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Sterben und Sterbebegleitung

Sich auf den eigenen Tod einzulassen, ist eine sehr schwere Aufgabe. Sie ist mit viel Angst verbunden und verlangt eine große seelische Anpassungsleistung.

Dr. Elisabeth Kübler-Ross, eine amerikanische Sterbeforscherin, beschreibt typische Phasen, mit denen sterbende Menschen auf die massive Todesbedrohung und den bevorstehenden Verlust reagieren. Sie sind keinesfalls als starres Phasenmodell im Sinne eines „Sterbens nach Plan“ zu verstehen, sondern als Orientierungshilfe zum besseren Verständnis für die seelischen Prozesse todkranker Menschen.

Phasenmodell nach Dr. Kübler-Ross:
  • 1. Phase:  Nichtwahrhabenwollen und Isolierung
    „Ich doch nicht, das ist ja gar nicht möglich.“ Der Kranke versucht, die tödliche Krankheit vor sich selbst zu leugnen. Manche sind davon überzeugt, der Arzt habe eine Fehldiagnose gestellt oder die Befunde vertauscht. Viele klammern sich an Heilsversprechen von Außenseitern und machen unrealistische Zukunftspläne. Auch der Patient, der erkannt hat, dass er sterben wird, weist diese Bedrohung ab und zu wieder von sich.
  • 2. Phase:  Zorn
    „Warum gerade ich?“ Der Sterbende empfindet die Erkrankung als ungerecht. Er ist wütend und enttäuscht. Sein oft ohnmächtiger Zorn kann sich gegen alles und jeden richten, ohne dass die Wutausbrüche wirklich persönlich gemeint sind.
  • 3. Phase:  Verhandeln
    „Wenn Gott mich bis zur Kommunion meines Enkels leben lässt, dann verspreche ich, dass ich ...“ Der Sterbende hat erkannt, dass er sterben wird, und feilscht in der Regel mit Gott um eine Lebensverlängerung, um Tage ohne Schmerzen usw.
  • 4. Phase:  Depression
    Wenn der Patient immer schwächer wird und den bevorstehenden Tod nicht mehr länger leugnen kann, befällt ihn das schmerzhafte Gefühl eines schrecklichen Verlustes. Er trauert um das, was er bereits verloren hat, z.B. seinen früheren Lebensplan, seine Gesundheit, und um den drohenden Verlust, der ihm noch bevorsteht, wie die Trennung von geliebten Menschen und Dingen und den Verlust des eigenen Lebens.
  • 5. Phase:  Zustimmung
    Nachdem der Sterbende die vorherigen Phasen durchlaufen und Unterstützung gefunden hat, kann er einen Zustand erreichen, in dem er seinen Tod akzeptiert und ihm in gewisser Weise friedlich und fast ohne Gefühle entgegensieht.
Durch alle Phasen zieht sich fast immer die Hoffnung, das Schicksal doch noch abwenden zu können. Diese Hoffnung hilft dem Betroffenen, besonders schwierige Zeiten auszuhalten.

Die beschriebenen Phasen werden häufig beobachtet. Sie müssen aber nicht bei jedem Patienten auftreten. Meist laufen sie auch nicht chronologisch ab, sondern können nebeneinander bestehen, sich abwechseln oder sich ganz vermischen. Die seelischen Reaktionen erscheinen oft als ein ständiges Auf und Ab, und natürlich können auch andere Gefühle und Reaktionsweisen auftreten.

Weitere Informationen zum Thema "Verständnis für die Schutzmechanismen des Patienten" finden Sie  auf der Seite „Bewältigungsmechanismen" .

Was hilft Sterbenden?

Es ist eine große Erleichterung für den Sterbenden zu spüren, dass Menschen für ihn da sind und ihn auf seinem letzten Weg begleiten. Begleiten meint, sich auf den Patienten einzulassen, ihn in seiner Angst zu verstehen und seine Gefühle zu respektieren, ohne ihn zu verurteilen. Jeder Mensch geht im Angesicht des Todes seinen ganz eigenen Weg. So wie er sein Leben lang seinen eigenen Weg gegangen ist. Dabei gibt es kein „richtiges“ oder „gutes“ Sterben.

