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Komplementäre Medizin - Möglichkeiten und Grenzen

Flüssigkeit tropft in Flasche
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Als alternative Therapien oder Komplementärmedizin werden Behandlungsmethoden bezeichnet, die alternativ oder ergänzend zur sogenannten Schul- oder konventionellen Medizin eingesetzt werden. Die in Europa bekanntesten Alternativmethoden sind Homöopathie und Akupunktur. Für viele der Verfahren gibt es derzeit nicht genügend klinische Studien, die wissenschaftlichen Standards entsprechen, um die Wirksamkeit und Sicherheit der Methoden bei Krebserkrankungen ausreichend beurteilen zu können. Es empfiehlt sich daher, bei ihrem Einsatz keinesfalls auf Krebstherapien zu verzichten, deren Effektivität in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde. Ergänzende Maßnahmen sollten immer mit dem behandelnden Onkologen besprochen werden. Nur so erhält die Komplementärmedizin ihren Stellenwert in einem gemeinsamen Therapiekonzept.

Unter Krebspatienten gefragt

Gerade Krebspatienten sind oft auf der Suche nach alternativen Therapien, die sie ergänzend zur Krebstherapie anwenden wollen. Befragungen in Deutschland ergaben einen Anteil von 21 bis 78 Prozent der Krebspatienten - je nachdem, in welchem Krankheitsstadium sie befragt und welche Alternativmethoden in die Befragung einbezogen wurden. Am häufigsten gefragt waren Mistelpräparate, Vitamine und Spurenelemente.

In vielen Fällen verbirgt sich hinter der Anwendung alternativer Therapien der Wunsch, der Situation nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern aktiv etwas zur Besserung des eigenen Befindens beitragen zu können. Es soll nichts unversucht bleiben, jede Chance zur Heilung genutzt werden. Der Erfolg der herkömmlichen schulmedizinischen Behandlung soll durch die Heilmethoden unterstützt und die körpereigene Immunabwehr gestärkt werden. 

Welche Verfahren finden Anwendung?

Mistelzweig
Quelle: Simon Jung © Fotolia

• Medikamente

Bsp.: Mistelextrakte, Thymusextrakte, Enzyme, Megamin, Ukrain, Factor AF2

In der Alternativmedizin werden pflanzliche Präparate und Präparate aus Organextrakten eingesetzt. Es gilt vor allem das Immunsystem zu stärken, Nebenwirkungen der konventionellen Therapie zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Viele der Medikamente sind für verschiedene Erkrankungen zugelassen und frei in der Apotheke zu erwerben. Für einige werden die Kosten von den Krankenkassen erstattet, für andere nicht, weil ihre Wirksamkeit und vor allem auch die Sicherheit nicht erwiesen sind. Vor der Anwendung pflanzlicher und organischer Extrakte sollten Krebspatienten unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt sprechen. Geklärt werden muss beispielsweise, ob Wechselwirkungen mit der herkömmlichen Krebstherapie zu befürchten sind, sodass diese nicht mehr ausreichend wirken kann oder vermehrt Nebenwirkungen auftreten.  

Mistelextrakte sind die bei der Krebsbehandlung am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamente. Durch ihren Einsatz, so ergaben zahlreiche Studien, können die Lebensqualität der Betroffenen verbessert und Nebenwirkungen reduziert werden. So lassen sich das Wohlbefinden fördern und die Konzentrationsfähigkeit steigern, außerdem gehen Schmerzen, Durchfall und Erbrechen zurück. Besonders gut profitieren offenbar Brustkrebspatientinnen von der Misteltherapie.

• Ernährungsempfehlungen

Bsp.: sog. Krebsdiäten, Vitamine, Spurenelemente, Nahrungsergänzungsmittel, Kombucha, orthomolekulare Medizin

Sogenannte Krebsdiäten erheben den Anspruch, den Krankheitsverlauf bis hin zur Heilung günstig beeinflussen zu können und vor Rückfällen der Erkrankung zu schützen. Bestimmte Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Zubereitungsformen werden empfohlen oder verboten (Fasten, Saftkuren, Rohkostdiät, vegetarisch-vollwertige Kostformen u.a.). Dabei gibt es unzählige Diätformen, die sich teilweise erheblich unterscheiden. Bislang konnte für keine Krebsdiät überzeugend gezeigt werden, dass sie Krebserkrankungen aufhalten und die Überlebenszeit der Betroffenen verlängern könnte.

Sehr beliebt ist die Einnahme von Vitaminen (Antioxidanzien) und Spurenelementen. Umfragen ergaben, dass zahlreiche Krebspatienten zusätzlich zur konventionellen Krebstherapie Vitamin- und Spurenelementpräparate in Dosierungen einnehmen, die mitunter mehr als das Zehnfache des empfohlenen Tagesbedarfs betragen. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Krebserkrankung direkt hemmen zu können, die Nebenwirkungen der Chemo- oder Strahlentherapie zu mindern und das Immunsystem zu stärken. Wissenschaftliche Untersuchungen dazu erbrachten bislang keine eindeutigen Ergebnisse. Allerdings mehren sich die Hinweise darauf, dass sich die Einnahme hochdosierter, antioxidativ wirksamer Vitamine und Spurenelemente auch negativ auf das krankheitsspezifische Überleben und die Rückfallhäufigkeit bei Krebserkrankungen auswirken könnte.

• Technische Verfahren

Bsp.: Hyperthermie, Magnetfeld, Ozonbehandlung, systemische Krebsmehrschritttherapie nach v. Ardenne, Galvanotherapie

Die Ganzkörperhyperthermie ist eine Methode, bei der die Krebszellen durch Erhitzung „verkocht“ und zerstört werden. Ihre Wirksamkeit, allein oder in Kombination mit Chemo- und/oder Strahlentherapie, wird in klinischen Studien geprüft. Für die systemische Krebsmehrschritttherapie nach von Ardenne, eine Kombination aus Ganzkörperhyperthermie mit der Anwendung von Sauerstoff, hingegen gibt es Hinweise auf gravierende und lebensbedrohliche Komplikationen. Sie wurde deshalb inzwischen vom Gemeinsamen Bundesausschuss als „nicht anerkannte Methode“ eingestuft, wird aber nach wie vor für Krebskranke angeboten.

• „Psychologische“ Verfahren

Bsp.: Visualisierung, Hypnotherapie, Geistheilung, Reiki, Biofeedback, Qi Gong

• Komplexe / Traditionelle Konzepte

Bsp.: Homöopathie, anthroposophische Medizin, Hildegard-Medizin, Ayurveda, traditionelle chinesische Medizin, Akupunktur

Weiterführende Links

(kvk)



Quellen:
Horneber, M. et al.: Unkonventionelle Verfahren in der Onkologie. In: Hiddemann, W. & Bartram, C. (Hrsg.): Die Onkologie. 2., aktualisierte Aufl. Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2010, S. 586-611

Hübner, J. & Münstedt, K.: Alternative Therapien in der Onkologie. Können sie die konventionelle Medizin ersetzen? In: Der Onkologe 15, (2009), S. 1-7

Heese, O. et al.: Complementary therapy use in patients with glioma. An observational study. In: Neurology 75(24), (2010), S. 2229-2235

Lebensqualität unter der Lupe. Hilft Mistel-Extrakt bei Krebs? In: Extracta gynaecologica, 4, (2010), S. 42

Bilder: 
emer, ivan kmit, Simon Jung, Günter Menzl, Szasz-Fabian Erika © Fotolia

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

Aktualisiert am: 18.12.2014 22:04