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Krebs ist kein Tabu - Vielfältiges Programm auf dem Krebsaktionstag

Wer in Deutschland an Krebs erkrankt, kann auf ein gutes Netz an Hilfe und Unterstützung zurückgreifen. Zahlreiche Organisationen, Vereine und Initiativen nutzten den Krebsaktionstag im Rahmen des 29. Deutschen Krebskongresses in Berlin, um ihre Angebote vorzustellen. Diese reichen von Beratung über Selbsthilfegruppen und Workshops bis zur Clownsprechstunde. „Wir wollen dieses Thema enttabuisieren und die Angst nehmen“, sagte Kongresspräsident Prof. Werner Hohenberger, „denn Krebs ist zunehmend heilbar“. Viele der Besucher nutzten die Gelegenheit, um Experten direkt zu befragen.

Reges Treiben herrschte am Krebsaktionstag im Internationalen Congress Center in Berlin. Mit insgesamt 3.000 Besuchern war die Veranstaltung der Deutschen und der Berliner Krebsgesellschaft wieder ein Publikumsmagnet. An den Informationsständen der zahlreichen Aussteller standen angeregt diskutierende Grüppchen. Nebenwirkungen der Behandlung waren ebenso ein Thema wie Patientenrechte. Auch das umfangreiche Informationsmaterial wurde dankbar angenommen. Deutlich wurde, dass Krebs mehr erfordert als eine gute Therapie. So spielen die psychischen Auswirkungen und der Umgang mit der Erkrankung im Alltag für viele Patienten und ihre Angehörigen eine zentrale Rolle. Hier bieten die zahlreichen Beratungsstellen ebenso Unterstützung wie Schminkschulen für Krebspatientinnen oder Workshops zum Ausprobieren von Kunst- oder Poesietherapie. Um die belastende Zeit des Haarausfalls während einer Chemotherapie gut zu überstehen, können Tücher und Perücken das subjektive Wohlbefinden verbessern, wie ein weiterer Workshop zeigte. Wertvolle Ernährungstipps vermittelte das gut besuchte Kochstudio mit Sternekoch Michael Hoffmann und Ernährungsexpertin Dr. Ute Gola.


Zahlreiche Aussteller informierten über ihre breit gefächerten Angebote.

Lebensqualitätspreis für seelische Unterstützung Krebskranker


Serap Tari aus München wurde für ihr Engagement für Krebspatienten ausgezeichnet.
Viele ehrenamtliche und professionelle Akteure engagieren sich im Kampf gegen Krebs. Zur guten Tradition gehört die Verleihung des Lebensqualitätpreises der Deutschen Krebsgesellschaft und der Firma Pierre Fabre. In diesem Jahr ging die Auszeichnung an Serap Tari aus München. Zur Begründung sagte Kongresspräsident Hohenberger, sie verstehe es „in besonderer Weise, Hochleistungsmedizin mit Menschlichkeit zu verbinden.“
Die Psychoonkologin bemüht sich seit vielen Jahren um laienverständliche
Informationen zum Thema Krebs und hat den Förderverein „Lebensmut e.V.“ gegründet, der sich vor allem um die seelischen Belastungen von Menschen mit Krebs kümmert.

Früherkennung - Möglichkeiten und Grenzen


Experten erläuterten den Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen bei verschiedenen Krebsarten.
Krebs ist heute oftmals nicht nur gut behandelbar, sondern kann auch verhindert werden. Viele Risikofaktoren sind bekannt, aber wie nützlich sind Früherkennungsuntersuchungen? Diesem Thema widmet sich eine große Diskussionsveranstaltung mit verschiedenen Experten. Dabei zeigte sich, dass es bei den einzelnen Krebsarten durchaus Unterschiede gibt: Während das Haut- und das Mammografie-Screening unbestritten als große Errungenschaften gelten, wird vor allem der Nutzen des
Prostataspezifischen Antigens (PSA-Test) für die Diagnose Prostatakrebs kontrovers diskutiert. Der Urologe Prof. Jan Roigas vom Vivantes-Klinikum in Berlin wies darauf hin, dass PSA kein Tumor-, sondern ein Prostatamarker sei. Jeder Mann ab 45 Jahren sollte seinen persönlichen PSA-Wert kennen, aber nicht jeder müsse bei einer Erhöhung gleich eine Biopsie bekommen.

