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Biologie und Sport

Regelmäßige Bewegung hält nicht nur körperlich gesund, sie macht auch Spaß und fördert das allgemeine Wohlbefinden. Wer sich wohlfühlt, ist resistenter gegen Stress und wird mit Herausforderungen besser fertig. Dabei gilt es das rechte Maß zu finden: Gerade bei Sport und Bewegung ist mehr nicht unbedingt besser.

Generell gilt die Regel: Strukturen, die nicht gefordert werden, verkümmern. Strukturen, die richtig gefordert werden, bauen sich auf und bleiben gesund. Und Strukturen, die überfordert werden, verschleißen. Dies gilt für Muskeln genauso wie für Knochen und Gelenke.

Für die Gesundheit am besten ist es, mindestens dreimal pro Woche mäßigen Sport zu betreiben und dabei wöchentlich 1.000-1.500 Kalorien zusätzlich zu verbrauchen. Allzu viel ist allerdings auch nicht gut: Ein zusätzlicher Kalorienverbrauch von mehr als 3.500 Kalorien pro Woche kann schon wieder negative Auswirkungen haben. Erschöpfung fördert die Gesundheit nicht, und Verletzungen kommen bei Überforderung häufiger vor.

Sport und Hormone
Regelmäßige mäßige Bewegung - das muss nicht unbedingt Jogging sein - fördert die Ausschüttung bestimmter Hormone ins Blut. Dazu gehören "Glückshormone" wie die Endorphine ebenso wie das blutzuckersenkende Hormon Insulin. Dieses fehlt bei Diabetikern – aber regelmäßiges Training kann ihnen helfen, Insulin einzusparen. Sie müssen also weniger davon spritzen. Längst gilt Training neben richtiger Ernährung und Insulinspritzen als die dritte "Säule" der Diabetestherapie. Übrigens profitieren auch die sogenannten "Typ-2-Diabetiker", die in der Regel kein Insulin spritzen müssen, von regelmäßigem Sport. Mit richtiger Ernährung und Training können sie oft ganz ohne Medikamente auskommen.

Sport fördert außerdem die Ausschüttung von Cortisol ins Blut. Dieses Hormon aus der Nebennierenrinde, oft auch "Stresshormon" genannt, bewirkt unter anderem die Bildung von Zucker aus Eiweiß, so dass der Körper wieder rasch verfügbare Energie verbrauchen kann. Cortisol wirkt außerdem entzündungshemmend und fördert den Fettabbau. Das Hormon wird auch als entzündungshemmendes Medikament verordnet und kann besonders bei Langzeitanwendung einige unangenehme Nebenwirkungen haben; dies trifft jedoch für die körpereigene Hormonbildung nicht zu.

Sport und Denken
Regelmäßiger mäßiger Sport scheint auch das Altern des Gehirns aufzuhalten. Ein wichtiger Grund ist sicher die bessere Durchblutung: Das Gehirn bekommt mehr Sauerstoff. Studien mit Mäusen, die ständigen Zugang zu einem Laufrad hatten, brachten jedoch noch einen überraschenden zusätzlichen Befund: Regelmäßiges Training kann offenbar sogar dafür sorgen, dass mehr Hirnzellen nachwachsen. Wer sich regelmäßig bewegt, hat also nicht nur mehr Spaß am Leben, er bleibt auch länger geistig fit und unabhängig.

Schutz vor Krankheit
Mäßiger Sport scheint das Immunsystem zu stimulieren. Über die Bildung eines Hormons (Interleukin-6) aktiviert der Körper bei regelmäßigem Training die B-Zellen und die T-Zellen des körpereigenen Abwehrsystems. Krankheitserreger und körperfremde Stoffe können so besser erkannt und bekämpft werden. Tatsächlich leiden Menschen, die regelmäßig trainieren, weniger unter Erkältungskrankheiten als Untrainierte.

Aber auch andere "Feinde" kann ein trainiertes Immunsystem möglicherweise besser bekämpfen: Krebszellen. Immer wieder entstehen auch im gesunden Körper bösartige Zellen, jedoch wird das Immunsystem normalerweise schnell mit ihnen fertig, so dass sie sich nicht festsetzen und Krebs auslösen können. Ein starkes Immunsystem ist zwar leider keine Gewähr dafür, dass wir keinen Krebs bekommen, aber es könnte die Wahrscheinlichkeit vermindern.