Hilfreich sind Offenheit für Gespräche, Zuhören-Können und das Erspüren des „richtigen Zeitpunktes“, in dem der todkranke Patient über seine Gefühle, das was ihm gerade wichtig ist (auch wenn es augenscheinlich gar nichts mit Sterben zu tun hat), sein Sterben oder z.B. ganz praktisch über die Organisation seines Nachlasses reden will und kann. Das bedeutet auch, aufmerksam zu sein und zu akzeptieren, wenn er sich schützen muss, weil die Bedrohung des Todes für ihn zu groß wird, oder wenn er nicht über Tod und Sterben reden will, sondern über das, was ihn zur Zeit bewegt und ihn noch am Leben hält.

Weitere Informationen zum Thema "Verständnis für die Schutzmechanismen des Patienten" finden Sie auf der Seite „Bewältigungsmechanismen"

Viele Außenstehende sind verunsichert, wie sie dem Sterbenden gegenüber mit der „Wahrheit“ umgehen sollen. Ehrlichkeit ist notwendig und schafft Vertrauen. Es muss aber nicht alles gesagt werden. Der Sterbende verkraftet meist nur das, was er selbst erfragt. Seine Schutz- oder Abwehrmechanismen – z.B. Ausweichen, Verleugnen, scheinbare emotionale Nichtbetroffenheit – sollten immer respektiert werden.

Einfühlungsvermögen, Verständnis und das Vermitteln menschlicher Geborgenheit schaffen die Voraussetzungen dafür, dass sich der Sterbende offen mit seinem Tod auseinandersetzen und Abschied nehmen kann. Dazu gehört das Durchleben und der Ausdruck tiefer Gefühle. Manchmal entlastet auch das Ausdrücken „negativer“ Gefühle den Betroffenen. Lassen Sie auch dafür Platz. Wenn es Ihnen schwer fällt, sorgen Sie auch für Ihre eigene Entlastung. So helfen Sie ihm bei der Bewältigung seiner schwierigen Situation. Ein Klima der Offenheit hilft dem Patienten auch, die oft vorhandenen Empfindungen von Schuld (z.B. durch ein früheres Fehlverhalten, noch schwelende Konflikte) zuzulassen und sich vor seinem Tod noch auszusöhnen.

Für manche Patienten ist es wichtig, deutlich zu machen, dass sie den drohenden Tod nicht annehmen wollen, ihn nicht für angemessen halten und „unter Protest“ sterben. Auch dies darf sein; es ist nicht Ihre Aufgabe dafür zu sorgen, dass der Betroffene sich mit seinem Sterben versöhnt.

Spirituelle und religiöse Themen rücken in der letzten Lebensphase häufig stärker in den Vordergrund. Viele Patienten erfahren z.B. durch eine seelsorgerische Betreuung wertvolle Orientierung und seelische Entlastung. Die meisten Patienten haben Angst davor, Schmerzen aushalten und leiden zu müssen. Ganz wichtig ist deshalb die Organisation einer guten medizinischen und pflegerischen Betreuung, die dem Sterbenden die ihn überwältigende Angst nimmt und ihn beruhigt.

Patienten, die an der Schwelle des Sterbens sind, denken häufig nicht in einer geordneten Abfolge. Sie können z.B. ihre Angelegenheiten regeln, sich von ihren Lieben verabschieden und gleichzeitig die nächste Urlaubsreise planen oder von der bevorstehenden Genesung sprechen. Lassen Sie Ihrem Gegenüber Platz, sich in seiner inneren Welt ein Gleichgewicht zu schaffen, das ihn seine Situation als erträglich erleben lässt.

In der Endphase des Lebens verengt sich das Interesse des Sterbenden häufig zunehmend. Er ist schwach, oft müde und sucht Ruhe. Die Probleme der Außenwelt interessieren ihn nicht mehr. „Schweigsame“ Nähe, körperliche Berührung (entsprechend der Intimität der Beziehung), das Mit-Aushalten und schließlich das Loslassen sind wertvolle Zeichen menschlicher Begegnung mit dem Sterbenden.

Manchmal sind Angehörige mit der seelischen und pflegerischen Belastung überfordert. Hospizhelfer, Pflegedienste, Gesprächsangebote zur Entlastung etc. können Unterstützung bieten. Alternativ, wenn die Betreuung zu Hause nicht möglich ist, bieten vor allem spezielle Einrichtungen für Sterbende (Hospize) eine umfassende und ganzheitliche Betreuung an.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch im Kapitel „Hilfe für Angehörige“ .

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Aktualisiert am: 06.05.09 - 12:29


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