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Sport, Lebenslust und Wohlbefinden

Bewegung und Lebensfreude sind nicht nur etwas für Kinder
"Sitz doch endlich mal still!" Wie oft haben wir das in unserer Kindheit gehört. Und heute? Am Frühstückstisch, in Auto oder U-Bahn, im Büro, in der Kantine, wieder im Büro, wieder im Auto, am Abendessen-Tisch und schließlich vor dem Fernseh- oder Computerbildschirm: Eigentlich sitzen wir die ganze Zeit. Als Kinder haben wir uns die ganze Zeit bewegt. Fühlen wir uns jetzt besser als damals? Die meisten werden sagen: Nein. Bewegung macht Spaß, sie lässt uns unseren Körper richtig spüren, verleiht Lebensfreude und Selbstbewusstsein. Die Voraussetzung: Wir bleiben locker und machen das, was uns Freude bringt. Wer mit hochrotem Kopf, zusammengebissenen Zähnen, tapfer das Seitenstechen ignorierend und ständig auf Bestzeiten schielend seine Jogging-Runden dreht, hat etwas missverstanden.

Fitnesswahn und Körperkult – nein danke

Die Medien zeigen uns perfekte Körper, wohin wir schauen. Allzu oft stammt diese Perfektion aus dem Operationssaal eines Schönheitschirurgen oder – viel einfacher und garantiert schmerzfrei – aus dem Bildbearbeitungs-Computer, auf dem alles "Überflüssige" elegant wegretuschiert wurde. Ein Blättern durch gängige Frauenzeitschriften ist geeignet, jeder normalen Frau Komplexe einzujagen. Minderjährige Models führen Kleidung vor, die Erwachsene kaufen sollen. Und "zufällig" finden wir auf der Seite daneben eine Anzeige für teure Cellulite-Cremes. Aber: Kein Sport und keine Creme kann bewirken, dass erwachsene Frauen aussehen wie Teenager. Und ehrlich – wer möchte schon gern wieder ein Teenager sein?

Bewegung und Sport sollen uns also weder die perfekten Maße von Plastikpuppen verschaffen, noch wollen wir unbedingt demnächst irgendwelche "Iron Man"-Wettbewerbe mitmachen. Extreme sind nie gut. Was uns Bewegung und Sport bringen kann, ist ein gutes Körpergefühl, mehr Wohlbefinden und ganz nebenbei eine bessere Gesundheit.

Der innere Schweinehund – Wie motiviere ich mich richtig?
Das Wichtigste: Eine Bewegungsart oder Sportart finden, die uns Spaß macht. Dann freuen wir uns darauf, anstatt uns überwinden zu müssen. Wer kaltes Wasser verabscheut, sollte sich also nicht vornehmen, zweimal pro Woche schwimmen zu gehen – wie wär's damit, auf Inline-Skates dahinzugleiten? Wer Probleme mit den Knien hat, ist mit Radfahren besser dran als mit Jogging. Wer lieber zu Hause bleibt, kann sich einen Ellipsentrainer oder ein Standfahrrad kaufen – die gibt's auch gebraucht - und beim Training fernsehen; und wer findet, dass mit Musik doch alles am besten geht, ist vielleicht in einem Tanzkurs gut aufgehoben.

Trotzdem wird es möglicherweise Momente geben, wo man keine Lust hat, das geplante Sportprogramm "durchzuziehen". Das ist in Ordnung so, denn schließlich gilt: "Kein Mensch muss müssen". Wenn es also draußen "Hunde und Katzen" regnet, müssen wir nicht sklavisch unser Joggingprogramm absolvieren, nur weil es heute "dran" ist. Wie wär's damit, eine CD mit heißen Rhythmen einzulegen und durch die Wohnung zu tanzen? Das ist auch Bewegung, bringt jede Menge Spaß und bietet willkommene Abwechslung vom üblichen Trott. Und wenn morgen die Sonne scheint, holen wir die Joggingschuhe um so lieber hervor.