Beim Gebärmutterhalskrebs mehren sich die Anzeichen dafür, dass der Nachweis von krebsauslösenden Humanen Papillomaviren (HPV) die Früherkennung noch verbessern könnte. In diesem Zusammenhang warb Frauenarzt Prof. Achim Schneider von der Charité in Berlin nochmals nachdrücklich für die HPV-Impfung, die viele Krebsfälle vermeiden könne. Eine Alternative zur - von vielen Menschen als unangenehm empfundenen - Koloskopie zur Früherkennung von Darmkrebs gibt es derzeit nicht. Sie sei, so Spezialist Dr. Michael Mayer aus Berlin „Vorbeugung und gleichzeitig Therapie“, da verdächtige Vorstufen bereits während der Untersuchung entfernt werden können. Die Experten waren sich einig darüber, dass die Früherkennung in Deutschland europa- und teilweise sogar weltweit vorbildlich sei. Allerdings, darauf wurde ebenfalls hingewiesen, könne nur der umfassend informierte Patient für sich die richtige Entscheidung treffen. Dazu gehöre auch die Aufklärung über die Folgen eines positiven Befunds.

Persönliche Erfahrungen zwischen Verzweiflung und Hoffnung

Der Aktionstag bot viele Möglichkeiten, sich auszutauschen und im Kampf gegen den Krebs zu bestärken. Die Autorin Annette Rexrodt von Fircks schilderte im Rahmen einer Lesung ihre ganz persönlichen Wege und Irrwege auf der Suche nach dem richtigen Arzt, dem besten Medikament und der gesündesten Ernährung. Mit 35 Jahren bekam die Mutter von damals drei kleinen Kindern die Diagnose Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Aus ihren sehr authentischen Schilderungen wurde klar: Es gibt keinen Königsweg, jeder muss diese Situation individuell annehmen und eigene Strategien entwickeln. Frau Rexrodt von Fircks empfahl den Zuhörern auch, die vielen, insbesondere im Internet verfügbaren Informationen kritisch zu prüfen. In ihrem neuen Buch „Dem Krebs davonleben“ beschreibt sie vor allem die Zeit nach der erfolgreichen Therapie, in der sie trotz großer Angst vor einem Rückfall wieder lernen musste, auf eigenen Beinen zu stehen. Sehen Sie dazu auch unser Interview mit Annette Rexrodt von Fircks, das wir auf dem Krebsaktionstag mit ihr geführt haben.

Organe zum Anfassen und Erkunden

Viel Zuspruch fanden auch die überdimensionalen Organmodelle, die einen detaillierten Blick ins Innere unseres Körpers erlaubten. Niere, Bauchspeicheldrüse und Wirbelsäule zum Anfassen waren kaum zu übersehen. In der aufgeschnittenen Lunge konnte man beispielsweise sehen, wie sie sich durch einen Tumor verändert. Wer wollte, konnte auch einen Erkundungsgang durch den Darm unternehmen.


Die riesigen Organmodelle waren mit viel Liebe zum Detail gefertigt.

Kreative Schüler engagieren sich gegen das Rauchen

Frischen Wind brachten Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet in die Veranstaltung. Sie hatten als Auszeichnung für ihr Engagement im Nichtraucherwettbewerb „Be Smart - Don’t Start“ eine Einladung zum Kongress erhalten. Auf der Bühne sangen, tanzten und rappten sie und brachten damit eine gewisse Leichtigkeit in ein schweres Thema. Ihre Programme reichten von kleinen Rollenspielen über interaktive Rätsel bis zum Schattentheater, in dem die böse Königin niemals schöner sein kann als Schneewittchen - solange sie raucht!

(as)

Mehr zum Krebsaktionstag:

Impressionen vom Krebsaktionstag in unserer Bildergalerie
Aufzeichnung der Veranstaltung „Gesundes Kochen“
Interview mit Autorin Annette Rexrodt von Fircks


Aktualisiert am: 24.04.12 - 13:51



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