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Hautkrebs – eine Erkrankung mit vielen Facetten

  
Schon mit den ersten warmen Sonnenstrahlen zieht es uns wieder nach draußen. Das ist verständlich und auch gut, denn Sonne verbessert das psychische und geistige Leistungsvermögen und regt die Bildung von Vitamin D an. Aber sie hat auch ihre Schattenseite: Übermäßige UV-Strahlung ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Hautkrebs. Die Zahl der Neuerkrankungen ist in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich gestiegen. Nach aktuellen Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO treten weltweit jedes Jahr zwei bis drei Millionen neue Fälle von hellem Hautkrebs sowie mehr als 130.000 neue Fälle von schwarzem Hautkrebs auf. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 17.800 Menschen am gefährlichen schwarzen Hautkrebs, ca. 3.000 sterben daran.

Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs

Es gibt viele verschiedene Arten von Hautkrebs. Diese unterscheiden sich vor allem hinsichtlich ihrer Entstehung, ihres Aussehens und ihrer Heilungschancen. Weißer Hautkrebs kann in der Regel geheilt werden, schwarzer Hautkrebs dagegen ist bösartig. Die Bezeichnung hat jedoch nichts mit unserer bildlichen Auffassung von „schwarz = böse“ und „weiß = gut“ zu tun. Vielmehr gehen die Namen auf die Art der Zellen zurück, aus denen der Hautkrebs entsteht. Während beim weißen Hautkrebs vor allem nicht-pigmentierte Epithelzellen der Oberhaut entarten, sind es beim schwarzen Hautkrebs Melanozyten, also die bräunlichen Pigmentzellen. Dieser Hautkrebs wird daher auch als Melanom bezeichnet. Da Pigmentzellen nicht in einem Gewebeverband wachsen, sondern sich frei in der Haut bewegen, können sie frühzeitig Metastasen bilden. Der Begriff Hautkrebs wird meist synonym für diese bösartige Form gebraucht.

Weißer Hautkrebs

  • Basaliom


    Plattenepithelkarzinom
     
    Basalzellkarzinom (Basaliom):
    • häufigster Hauttumor
    • langsam wachsend
    • meist im Gesicht
    • vor allem bei älteren Männern
    • gute Heilungschance
        
  • Plattenepithelkarzinom (Spinaliom):
    • entsteht aus Vorstufen (aktinische Keratosen)
      durch dauerhafte Sonnenbelastung
    • schneller wachsend als das
      Basalzellkarzinom
    • vor allem im Gesicht
    • vorwiegend bei ältere Menschen
    • gute Heilungschancen
Schwarzer Hautkrebs

  • Melanom
    Malignes Melanom:
    • entwickelt sich aus Pigmentzellen
    • vor allem bei hellhäutigen Menschen
    • schnell wachsend
    • bösartig - neigt zur raschen Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen)
    • häufigste Ursache für Todesfälle
Seltene Hauttumoren
  • Merkelzellkarzinom:
    • seltener, aber sehr aggressiver Hauttumor
    • wird begünstigt durch das Polyomavirus
    • am häufigsten bei älteren Menschen 
        
  • Kutane Lymphome:
    • entstehen durch unkontrollierte Vermehrung von weißen Blutkörperchen
    • oftmals gutartig
    • nicht von der Einwirkung von UV-Licht abhängig

Schwarzer Hautkrebs schwer zu behandeln

Weißer Hautkrebs mit seinen häufigsten Unterformen, dem Basalzellkarzinom und dem Plattenepithelkarzinom, lässt sich durch operative Entfernung der betroffenen Stelle gut behandeln und heilen.

Wesentlich schwieriger ist die Therapie von malignen, also bösartigen Melanomen. Auch hier steht die Operation im Vordergrund. Bei größeren Tumoren wird anschließend eine Immuntherapie eingesetzt, um einen Rückfall zu verhindern. Hat der Krebs jedoch bereits gestreut, ist eine Operation nicht mehr sinnvoll. In diesem Fall stellen Chemo- und Strahlentherapie eine Alternative dar. Dank intensiver Forschung stehen für das fortgeschrittene maligne Melanom mittlerweile auch neue Medikamente zur Verfügung, die das Krebswachstum hemmen.

