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19.02.2010 - Antidepressive Therapie bei Brustkrebs: Vorsicht bei der Wirkstoffwahl

Das Antidepressivum Paroxetin kann die Wirkung einer Hormontherapie mit Tamoxifen bei hormonempfindlichem Brustkrebs abschwächen
Bei der Behandlung von hormonempfindlichem, so genanntem Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs spielt das Antiöstrogen Tamoxifen eine entscheidende Rolle. Eine gleichzeitige Therapie mit dem Antidepressivum Paroxetin aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer kann den Erfolg dieser Hormonbehandlung empfindlich stören – und dadurch die Sterblichkeit an der Brustkrebserkrankung bei Frauen nach den Wechseljahren erhöhen. Das berichteten kanadische Wissenschaftler im British Medical Journal.

Eine antidepressive Therapie mit Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ist während der Brustkrebstherapie nichts Ungewöhnliches. Sowohl die Wechseljahresbeschwerden ähnlichen Nebenwirkungen von Tamoxifen wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche als auch das Krebsleiden selbst führen bei vielen Patientinnen zu einer depressiven Verstimmung. Auch in der aktuellen Untersuchung war fast ein Drittel der Brustkrebspatientinnen mit einem Antidepressivum behandelt worden, wobei am häufigsten Paroxetin eingesetzt wurde. Die Forscher werteten die Daten von knapp 2.500 Brustkrebspatientinnen aus, die älter als 66 Jahre waren und eine Hormontherapie mit Tamoxifen erhielten.

Die Einnahme von Paroxetin parallel zur Tamoxifentherapie ging mit einem erhöhten Sterberisiko an der Brustkrebserkrankung einher. Je länger die gleichzeitige Therapie andauerte, desto stärker war der Risikoanstieg. Die Forscher errechneten, dass bei einer gleichzeitigen Gabe von Paroxetin und Tamoxifen über einen Zeitraum von 41 Prozent der Dauer der Tamoxifentherapie ein zusätzlicher krebsbedingter Todesfall unter 20 Frauen innerhalb von fünf Jahren auftritt. Andere Antidepressiva hingegen hatten in der Untersuchung keine Auswirkungen auf das krebsbedingte Sterberisiko.

Ursache der Wechselwirkung von Paroxetin und Tamoxifen sind Stoffwechselvorgänge in der Leber. Tamoxifen wird in der Leber durch ein bestimmtes Enzym in seine aktive Form umgewandelt. Paroxetin hemmt dieses Enzym, wodurch die Aktivierung von Tamoxifen ausbleibt. Die Forscher raten dazu, bei Brustkrebspatientinnen, die Tamoxifen erhalten und gleichzeitig eine antidepressive Therapie benötigen, auf andere Wirkstoffe als Paroxetin auszuweichen.


Quellen:
Kelly, C.M. et al.: Selective serotonin reuptake inhibitors and breast cancer mortality in women receiving tamoxifen: a population based cohort study. British Medical Journal, 2010, 340:c693, doi:10.1136/bmj.c693

Ausführliche Informationen zur Hormontherapie bei Brustkrebs finden Sie hier auf den Internetseiten der Deutschen Krebsgesellschaft

(ks)
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