Wie trainiere ich richtig?
  • Die wichtigste Regel: Locker und mit Freude herangehen.
Wenn Sie Sport und Bewegung zur Steigerung der Lebensfreude und der Kondition einsetzen wollen und nicht auf Rekorde hinzielen, brauchen Sie – sofern Herz und Kreislauf gesund sind - weder Stoppuhr noch Pulsmesser. Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie beim Laufen oder Radfahren, Schwimmen oder Tanzen noch lächeln oder sich sogar unterhalten können und beim Ein- und Ausatmen regelmäßig durch die Nase atmen, strengen Sie sich nicht zu sehr an. Sie sollten schon etwas schneller und tiefer atmen als in Ruhe, aber keinesfalls nach Luft schnappen oder außer Atem kommen. Wenn Sie das Gefühl haben, so könnten Sie noch stundenlang weitermachen, sind Sie auf dem richtigen Weg. Achten Sie auf das Gefühl danach: Steigen Sie verschwitzt aber glücklich vom Rad und könnten hinterher "Bäume ausreißen" - oder sind Sie völlig erschöpft, mit Atemnot und sogar Schwindel? Ihr einziges Ziel sollte sein, sich nach dem Sport besser zu fühlen als vorher. Was wehtut, schadet nur.

Achtung an all diejenigen, die gern nach "Leistung" streben: Sie könnten sich leicht überfordern. Mit zusammengebissenen Zähnen und hochrotem Kopf ist es schwer, Lebensfreude zu empfinden. In diesem Fall ist eine Pulsuhr angebracht, möglichst eine, die Sie erinnert, wenn Sie die Obergrenze des "Erlaubten" erreicht haben. Eine gute Faustregel sagt: 180 minus Lebensalter sollte nicht wesentlich überschritten werden, für 50-Jährige also ein Puls von 130 Schlägen pro Minute.
  • Zweite Regel: Mäßig aber regelmäßig
Jedes Wochenende zwei Stunden Sport – das ist der falsche Weg. Alle zwei Tage 20-30 Minuten mäßige Bewegung sollte es schon sein. Im Zweifel lieber leichter und länger als kürzer und härter trainieren, und wenn Sie mal nicht so gut drauf sind: Eine halbe Stunde spazieren gehen ist auch in Ordnung. Am besten setzen Sie sich täglich in Bewegung. Es gibt viele Möglichkeiten, Bewegung in den Alltag einzubauen: Treppen statt Rolltreppen nehmen, oder absichtlich eine Station früher aus dem Bus aussteigen und den Rest der Strecke zu Fuß gehen.

Wer schon einige Wochen Training hinter sich hat und sich schon viel leistungsfähiger fühlt: Verstärken Sie nicht die Anstrengung, sondern verlängern Sie die Zeit. Das ist schonender für den Körper und verbessert die Kondition am besten.

Vorbilder
Manchmal kommt es vor, dass Menschen nach Krebserkrankungen nicht nur Freizeit-, sondern sogar Leistungssport betreiben und darin hervorragende Leistungen erzielen.

Der dänische Fußballer Ebbe Sand etwa, Nationalspieler seines Landes und derzeit bei Schalke 04 engagiert, erkrankte mit 26 Jahren an Hodenkrebs. Die Erkrankung wurde rechtzeitig erkannt und behandelt, Sand konnte seine Karriere fortsetzen.

Auch der Radrennfahrer Lance Armstrong erkrankte an Hodenkrebs und kehrte 1998 nach anderthalb Jahren Pause zurück. Seit 1999 hat er die Tour de France dreimal in Folge gewonnen.

Die russisch-schwedische Hürdenläuferin Ludmilla Engquist kehrte nach ihrer Brustkrebs-Operation ebenso zum Hochleistungssport zurück wie der Fußballer Heiko Herrlich von Borussia Dortmund nach Operation seines Gehirntumors.

Natürlich sind dies Ausnahmen – aber sie zeigen, dass auch eine Krebserkrankung nicht unbedingt das Ende einer sportlichen Karriere bedeuten muss.

(red)




Quellen:
K.S. Zänker, N. Becker: Primäre Prävention, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 279-306


Aktualisiert am: 05.06.11 - 13:25



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