Krebsrisiko senken?
Menschen mit guter körperlicher Fitness sterben 2,7 mal seltener an Krebs als ihre bewegungsarmen Zeitgenossen – und was fast noch wichtiger ist, sie sterben achtmal seltener an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Selbst wer also sein Krebsrisiko nicht durch Sport senken konnte, profitiert immens.

Sport und Brustkrebs
Einige Studien legen nahe, dass Frauen ihr Brustkrebsrisiko durch regelmäßiges moderates Training auf etwa die Hälfte senken können. Dabei genügt etwa eine halbe Stunde aktives Gehen ("Walking") pro Tag. Auch körperliche Arbeit, die mit viel Bewegung verbunden ist (Bettenmachen, Fensterputzen u.ä.) kann schon den gleichen Effekt haben. Auf die Regelmäßigkeit kommt es dabei an. Dieser Befund ist deshalb so interessant, weil Brustkrebs nach wie vor die häufigste Krebsart der Frau ist. Seit immer mehr Frauen rauchen, holt zwar der Lungenkrebs mächtig auf, noch aber bleibt der Brustkrebs Spitzenreiter. Allerdings sind die Studien bisher noch nicht überzeugend genug, als dass der krebsreduzierende Effekt als eindeutig bewiesen angesehen werden könnte. Am besten also, Sie treiben Sport aus Freude an der Bewegung und nehmen die bewiesenen und eventuellen gesundheitlichen Vorteile als angenehme "Nebenwirkung" zur Kenntnis.

Sport und Darmkrebs
Auch das Risiko für Darmkrebs lässt sich möglicherweise durch regelmäßiges moderates Training auf die Hälfte senken. Darmkrebs ist nicht so häufig wie Brustkrebs, die Zahl der Erkrankungen steigt jedoch mit dem Alter an. Halbiertes Risiko, das bedeutet in absoluten Zahlen: Von 1000 Menschen, die keinen Sport treiben, erkranken vier an Darmkrebs, von 1000 sportlichen Zeitgenossen zwei. 996 Menschen haben also durch den Sport ihr Darmkrebsrisiko nicht beeinflusst. Allerdings haben sie sich auch nicht geschadet, im Gegenteil: Bessere Gesundheit für Herz und Kreislauf, mehr Lebensfreude und weniger Erkältungskrankheiten sind ihr Lohn.

Sport und Krebs bei Frauen
Laut einigen vorliegenden Studien profitieren Frauen in bezug auf die Krebsvorbeugung besonders. Schon mäßiges Training, also etwa ein halbstündiger flotter Fußmarsch jeden Tag, senkt möglicherweise ihr Risiko für Brustkrebs. Es ist noch nicht einmal wichtig, bewusst in der Freizeit "Sport zu treiben". Ein körperlich aktiver Lebensstil, also viel zu Fuß gehen, Rad fahren, Treppen steigen, oder auch körperliche Arbeit tragen schon zur Risikosenkung bei. Dabei scheint die Risikoabsenkung von der Menge des Training abzuhängen; je mehr Sport jemand treibt, desto besser. Voraussetzung: Es findet keine Überforderung statt. Überforderung schadet dem Immunsystem. Mehr als etwa 3.500 zusätzlich verbrannte Kalorien pro Woche sollten es möglichst nicht sein. Dafür müsste eine Frau von 67 kg allerdings über 10 Stunden lang in flottem Tempo Rad fahren oder 25 Stunden Volleyball spielen.

Sport und Krebs bei Männern
Männer müssen für die Senkung ihres spezifischen Krebsrisikos durch Sport mehr tun als die Frauen – und selbst dann fällt die Risikosenkung nicht so deutlich aus. Das Risiko für Prostatakrebs kann absinken, wenn Männer sich fettarm und kohlenhydratreich ernähren und gleichzeitig ein Trainingsprogramm von täglich 30-60 Minuten sportlichem Gehen ("Walking") absolvieren. Allerdings sinkt das Krebsrisiko "nur" um etwa 30%, und auch hier reicht die Beweislage noch nicht aus, um die Erkenntnisse als wirklich gesichert anzusehen. Dies ist jedoch kein Grund, auf Training zu verzichten. Männer erkranken öfter und in deutlich jüngeren Jahren als Frauen an Herz-Kreislauferkrankungen, und deren Risiko lässt sich durch regelmäßiges Training stark vermindern.

(red)




Quellen:
K.S. Zänker, N. Becker: Primäre Prävention, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 279-306


Aktualisiert am: 05.06.11 - 13:20



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