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Rückfälle verhindern: Zwei neue klinische Studien untersuchen die Wirksamkeit der Angiogenesehemmung bei Brustkrebs im Frühstadium

Ein Tumor kann bereits in einem frühen Stadium bösartige Zellen im Körper streuen. Über die Lymphbahnen oder über die Blutbahn breiten sie sich in den ganzen Körper aus. Der größte Teil dieser sogenannten zirkulierenden Tumorzellen wächst zwar nie zu Metastasen heran, einige jedoch können im Laufe der Zeit Tochtergeschwülste (Fernmetastasen) bilden. Dazu kommt, dass selbst mit hochmodernen bildgebenden Verfahren bereits vorhandene „Mikrometastasen“ nicht aufgespürt werden können. So erklärt sich, warum bei manchen Frauen, bei denen Brustkrebs im Frühstadium diagnostiziert und therapiert worden war, nach Jahren Metastasen entdeckt werden.

Um nach einer Operation noch vorhandene Krebszellen zu bekämpfen und damit Rückfällen und Metastasen vorzubeugen, erhalten Brustkrebspatientinnen in der Regel im Anschluss an die Entfernung des Tumors eine sogenannte adjuvante Therapie, zumeist mit Antihormonen und/oder Chemotherapeutika.

Erfolgversprechend als adjuvante Behandlung könnte hier auch eine Therapie mit dem Angiogenesehemmer Bevacizumab sein. Dieser Antikörper sorgt dafür, dass Tumoren und Metastasen kein für ihre Versorgung und ihr Wachstum notwendiges Blutgefäßsystem aufbauen können und dass sich bereits vorhandene Gefäße zurückbilden. Zudem verstärkt Bevacizumab die Wirkung von Chemotherapien ohne dass eine Verstärkung der für Chemotherapien typischen Nebenwirkungen zu beobachten ist.

Gegenwärtig wird Bevacizumab in Kombination mit einer Chemotherapie als Therapie bei metastasiertem Brustkrebs eingesetzt.

Der Wirkstoff Bevacizumab ist gegen den Wachstumsfaktor VEGF gerichtet, der als Botenstoff von den Krebszellen ausgesandt wird und die umliegenden Blutgefäße dazu anregt, Verzweigungen zum Tumor hin zu bilden. Da man experimentell nachweisen konnte, dass gerade frühe Schritte in der Entwicklung von Metastasen von VEGF abhängig sind, nehmen die Wissenschaftler an, dass eine Angiogenesehemmung bei Patienten mit Krebs im Frühstadium effektiv Rückfälle und die Bildung von Metastasen vorbeugen kann.

BETH und BEATRICE: Bevacizumab als adjuvante Therapie

Zwei große internationale Studien prüfen derzeit den Einsatz von Bevacizumab als adjuvante Therapie bei Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium. Ziel ist es herauszufinden, ob die Behandlung mit dem Angiogenesehemmer dazu beitragen kann, das Risiko eines Rückfalls zu reduzieren.

Die BEATRICE-Studie (BEvacizumab Adjuvant therapy in TRIple Negative Breast CancEr) untersucht Frauen, deren Tumor weder hormonabhängig ist, noch vermehrt den Wachstumsfaktorrezeptor HER2 aufweist („triple negativer Brustkrebs“). Dazu werden die Patientinnen von der Studienzentrale (ohne Einfluss des behandelnden Arztes) zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die eine Gruppe erhält adjuvant entweder eine alleinige Chemotherapie nach dem aktuellsten Stand, die andere eine solche Chemotherapie und eine zusätzliche Behandlung mit Bevacizumab für ein Jahr. Ziel der Studie ist der Vergleich der Zeiten ohne Rückfall der Erkrankung bei diesen beiden Patientinnengruppen. Gestartet ist diese Studie bereits 2007, und bis Ende 2009 sollen über 2500 Patientinnen eingeschlossen sein.

In die BETH-Studie (BEvacizumab and Trastuzumab Adjuvant Therapy in HER2-positive Breast Cancer), die 2008 gestartet ist, sollen ca. 3500 Patientinnen mit HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium eingeschlossen werden. Untersucht wird die adjuvante Therapie mit Bevacizumab und dem HER2-Antikörper Trastuzumab nach vorangegangener Chemotherapie. Es soll herausgefunden werden, wie sich im Vergleich zu Patientinnen, die nur mit Chemotherapie und Trastuzumab behandelt werden, die zusätzliche Gabe von Bevacizumab das Rückfallrisiko senkt.

Auch Studienzentren in Deutschland und Österreich beteiligen sich an BETH und BEATRICE. Brustkrebspatientinnen, die sich für die Teilnahme an einer dieser beiden Studien interessieren, sollten sich an ihren behandelnden Arzt wenden.


Aktualisiert am: 22.07.11 - 15:12



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