Angaben zu Autoren und Sponsoren finden Sie am Ende des Beitrags.
Krebssprechstunde: Lungenkrebs
Ein Experte der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. beantwortet die Fragen von Betroffenen, Angehörigen und Interessierten.Am 19. September 2006 um 19 Uhr war es wieder soweit: Die Krebssprechstunde ging live auf Sendung. Anlässlich des Deutschen Lungentages war das aktuelle Thema
Lungenkrebs. Diese Krebserkrankung ist in Deutschland nicht nur besonders häufig, sondern sie hat bei später Diagnose auch eine sehr
ungünstige Prognose, wie der Experte der Deutschen Krebsgesellschaft,
Dr. Karl-Matthias Deppermann aus Neuruppin, gleich zu Beginn der Krebssprechstunde zeigte.
Bei den zahlreichen Fragen, die die Nutzer des Internetportals der Deutschen Krebsgesellschaft dem Experten vor und während der Krebssprechstunde per Email, Fax oder Telefon stellten, kristallisierten sich denn auch zwei große Fragenkomplexe heraus:
- Wie hoch ist das Risiko durch inhalatives Zigarettenrauchen? Wie lässt sich das Krebsrisiko verringern?
- Welche Therapiemöglichkeiten bestehen bei fortgeschrittenem Lungenkrebs? Was leisten hier die neuartigen Krebsmedikamente, die den bösartigen Tumor gezielt angreifen?
Der wichtigste Risikofaktor ist bekannt ...
Lungenkrebs ist eine der wenigen Krebserkrankungen, bei denen der wichtigste Risikofaktor, nämlich das inhalative Zigarettenrauchen, schon seit langem bekannt ist. Dabei steigt das Krankheitsrisiko direkt mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten. So haben Raucher bei täglich 1 bis 10 Zigaretten ein 5- bis 6mal höheres Lungenkrebsrisiko als Nichtraucher, bei mehr als 20 Zigaretten steigt das Risiko sogar um das 20- bis 30fache. Eindrucksvoll bestätigt werden diese Zahlen durch die Tatsache, dass circa 90% aller Lungenkrebs-Patienten Raucher sind.
Noch stärker als Erwachsene sind Jugendliche und Kinder durch den Zigarettenkonsum gefährdet. Der Grund: In diesem Alter ist das Bronchialsystem besonders empfindlich und wird durch die Zigaretten-Schadstoffe entsprechend leicht geschädigt.
... und vermeidbar!
Damit nicht noch mehr Kinder – das Einstiegsalter für Zigarettenrauchen liegt in Deutschland inzwischen bei 10 bis 11 Jahren! - mit dem Rauchen beginnen und später an Lungenkrebs erkranken, müssen sie bereits im Grundschulalter über die Gefahren des Rauchens aufgeklärt werden. Entsprechende Programme werden u.a. von Kliniken in Heidelberg und Hamburg angeboten (siehe hierzu
www.ohnekippe.de,
www.nichtrauchenistcool.de).
Der möglichst (lebens)-lange Verzicht auf die Giftstoffe aus der Zigarette ist auch deshalb so wichtig, weil es bei dieser Krebserkrankung – anders als zum Beispiel bei Darmkrebs oder Brustkrebs – bisher noch keine Möglichkeiten der routinemäßigen Früherkennung gibt. In den meisten Fällen wird Lungenkrebs daher erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium erkannt.
Wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist
Sobald sich einzelne Tumorzellen vom ursprünglichen Tumor entfernt haben und zum Beispiel in einem der anderen Lungenlappen, im Knochen oder im Gehirn zu Tochtergeschwülsten herangewachsen sind, kann die Krankheit nicht mehr geheilt werden. In diesem Stadium haben die Patienten auch keinen Nutzen von einer Lungenoperation, die bei Patienten mit frühem Lungenkrebs eine Heilung ermöglichen kann.
Die Beschwerden und auch die Lebenserwartung bei Lungenkrebs mit Metastasen lässt sich aber durch die Behandlung mit Medikamenten verbessern, die die Krebszellen über den Blutkreislauf erreichen. Einziger Therapiestandard war hier in der Vergangenheit die Chemotherapie. Diese Medikamente wirken zwar zunächst recht gut gegen die Krebszellen, sie greifen dabei aber auch viele gesunde Zellen an. Die Folgen: Viele Patienten leiden unter schweren Nebenwirkungen, die nicht selten zur Unterbrechung oder sogar zum Abbruch der Krebsbehandlung führen und die Betroffenen sowie oft auch ihre Angehörigen sehr belasten und ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigen.
Neuartige Krebsmedikamente erweitern die Therapiemöglichkeiten
Besondere Hoffnungen werden daher heute in die neue Generation von Krebsmedikamenten gesetzt, die den bösartigen Tumor ganz gezielt angreifen – und gleichzeitig die gesunden Zellen weitgehend schonen.
Als erstes „zielgerichtetes“ Medikament gegen Lungenkrebs ist seit September 2005 Erlotinib in Deutschland erhältlich. Das
neuartige Krebsmedikament , das gegen das so genannte
nichtkleinzellige Bronchialkarzinom wirkt und nach Versagen einer Chemotherapie zugelassen ist, unterbricht in der Krebszelle die krankhaft verstärkte Weiterleitung von Wachstumssignalen. Damit wird zugleich das weitere Wachstum des bösartigen Tumors und der ihn versorgenden Blutgefäße unterbunden. Für den Lungenkrebspatienten bedeutet dies: Er leidet weniger unter Husten, Atemnot und Schmerzen. Und seine Lebensqualität verbessert sich spürbar, denn das Medikament wird nur einmal täglich als Tablette eingenommen und hat gegenüber der Chemotherapie deutlich weniger und vergleichsweise harmlose Nebenwirkungen. Die typischen Hautveränderungen und der Durchfall lassen sich relativ gut kontrollieren und sind in der Regel ein Indiz für ein gutes Ansprechen auf die Behandlung. Wie bei der Krebstherapie generell ist es aber auch hier wichtig, dass der Patient mit dem behandelnden Arzt zeitnah über alle Veränderungen in seinem Befinden spricht.
(bbb)
Die Durchführung der Sprechstunde wurde ermöglicht mit Unterstützung der Roche Pharma AG.
Aktualisiert am: 08.02.07 - 11:40