Mehr Sonnencreme - mehr Schutz

 
Auch wenn Hautkrebs in vielen Fällen geheilt werden kann, betrifft er doch ein Organ, das nach außen gut sichtbar ist. Eine Operationsnarbe im Gesicht ist für niemanden schön. Aber jeder kann selbst dazu beitragen, das Risiko für die Entstehung von Hautkrebs zu beeinflussen. Denn ähnlich wie beim Lungenkrebs ist die Hauptursache bekannt: die UV-Strahlung der Sonne. Zwar hängt die individuelle Gefährdung auch vom Hauttyp ab, dennoch gehört Sonnenschutzcreme heute nicht nur in jedes Urlaubsgepäck. Auch zu Hause sollte sie bei jedem Aufenthalt im Freien aufgetragen werden.

Aber welchen Lichtschutzfaktor (LSF) braucht man mindestens? „Je höher, desto besser“, sagt unser Interviewpartner , Hautkrebs-Experte Prof. Jürgen Becker aus Graz. Der Lichtschutzfaktor (LSF) bezieht sich immer auf die langwellige UV-B-Strahlung und gibt die Zeit an, die man länger in der Sonne bleiben kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Die auf der Packung angegebenen Kategorien dienen dabei der besseren Orientierung:
  • niedrig: LSF 6, 10
  • mittel: LSF 15, 20 und 25
  • hoch: LSF 30,50
  • sehr hoch: LSF 50
Allerdings, so Prof. Becker, wird der angegebene LSF fast nie erreicht, da sich die meisten Menschen viel zu dünn eincremen. Das verrät auch die häufig gestellte Frage, ob man die angebrochene Packung Sonnenmilch aus dem Urlaub noch verwenden kann. Für Prof. Becker heißt das: „Wer drei Wochen mit 100 ml auskommt, hat nicht genug aufgetragen.“ Da die Erkrankung meist im höheren Lebensalter auftritt, vergessen die meisten Menschen auch, dass man sie oftmals bereits in der Kindheit erwirbt: Die Haut vergisst keinen Sonnenbrand. Daher sollten Kinder nicht nur mit einem hohen LSF eingecremt werden, sondern in der Sonne möglichst auch immer ein leichtes T-Shirt tragen.

Obwohl die Gefahr von Sonnenbräune durch Solarien bekannt ist, hat sich dies laut Prof. Becker noch nicht im Bewusstsein der Bevölkerung niedergeschlagen. Zwar ist es Jugendlichen unter 18 Jahren seit 2009 verboten, Solarien zu besuchen. Diese Regelung wird jedoch in der Praxis viel zu wenig kontrolliert und durchgesetzt. Europaweit belegt Deutschland sogar einen Spitzenplatz bei der Nutzung von Solarien.

Früherkennung ist lebensrettend

 
Neben der Vermeidung von Hautkrebs hat die Früherkennung eine große Bedeutung. Denn wie bei fast allen Krebsarten gilt auch hier: Je früher die Krankheit erkannt, wird, desto besser lässt sie sich heilen. Wer sich regelmäßig selbst beobachtet, tut schon viel für seine Hautgesundheit. Seit 2008 gibt es ab einem Alter von 35 Jahren eine gesetzliche Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Dieses sogenannte „Screening“, also die systematische Untersuchung möglichst vieler Menschen, hat bereits erste Erfolge gezeigt, wie Prof. Becker im Interview erläutert. Ergebnisse aus Studien weisen darauf hin, dass durch die rechtzeitige Entdeckung von Frühformen halb so viele Menschen an Hautkrebs sterben wie noch vor zehn Jahren. Der regelmäßige Besuch beim Hautarzt lohnt sich also. Wenn Sie möchten, erinnern wir Sie mit unserem Gesundheitsservice per E-Mail an Ihre Termine zur Krebsfrüherkennung. Anhand Ihres Geburtsdatums berechnen wir Ihre persönlichen Vorsorgetermine und schicken Ihnen rechtzeitig eine Erinnerungsmail.

(as)



Quellen:
WHO – Skin cancers
Krebs in Deutschland 2007/2008. Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister. 8. Ausgabe, Berlin 2012
Deutsches Krebsforschungszentrum – Krebsinformationsdienst
Leitlinie Malignes Melanom, Version 15, 2005
Breitbart E.W. und Katalinic A. Sitzung: Hautkrebsscreening, DKK 2012, Berlin.
Waldmann A et al. Skin cancer screening participation and impact on melanoma incidence in Germany - an observational study on incidence trends in regions with and without population-based screening. Br J Cancer. 2012 Feb 28;106(5):970-4.
Breitbart EW et al. Systematic skin cancer screening in Northern Germany. J Am Acad Dermatol. 2012 Feb;66(2):201-11.

Fotos: 
Dalaprod, Elenasuslova, vimarovi © Fotolia



Aktualisiert am: 09.04.14 - 10:58



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