle oder in die Scheide eingebracht und dort belassen, bis die gewünschte Strahlendosis erreicht ist. Die Bestrahlung bleibt dadurch örtlich begrenzt, so dass Nachbarorgane geschont werden. Ergänzend dazu können der gesamte Beckenraum und evtl. auch die Lymphknoten an der Wirbelsäule von außen durch die Haut bestrahlt werden (externe oder perkutane Bestrahlung).

Fast immer wird ergänzend zur Strahlentherapie eine Chemotherapie durchgeführt. Durch die Kombination dieser beiden Behandlungsmethoden (Radio-Chemotherapie) lassen sich die Heilungsaussichten verbessern. Die zur Chemotherapie eingesetzten Medikamente erhöhen die Empfindlichkeit der Tumorzellen gegenüber der Bestrahlung. Darüber hinaus kann die Chemotherapie auch eventuell bereits im Körper verstreute Krebszellen erfassen.

Welche Folgen hat die Strahlentherapie?
Die Beschwerden, die nach einer Strahlenbehandlung auftreten, hängen vom Ausmaß der Vorbehandlung (Operation) und dem Ausmaß der Strahlentherapie ab. Je umfangreicher die Behandlung, desto eher können Beschwerden auftreten.

Aufgrund der schädigenden Wirkung der Strahlen auf die Schleimhäute können vor allem chronische Entzündungen der Blase und des Darms auftreten, die aber meist innerhalb weniger Wochen wieder abklingen. Seltener entwickeln sich chronische Strahlenentzündungen mit Blutungen. Auch das Scheidengewebe ist nach der Bestrahlung empfindlicher und anfälliger für Infektionen. Diese Nebenwirkungen können jedoch mit Hilfe von Medikamenten gelindert werden. Bei ausgedehnter Bestrahlung können auch chronische Beinschwellungen (Lymphödeme) auftreten.

Wurden die Eierstöcke nicht entfernt und muss eine Strahlenbehandlung vorgenommen werden, so kann es danach zu einem dauerhaften Ausfall der Eierstockfunktionen kommen. Die Folge sind die bereits zuvor beschriebenen Wechseljahresbeschwerden.

Wie wird ein Rückfall behandelt?

Tritt der Gebärmutterhalskrebs nach der Ausheilung erneut auf, spricht man von einem Rezidiv. Wie schon bei der Erstdiagnose beraten nun die Ärzte erneut in einem interdisziplinären Team individuell über das weitere Vorgehen. Nach Möglichkeit wird nochmals operiert oder eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt. Ist eine Bestrahlung oder Operation nicht mehr möglich oder haben sich bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in entfernten Organen gebildet, kann eine Chemotherapie zur Verzögerung des Krankheitsverlaufs und zur Linderung tumorbedingter Beschwerden beitragen. Eine Heilung ist in diesem Falle oft nicht mehr möglich.

Schmerzbehandlung

In weit fortgeschrittenen Stadien stehen für die Patientin häufig die tumorbedingten Schmerzen im Vordergrund, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen können. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist in diesem Falle die wirksame Schmerzbekämpfung. Mit den heute verfügbaren Medikamenten und Methoden lassen sich Tumorschmerzen meist gut lindern. Die Schmerztherapie wird möglichst individuell auf die Schmerzsituation der Patientin abgestimmt.

Bei schmerzhaften Knochenmetastasen bringt eine gezielte Bestrahlung häufig Linderung. Schmerzen durch ausgedehnten Tumorbefall des Skeletts lassen sich auch durch die Behandlung mit Bisphosphonaten oder Antikörpern lindern.

Komplementäre Therapie

Bei einer Gebärmutterhalskrebsbehandlung können nach Rücksprache mit den Ärzten zusätzlich zur schulmedizinischen Behandlung auch komplementäre oder biologische Krebstherapien eingesetzt werden. Dies kann unter Umständen die Abwehrkräfte steigern und die Lebensqualität der Patientin verbessern.

Dazu gehören z.B. Ernährungstherapien, Thymuspräparate, Enzyme oder Phenole, die aus grünem und schwarzem Tee gewonnen werden. Bei Mistelpräparaten ist Vorsicht geboten, da es – zumindest bei anderen Krebsarten – Hinweise auf die Erhöhung des Rezidivrisikos gegeben hat. Für das Zervixkarzinom konnte dies bislang allerdings nicht gezeigt werden.

Hinweis: Wenn Sie eine komplementäre Therapie wünschen, sollten Sie nicht eigenmächtig handeln, sondern zuvor in jedem Fall Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt halten. Komplementäre Therapie können, beispielsweise in Kombination mit einer Chemotherapie, gefährliche Wechselwirkungen auslösen. Zudem ist bisher wissenschaftlich nicht bewiesen, dass alleinige komplementäre Therapien Krebs bekämpfen bzw. das Leben verlängern können!

(red)



Quellen:
Kommission Uterus d. AGO e.V. (Hrsg.): Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Zervixkarzinoms, in: Leitlinien zum Zervixkarzinom, zum Endometriumkarzinom und zu den Trophoblasttumoren, W. Zuckschwerdt Verlag 2008, S. 1-72
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006


Fachliche Beratung
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann Universitätsfrauenklinik Erlangen Dr. Martin Koch
Universitätsfrauenklinik Erlangen
Dr. Grit Mehlhorn, Universitätsfrauenklinik Erlangen




Aktualisiert am: 24.10.11 - 12:28



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